Altkanzler Kohl tot – Merkel: Er war ein Glücksfall für Deutschland

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Helmut Kohl  am 1. Oktober 1982 bei seiner ersten Vereidigung im Deutschen Bundestag in Bonn (Foto: Bundesregierung/Wegmann)

 

Berlin 16. Juni 2017 – Helmut Kohl, Kanzler der Einheit und Wegbereiter der Europäischen Union, ist tot. Der Alt-Bundeskanzler und langjährige CDU-Vorsitzende starb im Alter von 87 Jahren, bestätigte sein Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Kohl hat 16 Jahre lang die Geschicke der Bundesrepublik geleitet, so lange wie bisher niemand vor und nach ihm.

Kohl starb den Infomationen zufolge am Freitagmorgen in seinem Haus in Ludwigshafen. Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war er schwer krank, saß im Rollstuhl und konnte nur schwer sprechen. 2015 hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert. Nach Operationen lag er monatelang im Krankenhaus. Im Herbst kehrte Kohl aber wieder in sein Haus in Ludwigshafen-Oggersheim zurück, wo er zuletzt im April 2016 noch Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban empfing.

Bewegende Worte von Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte ihren Amtsvorgänger als großen Europäer und Kanzler der Einheit. Man werde noch lange bewundern, wie entschlossen er und seine Mitarbeiter die Gunst der Stunde zur deutschen Vereinigung genutzt hätten. “Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens”, sagte Merkel. “Helmut Kohl ist damit zu einem Glücksfall für uns Deutsche geworden.” Kohl habe auch ihren Lebensweg entscheidend verändert. “Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat.”

Der frühere US-Präsident George H. W. Bush schrieb zu Kohls Tod: “Er ist der Mann, den ich als einen der größten politischen Führungsfiguren im Nachkriegseuropa ansehe.” Bush war einer der US-Präsidenten, die während Kohls Amtszeit im Weißen Haus waren. Beide Politiker gelten als Väter der Deutschen Einheit.

Rekordkanzler und Einheitskanzler

Kohl hat Deutschland von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler regiert. Er war treibende Kraft für die EU und eine gemeinsame Währung. Als sein größter Erfolg gilt aber die deutsche Wiederereinigung.

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Kohl erkannte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989, dass das Fenster für die deutsche Einheit  nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus.

Kohl war ein Mann der politischen Rekorde: Von 1973 bis 1998 war er CDU-Vorsitzender – eine 25-jährige Amtszeit dürfte in der Partei nur schwer noch einmal zu erreichen sein.

Angela Merkels Ziehvater

Bundeskanzlerin Angela Merkel führt die Christdemokraten seit 17 Jahren. Kohl war Anfang der 90er Jahre ihr Ziehvater in Bundesregierung und Partei gewesen. Aber sie war es, die Ende der 90er Jahre als damalige CDU-Generalsekretärin die Partei wegen der Spendenaffäre, in die Kohl maßgeblich verwickelt war, zur Loslösung vom Übervater aufforderte. Das Verhältnis der beiden blieb bis zuletzt erschüttert.

Mehr als 40 Jahre war der geborene Ludwigshafener Parlamentarier, zuerst im Mainzer Landtag und von 1976 an im Bundestag. Sieben Jahre – von 1969 bis 1976 – war Kohl Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.

1960 heiratete er die Dolmetscherin Hannelore Renner. Das Ehepaar bekam zwei Söhne – Walter und Peter. 2001 nahm sich Hannelore Kohl, die an einer schmerzhaften Lichtallergie litt, das Leben. Sieben Jahre später schloss Kohl seine zweite Ehe mit der 34 Jahre jüngeren Regierungsdirektorin Maike Richter. (dmz/hl mit Material von deutschland.de)

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