Der Wähler hat zwei Stimmen: Das deutsche Wahlsystem

Am 24. September wird in Deutschland gewählt (Foto: Tim Reckmann  / pixelio.de)

 

Berlin, 12. September 2017 – Für die deutsche Bundestagswahl gilt ein personalisiertes Verhältniswahlrecht. Jeder Wähler hat zwei Stimmen. Wofür ist die erste Stimme und wofür die zweite? Wir erklären es Ihnen.

Mit der Erststimme entscheidet der Wähler, welcher Kandidat seinen Wahlkreis vertritt, mit der Zweitstimme legt er die prozentuale Verteilung der Sitze im Parlament fest. Die Zweitstimme ist also wichtiger, denn sie entscheidet über die Machtverhältnisse in Deutschland.

Es gibt deutschlandweit 299 Wahlkreise. Das Direktmandat in jedem Wahlkreis erhält der Kandidat mit den meisten Erststimmen. Weitere 299 Parlamentssitze werden über die Landeslisten der Parteien vergeben. Dabei werden nur die Parteien berücksichtigt, die mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten oder via Erststimmen mindestens drei Direktmandate gewonnen haben.

Aus Wahlkreis- und Listenmandaten ergibt sich für den Bundestag eine Mindestgröße von 598 Sitzen. Die tatsächliche Zahl kann deutlich darüber liegen. Wenn nämlich eine Partei in einem Bundesland mehr Wahlkreise per Erststimme gewinnt als ihr nach der Zweitstimmenzahl prozentual zustehen, erhält sie sogenannte Überhangmandate.

Beispiel: Im Bundesland Brandenburg werden 10 Sitze vergeben. Partei X holt 30 Prozent und bekäme demnach 3 Sitze. Sie gewinnt aber 4 Wahlkreise direkt, also erhält sie ein Überhangmandat.

Damit trotz Überhangmandaten der Proporz im Parlament gewahrt bleibt, gibt es für die anderen Parteien Ausgleichsmandate. Der 2013 gewählte Bundestag kam deshalb auf 631 Sitze. (dmz/hl)

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