Papst Franziskus bittet in Chile um Verzeihung wegen Kinderschändung

Papst Franziskus beim Empfang durch Chiles Präsidente Michelle Bachelet im Regierungspalast La Moneda (Foto: Präsidialamt Chile)

 

Santiago de Chile, 16. Januar 2017 – Der angerichtete Schaden sei nicht wieder gutzumachen, sagt der Papst zu den Sexualverbrechen eines chilenischen Priesters. Bei einer Messe ruft er zu einem aktiveren Kampf für Gerechtigkeit auf. Die Teilnahme eines Bischofs löst Proteste aus.

Papst Franziskus hat zum Auftakt seiner Lateinamerika-Reise in Chile um Verzeihung wegen des Kindesmissbrauchs durch einen chilenischen Priester gebeten. „Wir müssen uns dafür einsetzen, dass sich dies nicht wiederholt“, sagte Franziskus am Dienstag im Regierungspalast La Moneda, wo er von Staatschefin Michelle Bachelet empfangen wurde. Der Papst bezog sich auf den 2010 aufgedeckten Fall des Priesterausbilders Fernando Karadima, dessen Taten womöglich von Bischöfen gedeckt wurde. Ein vatikanisches Gericht hatte ihn 2011 schuldig gesprochen.

„Ich kann nicht umhin, den Schmerz und die Scham zum Ausdruck zu bringen, die ich angesichts des nicht wieder gutzumachenden Schadens empfinde, der Kindern von Geistlichen der Kirche zugefügt worden ist“, sagte der Papst in einer Ansprache vor Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft. Der Skandal um Karadima hatte in Chile das Vertrauen in die Kirche schwer erschüttert.

Anschließend rief Papst Franziskus bei der ersten Messe seiner Lateinamerikareise die Menschen zu einem aktiven Einsatz für mehr Gerechtigkeit auf. Wer Frieden wolle, müsse für die Gerechtigkeit arbeiten, sagte das katholische Kirchenoberhaupt im O’Higgins-Park in Santiago de Chile vor rund 400 000 Menschen.

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„Den Frieden aufzubauen, ist ein Prozess“ sagte der Papst. Dieser Prozess rege dazu an, im Nachbarn nicht einen Fremden, einen Unbekannten zu sehen. Franziskus zitierte in seiner Predigt auch den kommunistischen Dichter und Nobelpreisträger Pablo Neruda (1904-1973), der die Hoffnung als „den neuen Tag, die Ausrottung des Stillstands, das Abschütteln einer negativen Niedergeschlagenheit“ bezeichnete.

An der Papst-Messe nahm auch als Konzelebrant ein Bischof teil, der die Sexualverbrechen gegen Kinder gedeckt haben soll. Dies löste Proteste aus. Der beanstandete Bischof von Osorno, Juan Barros, wies die Vorwürfe zurück. Opfer von Karadima hatten nach eigenen Angaben vergeblich beantragt, vom Papst empfangen zu werden. Dutzende Menschen forderten beim Vorbeifahren des Papamobils zum Messegelände die Absetzung des Bischofs. Bei anderen Kundgebungen von Gegnern des Papstbesuchs wurden am Dienstag nach Medienberichten rund 30 Menschen festgenommen.

In seiner Ansprache im Regierungspalast hatte der Papst die chilenischen Führungskräfte aufgefordert, den indigenen Völkern, den Arbeitslosen, den Migranten, der Jugend, den älteren Menschen und den Kindern Gehör zu schenken. Es gehe darum, die „kulturelle Polyphonie“ des Landes zu schützen.

Der Papst wird während seines dreitägigen Besuchs in Chile im Süden des Landes mit Vertretern der indigenen Mapuche zusammenkommen, die seit Jahrzehnten um die Rückgabe von Ländereien kämpfen. Nur 50 Kilometer von dem vorgesehenen Treffpunkt in Temuco entfernt gingen am frühen Dienstag zwei Kapellen in Flammen auf, vermutlich durch Brandanschläge. Am Donnerstag tritt Franziskus die zweite Etappe seiner Lateinamerikareise in Peru an. (dpa/dmz/hl)

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