Der „Antipoet“ – chilenischer Dichter Nicanor Parra mit 103 Jahren gestorben

Nicanor Parra war eine der wichtigsten literarischen Stimmen von Vhile (Foto: Poemas del Alma)

 

Santiago de Chile, 23. Januar 2018 –  Der als „Antipoet“ berühmte chilenische Dichter Nicanor Parra ist mit 103 Jahren gestorben. Dies bestätigte der chilenische Kulturminister Ernesto Ottone am Dienstag, wie das Nachrichtenportal Emol berichtete.

Mit Parra  hat Chile eine seiner wichtigsten literarischen Stimmen verloren: Parra zählte zu den bedeutendsten Schriftstellern des Landes. Er wurde mehrfach als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt und gewann 2011 den in Madrid verliehenen Cervantes-Preis, die bedeutendste Literaturauszeichnung der spanischsprachigen Welt. Nicanor Parra veröffentlichte im selben Jahr sein letztes Werk „Antiprosas“.

Der umgangssprachliche Wortschatz und Satzbau sowie die Ironie und die Antihelden in seinen Werken ließen Parra als „Antipoet“ berühmt werden. „Chile hat einen der größten Schriftsteller seiner Geschichte und eine einzigartige Stimme der westlichen Kultur verloren“, schrieb Staatschefin Michelle Bachelet auf Twitter nach dem Tod Nicanor Parras.

Parra wurde am 5. September 1914 in San Fabián de Alico geboren, einer kleinen Anden-Ortschaft 400 Kilometer südlich von Santiago de Chile. Er war der Älteste unter fünf Geschwistern, darunter auch die Musikerin Violeta Parra (1917-1967). Er studierte Mathematik und Physik in den USA sowie in Oxford. In den USA nahm er Kontakt zur aufkommenden Beat Generation um den Dichter Allen Ginsberg auf, der die Übersetzung von Parras Werken veranlasste.

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Mit „Poemas y antipoemas“ (Gedichte und Gegengedichte) leitete Parra 1954 eine Revolution der spanischsprachigen Dichtung ein, entfernt von den Metaphern und der Sehnsucht nach Perfektion der herkömmlichen Poesie. „Artefactos“ (1972), auf den Sprachtheorien Ludwig Wittgensteins basiert, und „Ecopoemas“ (1982) gehören zu seinen bekanntesten Werken. (dpa/dmz/hl)

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