„Bestandsaufnahme Gurlitt“ – Bern und Bonn präsentieren schweres Erbe

In Bern ist August Mackes Bild „ Im Schlossgarten von Oberhofen“, 1914, Legat Gurlitt, zu sehen (Foto: ©Kunstmuseum Bern)

 

Bern, 5. November 2017 – Die Entdeckung war eine Sensation. Und noch lange galten die Bestände der Kunsthändlerfamilie Gurlitt aus der NS-Zeit als geheimnisvoll und umstritten. Endlich werden nun große Teile in einer Doppelausstellung in Bern und Bonn ausgestellt.

Auftakt für die wohl spektakulärste Kunstschau des Jahres: Die Doppelausstellung „Bestandsaufnahme Gurlitt“ ist diese Woche in Bern eröffnet worden. Sie zeigt seit Donnerstag ausgewählte Werke aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt, dem Sohn des für die Nazis tätigen Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt im Kunstmuseum Bern und seit Freitag in der Bundeskunsthalle in Bonn.

Die Leiter und Kuratoren beider Häuser verwiesen darauf, dass die Präsentationen in einen historischen Gesamtkontext eingebettet sind auf dem aktuellen Forschungsstand zum „Kunstfund Gurlitt“. Die Kunstsammlung war vor mehr als fünfeinhalb Jahren von den deutschen Behörden unter rechtlich umstrittenen Umständen beschlagnahmt worden. Der 2014 gestorbene Cornelius Gurlitt hat das Berner Museum zum Erben aller von seinem Vater zusammengetragenen Kunstwerke bestimmt.

Unter dem Titel „“Entartete Kunst“ – Beschlagnahmt und verkauft“ werden in Bern (2. November bis 4. März) anhand von rund 150 Werken die politischen Vorgänge, die zur Diffamierung der Moderne führten, sowie die Verfemung und Verfolgung der betroffenen Künstler dargestellt. „Wir erzählen die Geschichte der „Entarteten Kunst“ und ordnen sie in die Kampagnen gegen die Gegenwartskunst seit Ende des 19. Jahrhunderts ein“, sagte die Direktorin des Kunstmuseums, Nina Zimmer.

In diesem Kontext wird in Bern zudem die Biografie Hildebrand Gurlitts vorgestellt. „Damit wird Gurlitt als Figur der Zeitgeschichte und Akteur des Kunstbetriebs seit den 1920-er Jahren bis zu seinem Tod 1956 fassbar“, sagte Zimmer. Die in Bern gezeigten Werke umfassen neben einigen Gemälden vor allem Arbeiten auf Papier, darunter mehrere als herausragend geltende Beispiele des Symbolismus, Expressionismus und Konstruktivismus. Hildebrand Gurlitt hatte sie vom damaligen Reichspropagandaministerium übernommen – eigentlich zum Verkauf ins Ausland.

Bei der Bonner Ausstellung (3. November bis 11. März) liegt der Fokus unter dem Titel „Der NS-Kunstraub und die Folgen“ auf der Enteignung vor allem jüdischer Sammler. Gezeigt werden 250 Werke, von denen die meisten im Verdacht stehen, Raubkunst zu sein, oder die Herkunft noch nicht hinreichend zu klären war – darunter von Breughel, Beckmann und Dix.

„Die Ausstellungen in Bern und Bonn sind ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“, erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Bei der Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ habe es sich um eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte überhaupt gehandelt. „Sie steht für die Verhöhnung, Verfolgung und Entrechtung vieler Künstlerinnen und Künstler.“ Dabei sei die Ausstellung in Bern „ein wichtiger Teil unseres gemeinsamen Bemühens um Aufklärung und Transparenz“. (dmz/hl)

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