Der Pontifex im Urwald: Franziskus prangert Umweltzerstörung an

Im peruanischen Urwald traf sich Papst Franziskus mit Vertretern der autochthonen Völker Amazoniens (Foto: noticias.iglesia.cl)

 

Von Denis Düttmann

Puerto Maldonado, 19. Januar 2018 – In Puerto Maldonado im peruanischen Regenwald zeigt die Gier nach Gold und Holz ihre hässliche Fratze. Unter der Umweltzerstörung haben vor allem die indigenen Völker zu leiden. Sie verlieren ihren Lebensraum und damit auch ihre Kultur.

Die Indigenen im peruanischen Regenwald sind schon lange nicht mehr Herr im eigenen Haus. Holzfäller und Goldsucher haben sich in ihren angestammten Siedlungsgebieten breitgemacht. Beim Besuch von Papst Franziskus am Freitag in Puerto Maldonado aber gehört ihnen die große Bühne.

In der Mitte des Kolosseums tanzen und singen sie vor dem katholischen Kirchenoberhaupt, wie sie es bereits seit Jahrhunderten tun. Sie schenken dem Papst bunten Kopfschmuck, verzierte Schärpen und Ketten – so machen sie ihn zu einem der Ihren. Doch ihre Lebensart, ihre Traditionen, ihre Sprache sind bedroht.

Event Tickets at TicketNetwork.com

„Fremde dringen in unser Territorium ein: Holzfäller, Goldsucher, Erdölfirmen“, sagt Yésica Patiachi vom Volk der Harakbut. „Wenn es ihnen gelingt, uns unser Land zu nehmen, werden wir ausgelöscht.“ Illegale Goldschürfer haben den Regenwald rund um Puerto Maldonado in eine Mondlandschaft verwandelt. Unter der Abholzung und der Verseuchung der Flüsse mit dem Quecksilber der Goldsucher leiden vor allem die Indigenen.

„Wir Menschen aus dem Amazonasgebiet wollen unsere Kultur bewahren, unsere Traditionen“, sagt Luzmila Bermeo vom Volk der Awajún. „Ich bin 67 Jahre alt und habe immer in der Amazonasregion gelebt. Ich erinnere mich an die Schönheit unseres Territoriums, reich an Pflanzen, Vögeln und Fischen. Alles war unser Zuhause und jetzt haben wir nichts mehr.“

In der Goldgräberstadt zeigt die Gier nach Gold und edlen Hölzern ihre hässliche Fratze. Glücksritter aus dem ganzen Land kommen auf der Jagd nach dem schnellen Geld in die Urwaldstadt. Verbrecherbanden kontrollieren weite Teile der Region. In den Bordellen werden Mädchen und junge Frauen zur Prostitution gezwungen.

„Die Goldschürfer und Holzfäller haben Angst, dass der Papst sie anklagt und dass die Regierung das als Vorwand benutzt, um sie rauszuwerfen und stattdessen die großen Unternehmen in die Region zu holen“, sagt der Schweizer Priester Xavier Arbex, der seit über 30 Jahren im Amazonasgebiet lebt. „Ich will, dass sie gehen, denn es ist schrecklich, was sie tun. Aber es ist nicht so leicht.“

Zu reich an natürlichen Ressourcen und Bodenschätzen ist die Region, dass sie keine Begehrlichkeiten wecken würde. „Eines der größten Probleme Amazoniens ist die Ausbeutung der Rohstoffe“, sagt Jesuitenpater James Regan, der seit 50 Jahren in Peru arbeitet. „Öl etwa oder Gold. Das schafft in Peru viele Probleme, zum Beispiel durch Umweltverschmutzung.“

Auch der Peru-Experte Dieter Richarz vom kirchlichen Hilfswerk Misereor sieht einen Zusammenhang zwischen der entfesselten Wirtschaft und dem Verlust der Identität der Indigenen: „Die größte Herausforderung ist das Lebensmodell der indigenen Bevölkerung im Spannungsfeld des aggressiven Extraktivismus sowie die Bewahrung der kulturellen Identität angesichts von Migrationsbewegungen.“

Die Bewahrung der Schöpfung und die Achtung der Urbevölkerung liegen Franziskus besonders am Herzen. Für kommendes Jahr hat er eine Bischofssynode für das Amazonas-Gebiet einberufen. Dort soll über neue Wege gegen Umweltzerstörung und Vertreibung diskutiert werden.

„Wahrscheinlich waren die autochthonen Völker Amazoniens in ihren Territorien nie derart bedroht, wie sie es heute sind“, sagt das katholische Kirchenoberhaupt bei dem Treffen mit den Vertretern der Urbevölkerung in Puerto Maldonado.

Er verurteilt den Raubbau an der Natur, der von der Gier nach Erdöl, Gas, Holz und Gold befeuert wird. Umweltzerstörung, Sklavenarbeit und Zwangsprostitution seien Begleiterscheinungen der entfesselten wirtschaftlichen Ausbeutung der Region. Zudem sei die Kultur der indigenen Völker bedroht, wenn sie ihren natürlichen Lebensraum verlören und in die Migration gezwungen würden, sagt der Papst.

„Die Anerkennung und der Dialog sind wohl der bessere Weg, um die historischen, von Ausschluss und Diskriminierung geprägten Beziehungen umzugestalten“, sagte Franziskus. „Die Amazonasregion ist nicht nur ein Reservat der Artenvielfalt, sondern sie ist auch ein kulturelles Reservat, das angesichts der neuen Kolonialismen erhalten werden muss.“ (dpa/dmz/hl)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*