Auf alte Tage jung verliebt – Mario Vargas Llosa wird 80

Mario Vargas Llosa wird am 28. März 80 Jahre alt  (Foto: Wikipedia )

 

Von Klaus Blume

Berlin, 22. März 2016 – Schreiben will Vargas Llosa bis zu seinem letzten Atemzug. Dabei hat er die höchsten literarischen Lorbeeren längst errungen. Vor sechs Jahren holte er den Nobelpreis, nun feiert der Schriftsteller aus Peru seinen 80. Geburtstag. Im Herbst des Lebens fühlt sich Mario Vargas Llosa noch mal so richtig jung.

Er sei „unglaublich glücklich“ verkündet er in Zeitungsinterviews, und auf manche, die ihn kennen, wirkt der Literaturnobelpreisträger wie ein verliebter Teenager. Grund ist eine neue Liebe, für die der Peruaner, der auch spanischer Staatsbürger ist, nach 50 Jahren Ehe seine Frau verlassen hat. Zugleich sprüht Don Mario vor Schaffensdrang und hat soeben in Madrid seinen neuesten Roman vorgestellt. Am nächsten Montag (28. März) wird der ergraute Weltbürger 80 Jahre alt.

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Seit seiner Liaison mit Isabel Preysler (65) – schillernde Society-Königin, Ex-Frau des Sängers Julio Iglesias und Witwe des früheren spanischen Wirtschaftsministers Miguel Boyer – hat Vargas Llosa in seiner Wahlheimat Madrid die Paparazzi am Hals. Da passt es eigentlich, dass sein neuer Roman „Cinco Esquinas“ („Fünf Ecken“) von den Machenschaften der Boulevardpresse handelt. Das eine habe freilich mit dem anderen nichts zu tun, versicherte der Autor in einem Interview der argentinischen Zeitung „La Nación“. Im neuen Roman, der im Oktober unter dem deutschen Titel „Die Enthüllung“ bei Suhrkamp erscheinen wird, geht es wieder nach Peru.

Dort wurde Vargas Llosa 1936 in der Stadt Arequipa geboren. 1962 leitete er mit dem Roman „Die Stadt und die Hunde“ (dt. 1966) den „Boom“ ein, den Siegeszug lateinamerikanischer Literatur in der Welt, zu dem auch Autoren wie Gabriel García Márquez (Kolumbien), Carlos Fuentes (Mexiko) oder Julio Cortázar (Argentinien) beitrugen.

Schon in den frühen Schaffensjahren lebte der Literat die meiste Zeit in Europa. Der Weg hinaus in die Welt hatte mit einem donnernden Familienkrach begonnen: 1955 heiratete er im zarten Alter von 19 Jahren seine zehn Jahre ältere angeheiratete Tante Julia Urquidi (1926-2010). Vor der tobenden Verwandtschaft verzogen sich die beiden nach Übersee, erst nach Madrid, dann nach Paris, wo die Ehe 1964 zerbrach. Mario heiratete ein Jahr später seine Cousine Patricia Llosa, Nichte seiner ersten Frau. Mit ihr hat er drei Kinder.

Was der kleine Vargas nicht sagte

Der ersten Liebe setzte er 1977 ein literarisches Denkmal, den Roman „Tante Julia und der Kunstschreiber“ (dt. 1979), in dem er die Beziehung verarbeitete. Julia fand das gar nicht witzig und schrieb in dem Gegenbuch „Lo que Varguitas no dijo“ („Was der kleine Vargas nicht sagte“) ihre Sicht der Dinge nieder.

Die Werke des Großschriftstellers erfassten mit den Jahren ein immer breiteres Spektrum, auch wenn die meisten Kritiker meinen, dass seine frühen Bücher die besten waren. Ein großer Erfolg der späten Jahre wurde „Das Fest des Ziegenbocks“ (2000, dt. 2001), der Roman über Leben und Tod des dominikanischen Diktators Rafael Leónidas Trujillo. Im Herbst 2010 zeichnete die Schwedische Akademie Vargas Llosa mit dem Litaraturnobelpreis aus.

Der Peruaner versteht sich als politischer Schriftsteller, der gerne öffentlich Stellung bezieht. Er hat sich obendrein auch selber mal als Politiker versucht. 1990 wollte er in Peru Präsident werden. Er zog in den Wahlkampf, hielt wunderschöne Reden, die seine Freunde begeisterten, von der einfachen Landbevölkerung aber nicht verstanden wurden. Am Ende siegte der Außenseiter Alberto Fujimori.

Schreiben bis zum Schluss

Seine radikal liberalen Ansichten machten Vargas Llosa in der linkslastigen lateinamerikanischen Intellektuellenzunft zum Außenseiter. Mit seinem 2014 verstorbenen einstigen Freund García Márquez, einem Freund Fidel Castros, überwarf er sich. Nach etlichen Berichten streckte er ihn einmal gar mit einem Faustschlag zu Boden. Über die Motive – Frauen oder Politik – wurde seit dem Vorfall im Palast der Schönen Künste von Mexiko-Stadt 1976 viel spekuliert.

Aber eigentlich neigt der Schreibkünstler nicht zur Gewalt. Menschen, die ihn kennen, preisen ihn als höflich, als angenehm im Umgang und – falls es sich um weibliche Gesprächspartner handelt – als „Kavalier der alten Schule“. Damit scheint er auch Isabel Preysler für sich gewonnen zu haben. Im vorigen Jahr reichte er nach 50 Jahren die Scheidung von Patricia ein, und nun erwartet ganz Madrid, dass er die Mutter von Enrique Iglesias bald heiraten wird.

Rente mit 80 ist für den Meister kein Thema. „Ich kann mir kein Leben vorstellen, ohne zu schreiben“, sagte Vargas Llosa „La Nación“. Deshalb will er sozusagen bis zum letzten Seufzer weiterschreiben. „Der Tod soll mich erwischen, während ich mein bestes Buch schreibe“, sagte der der spanischen Zeitung „El País“. (dmz/dpa/hl)

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