Bonn soll Paris umsetzen – Weltklimakonferenz eröffnet

(Von links): Der Regierungschef Fidschis Frank Bainimarama, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und die UNFCCC-Generalsekretärin Patricia Espinosa bei der Eröffnung auf dem Podium (Foto: BMUB / Dominik Ketz)

 

Bonn, 6. November 2017 – 25 000 Teilnehmer, 195 Länder und eine Supermacht in Verweigerungshaltung: Die Weltklimakonferenz in Bonn ist ein Treffen, das es so in Deutschland noch nie gegeben hat. Der Erfolgsdruck ist hoch.

Mit der Forderung nach einer konsequenten Umsetzung des Pariser Abkommens hat am Montag die Weltklimakonferenz in Bonn begonnen. Die Konferenz in der früheren deutschen Hauptstadt soll in den nächsten zwei Wochen einheitliche Regeln dafür erarbeiten, wie die einzelnen Länder ihren CO2-Ausstoß messen und angeben.

Das Treffen mit 25 000 Teilnehmern aus 195 Ländern gilt auch als wichtiger Gradmesser dafür, ob der Geist von Paris nach der Ausstiegsentscheidung von US-Präsident Donald Trump noch lebendig ist. Trump hatte im Sommer die Aufkündigung des Klimaschutzabkommens durch die Vereinigten Staaten beschlossen. Der Ausstieg kann aber erst 2020 vollzogen werden. Neben Syrien wären die USA dann das einzige UN-Land, das das Abkommen nicht mitträgt.

Nach einer am Montag veröffentlichten Studie der Weltwetterorganisation WMO wird 2017 wohl zu den drei heißesten bisher gemessenen Jahren gehören. Frank Bainimarama, Premierminister der Republik Fidschi und Vorsitzender der Konferenz, betonte, das in Paris gegebene Versprechen müsse deshalb unbedingt gehalten werden.

Deutschland, der „technische Gastgeber“ der Konferenz, will seine finanzielle Hilfe für die vom Klimawandel besonders bedrohten Inselstaaten verstärken. Die Bundesrepublik werde weitere 50 Millionen Euro in den sogenannten Anpassungsfonds der Vereinten Nationen einzahlen, kündigte Umweltministerin Barbara Hendricks an.

Das Entwicklungsministerium stellt 50 Millionen Euro für den Fonds der am wenigsten entwickelten Länder bereit. Die deutschen Zusagen in Höhe von insgesamt 100 Millionen Euro direkt am ersten Tag der Konferenz fanden viel Beifall. „Ein guter Start und ein willkommenes Signal dafür, dass Deutschland seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt“, sagte der Klimaexperte Jan Kowalzig von Oxfam.

Deutschland will den Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken, bisher gehen die Emissionen dafür aber zu langsam zurück. „Nur wenn Merkel in Bonn handfeste Schritte präsentiert, kann die Kanzlerin einer internationalen Blamage entgehen“, kritisierte der Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid.

Die Klimadebatte ist auch ein großer Streitpunkt in den «Jamaika»-Sondierungen von CDU/CSU, FDP und Grünen. Die FDP plädierte am Montag dafür, die deutschen Klimaschutzbemühungen zu verlangsamen. Generalsekretärin Nicola Beer erklärte, die FDP wolle die international vereinbarten Klimaziele für die Jahre 2050 und 2030 einhalten, stellte aber das deutsche Ziel für 2020 in Frage.

Die amtierende Umweltministerin Hendricks kritisierte diese Haltung. „Jetzt einfach sagen, „naja gut, dann haben wir eben Pech gehabt“, das kann nicht sein“, sagte sie in Bonn. Es blieben schließlich noch drei Jahre Zeit bis 2020.

Der 2015 vereinbarte Klimapakt von Paris sieht vor, die gefährliche Erderwärmung in einem weltweiten Kraftakt in den nächsten Jahrzehnten zu bremsen und so dramatische Folgen wie Dürren und einen Anstieg der Weltmeere zu mildern. (dpa/dmz/hl)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*