Krawalle wegen Manipulationsvorwürfen bei Wahl in Honduras – Endergebnis offen

Chaos auf den Straßen von Tegucigalpa (Fotos: El Heraldo)

 

Tegucigalpa, 1. Dezember 2017 –  Auch vier Tage nach der Präsidentenwahl im mittelamerikanischen Honduras steht noch kein Sieger fest. Das Ergebnis dürfte extrem knapp ausfallen – die Gesellschaft ist tief gespalten. Die Anhänger der Opposition fühlen sich betrogen und gehen auf die Straße.

Vier Tage nach der Präsidentenwahl in Honduras haben zahlreiche Menschen gegen die Verzögerung bei der Verkündung des Ergebnisses protestiert. Anhänger des Oppositionskandidaten Salvador Nasralla errichteten am Donnerstag Straßenblockaden, steckten Autoreifen in Brand und schleuderten Steine auf die Sicherheitskräfte. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor.

Das Wahlamt hatte zunächst angekündigt, das amtliche Endergebnis am Donnerstag bekannt zu geben. Allerdings stand das Resultat am späten Abend noch immer nicht fest. In der Nacht zum Freitag kündigte die Behörde dann eine Verschiebung der Bekanntgabe um ein bis zwei Tage an. Es gebe Unklarheiten bei mehr als 1000 Wahldokumenten, sagte der Wahlamtsleiter David Matamoros. Man müsse die Urnen öffnen und die Wahlzettel auszählen. Dies betreffe etwa sechs Prozent der Stimmen.

Amtsinhaber Hernández ganz knapp vorne

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Während die ersten Teilergebnisse zunächst auf einen Sieg Nasrallas hindeuteten, liegt nun der Amtsinhaber Juan Orlando Hernández ganz knapp vorne. Nach der Auszählung von 94,3 Prozent der Stimmen kam Hernández auf einen Anteil von 42,92 Prozent. Auf Herausforderer Nasralla entfielen demnach 41,42 Prozent. Er werde das offizielle Ergebnis nicht anerkennen, kündigte Nasralla an.

Zuvor hatte er sich wie auch Amtsinhaber Hernández auf Drängen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) schriftlich zur Anerkennung des Ergebnisses verpflichtet. „Ich war der Sieger, es ist unmöglich, das umzudrehen“, sagte der Oppositionskandidat. Er warf der Regierung Wahlfälschung vor. Beweise dafür legte er zunächst nicht vor.

„Wir rufen das Volk zur Besonnenheit auf“, sagte Matamoros. „Wir werden keinen Sieger bekannt geben, bis nicht alles zu 100 Prozent ausgezählt ist. Ich fordere die politischen Führer auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und ihre Anhänger zu beruhigen.“ Die verbleibenden Urnen wiesen Unregelmäßigkeiten auf und sollen deshalb in Anwesenheit der Kandidaten und internationaler Wahlbeobachter ausgezählt werden, sagte Matamoros.

In der Hauptstadt Tegucigalpa herrschte Chaos. Demonstranten blockierten die großen Ausfallstraßen, Einheiten der Bereitschaftspolizei marschierten auf. „Wir sind empört. Wir haben uns mit den Nachbarn versammelt, um zu protestieren und um unseren neuen Präsidenten Salvador Nasralla zu unterstützen“, sagte ein Mann im Viertel El Reparto. (dpa/dmz/hl)

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