Experten: Mord an Indio-Führerin in Honduras lange geplant

Die honduranische Umweltschützerin Berta Cáceres (Foto: gaipe.net)

 

Tegucigalpa, 1. November 2017 – Berta Cáceres setzte sich gegen den Bau eines Wasserkraftwerks ein. Vor rund eineinhalb Jahren wurde sie in ihrem Haus erschossen. Laut einer neuen Untersuchung stecken Firmenmitarbeiter und staatliche Sicherheitskräfte hinter dem Anschlag.

Der Mord an der prominenten honduranischen Umweltschützerin Berta Cáceres ist nach Einschätzung internationaler Experten von Unternehmern und staatlichen Sicherheitskräften gemeinsam geplant worden. Mitarbeiter der Baufirma Desa, private Sicherheitsleute und Staatsbeamte hätten ein Komplott geschmiedet, um die Indio-Aktivistin aus dem Weg zu räumen, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Expertenkommission GAIPE.

Die Gruppe besteht aus Menschen- und Strafrechtsexperten und hat auf Bitten von Cáceres’ Familie den Fall untersucht. Sie werteten Telefongespräche sowie Textnachrichten aus, erstellten Bewegungsprofile anhand von Mobilfunkdaten und befragten Zeugen.

Acht Verdächtige wurden bereits festgenommen, darunter Desa-Mitarbeiter, Auftragsmörder und Soldaten. Die Drahtzieher des Mordes sind allerdings noch immer unbekannt.

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Cáceres war im März 2016 in ihrem Haus erschossen worden. Die Aktivistin setzte sich für die Rechte der Lenca-Indianer ein und kämpfte gegen den Bau des Wasserkraftwerks Agua Zarca durch die Firma Desa. Für ihr Engagement war die Koordinatorin des Rats der indigenen Völker Honduras’ (Copinh) mit dem renommierten Goldman-Umweltpreis ausgezeichnet worden.

Nach dem Mordanschlag stellte das deutsche Unternehmen Voith seine Lieferungen für das umstrittene Wasserkraftprojekt Agua Zarca ein. Über ein Joint Venture sollten Voith und Siemens Turbinen, Generatoren und Automatisierungstechnik im Wert von rund acht Millionen Euro an Desa liefern.

Desa-Mitarbeiter, Angestellte privater Sicherheitsfirmen und Vertreter der staatlichen Sicherheitsbehörden hätten von langer Hand einen Plan geschmiedet, um den Widerstand gegen das Wasserkraftwerk zu brechen, hieß es in den GAIPE-Bericht. Dazu gehörten demnach Schmutzkampagnen, Bedrohungen und Mord.

„Der Mord an Berta Cáceres geht auf einen Plan hoher Desa-Mitarbeiter zurück. Die Mitarbeiter der Firma arbeiteten dabei mit staatlichen Sicherheitskräften zusammen und bedienten sich Parallelstrukturen im staatlichen Sicherheitsapparat“, schrieben die Experten.

Die Kommission rief die honduranischen Behörden dazu auf, entschlossen nach den Hintermännern der Tat zu fahnden, künftig die Rechte der indigenen Völker bei der Vergabe von Konzessionen zu achten und Menschenrechtsverletzungen durch private Unternehmen zu unterbinden. (dpa/dmz/hl)

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