Escobars Erbe in Kolumbien: Die Koks-Hippos von Doradal

Sie sind nicht zufällig hier, die Flusspferde in den Straßen von Doradal (Foto: elcolombiano.com)

 

Von Sinikka Tarvainen

Doradal, 8. Januar 2018 – Mit seinen Drogenmillionen richtete sich Pablo Escobar einen Zoo ein. Der kolumbianische Drogenboss ist schon seit 1993 tot, doch seine Flusspferde machen heute die Umgebung seines Luxusanwesens unsicher.

Ein Flusspferd auf der Straße – das ist in Doradal ganz normal. „Wir sehen sie sehr oft“, sagt Hotelrezeptionistin Maria Isabel Pamplona. Die Tiere kommen zwar meist nicht ins Zentrum, aber die kleineren Straßen laufen sie oft entlang. Auch auf dem Fußballplatz des Dorfes im Nordwesten Kolumbiens grasen schon mal Nilpferde. Dass sie sich hierher verirrt haben und die Gegend unsicher machen, hängt mit einem Mann zusammen: Pablo Escobar.

Besonders beliebt bei den Tieren sind der Fluss und ein See in der Nähe des etwa 170 Autobahnkilometer von Medellín entfernten Ortes. Diese Tropengemeinde war in den 1970er und 80er Jahren ein legendärer Rückzugsort des Drogenkartells von Medellín um Escobar, das den milliardenschweren illegalen Handel mit den USA kontrollierte.

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Kokain ist auch der Grund, warum die eigentlich in Afrika heimischen Flusspferde durch Doradal laufen. Die Tiere kommen von der Hacienda Nápoles, dem etwa 3000 Hektar großen ehemaligen Landsitz Escobars.

Auf der Hacienda Nápoles errichtete der Drogenboss ein Gebäude im spanischen Kolonialstil, eine Stierkampfarena, ein Rollfeld für die Flugzeuge für den Drogenschmuggel und auch einen Privatzoo mit Hunderten exotischen Tieren, darunter auch Tiger und Elefanten.

Heute ist es ein Freizeitpark, am Eingangstor hängt noch immer das erste Flugzeug, mit dem Escobar Kokain geschmuggelt hatte. Selbst hier wurde vor den Augen von Gästen gemordet, bis hin zum Ertränken im Pool. Das Medellín-Kartell soll für mindestens 6000 Morde verantwortlich sein, basierend auf Aussagen von Mitgliedern.

Escobar hatte für Nápoles unter anderem drei Nilpferdweibchen und ein Männchen von einem kalifornischen Zoo erworben. Er wurde 1993 von Sicherheitskräften erschossen. Zu diesem Zeitpunkt war die Hacienda bereits verfallen, viele der Tiere waren verhungert, wurden gestohlen oder weiterverkauft. Nach Jahren der Vernachlässigung wurde versucht, den Escobar-Mythos mit dem Umbau zu einer Attraktion für Touristen zu etwas Geld zu machen. Die Leitung selbst will keine Auskünfte geben. Fremdenführer sagen, Tiere aus Escobars Zeiten seien zwar so gut wie keine mehr dort, eine Ausnahme seien aber die sogenannten Kokain-Hippos.

Die Tiere fühlten sich in dem warmen Klima pudelwohl und vermehrten sich sehr stark. Derzeit gibt es geschätzt 50 Flusspferde. In zwei Jahren könnten es schon 70 sein, sagt David Echeverri von der regionalen Umweltvereinigung Cornare. Die Flusspferde brechen auf der Suche nach Nahrung oder Territorien für die jungen Männchen immer wieder aus dem Parkgelände aus, Zäune sind für sie kein Hindernis.

Nilpferddame Vanessa hat einen Teich für sich. Sie wurde von ihrer Herde verstoßen und lässt sich gerne von Touristen mit Möhren füttern. Ihr zahmes Verhalten trägt zu dem Eindruck der Einheimischen bei, dass Flusspferde harmlose und knuddelige Tiere seien.

„Wir haben keine Angst vor ihnen, sie haben noch nie jemanden gebissen“, sagt etwa der Kellner Hector Giraldo. „Sie sind an Menschen gewöhnt.“ Dieser Eindruck könnte kaum falscher sein. Flusspferde gehören zu den aggressivsten Tierarten, vor allem wenn sie Junge haben oder um Territorium buhlen. Die Tiere wurden Dutzende Kilometer von der Hacienda Nápoles entfernt gesichtet.

Die Behörden warnen die Bevölkerung vor den Hippos, wie die Zeitung „El Colombiano“ berichtet. Da sie immer wieder aus dem Gelände ausbrechen, erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs, sagt Echeverri. Auch für das ökologische Gleichgewicht berge der Flusspferd-Zuwachs Risiken, fügt er hinzu. Die Tiere könnten wie andere invasive Arten einheimische Spezies verdrängen.

Eine Möglichkeit, der Flusspferde Herr zu werden, ist eine Geburtenkontrolle. Vier Männchen seien zwischen 2011 und 2013 sterilisiert worden, sagt Experte Echeverri. Allerdings sei dies teuer und es dauere oft Monate, die Tiere einzufangen.

Zusätzlich zu Kastrationen sollen die Tiere auf der Hacienda besseren Zugang zu Nahrung erhalten, um sie dort zu halten. Ein stabilerer Zaun soll die Ausflüge schwieriger machen. Einige von Escobars Flusspferden könnten außerdem eine neue Heimat finden. „Wir sind in Kontakt mit ausländischen Zoos, die vielleicht Flusspferde aufnehmen. In Uruguay und Mexiko gibt es Interesse“, sagte Echeverri. (dpa/dmz/hl)

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