Einheit durch Vielfalt: Papst Franziskus im Land der Mapuche

Papst Franziskus begrüßt die Mapuche in Temuco in ihrer eigenen Sprache (Foto: noticias.iglesia.cl)

 

Von Denis Düttmann und Juan Garff

Temuco, 17. Januar 2018 – Bei seinem Besuch bei den Mapuche in Südchile verurteilt Franziskus die Unterdrückung des indigenen Volkes. Das Land brauche kulturelle Vielfalt, um zu gedeihen. Für den gewaltsamen Widerstand radikaler Mapuche hat der Papst allerdings auch kein Verständnis.

Noch bevor der Papst das Wort ergreift, gehört die Bühne den Mapuche. In traditionellen Gewändern musizieren die Angehörigen der indigenen Gemeinschaft vor dem Altar auf dem Flugfeld Maquehue im Süden Chiles – sie blasen Hörner, schlagen Trommeln und wedeln mit Pflanzenstauden. Das katholische Kirchenoberhaupt neigt den Kopf und hört andächtig zu.

Die Mapuche sind ein stolzes Volk. Keine andere indigene Gruppe leistete den spanischen Konquistadoren so erbitterten Widerstand, lange hatten sie ihr eigenes Gebiet. Doch dann wurden ihnen ihre angestammten Ländereien in der Region Araukanien genommen. Heute machen Bergbau-, Agrar- und Forstunternehmen dort lukrative Geschäfte.

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Papst Franziskus begrüßt die Mapuche in Temuco in ihrer eigenen Sprache: „Küme tünngün ta niemün – Der Friede sei mit euch.“ In seiner Predigt verurteilt er die Unterdrückung und Ausgrenzung der Ureinwohner und wirbt für ein vielfältiges Chile. „Wir brauchen einander in unserer Verschiedenheit, damit dieses Land weiter seine Schönheit behält“, sagt er. „Wir bedürfen des Reichtums, den jedes Volk einbringen kann, und müssen die Denkweise ablegen, dass es höhere und niedere Kulturen gibt.“

Nicht bei allen Mapuche dürfte der Papst willkommen sein. Auf einem Transparent nahe Temuco ist zu lesen: „Franziskus – Land und Gerechtigkeit für die Mapuche. Gefängnis für den Pädophilen.“ Chile war zuletzt von einer Reihe von Missbrauchsfällen durch Priester erschüttert worden. Der Pontifex hatte dafür um Verzeihung gebeten.

In Chile steckt die Kirche ohnehin in einer tiefen Krise. In keinem anderen Land Lateinamerikas ist das Vertrauen in die katholische Kirche so gering. Auch die hohen Kosten des Papstbesuchs hatten zuletzt Kritik ausgelöst. So muss der Staat für über neun Millionen Euro der Gesamtkosten von 14,8 Millionen Euro aufkommen.

Radikale Mapuche-Gruppen machen die katholische Kirche zudem für die Unterdrückung der Indigenen mitverantwortlich. Bei einer Reihe von Brandanschlägen auf Kirchen in den vergangenen Tagen hinterließen die Täter Flugblätter am Tatort, auf denen Autonomie für die Mapuche gefordert wurde.

Für den gewalttätigen Widerstand wiederum hat der Papst auch kein Verständnis. „Eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung kann nicht auf der Grundlage von Gewalt und Zerstörung aufgebaut werden, die am Ende Menschenleben fordert“, sagt er in seiner Predigt. „Man kann nicht Anerkennung verlangen, indem man den anderen vernichtet. Die Gewalt verwandelt die gerechteste Sache in eine Lüge.“

Nur wenige Stunden vor Ankunft des Papstes in der Region stecken Unbekannte drei Hubschrauber in Brand. Auch auf eine Schule und eine Kirche werden Anschläge verübt. An den Tatorten lassen die Täter von Mapuche-Aktivisten unterzeichnete Flugblätter zurück.

„Wir hoffen, dass Papst Franziskus mit seinem Besuch in Araukanien eine friedliche Lösung des Mapuche-Konflikts ermöglicht“, sagt die Chile-Referentin des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Margit Wichelmann. „Frieden ist in Araukanien möglich, wenn der chilenische Staat das Volk der Mapuche, ihre Traditionen und ihre Landrechte anerkennt.“

Seit Jahrzehnten fordern die Mapuche die Rückgabe ihrer Ländereien. Während des Kriegs zur „Befriedung Araukaniens“ im 19. Jahrhundert waren sie enteignet worden. Obwohl die Regierung später den Mapuche Siedlungsraum garantierte, wurde das Gebiet des indigenen Volkes immer weiter reduziert.

Gemäßigte Mapuche erhoffen sich vom Papstbesuch Rückenwind für ihre Anliegen. Allerdings verlief selbst die Planung der Papstmesse nicht ganz glücklich. Auch der Flugplatz Maquehue wird von den Ureinwohnern als sakraler Ort beansprucht. Um Erlaubnis soll die Kirche nicht gefragt haben.

„Wir verlangen Respekt für die angestammten Rechte unseres Volkes und die Freiheit, unsere Spiritualität zu leben, mit Gott zu sprechen“, sagt die Mapucheführerin Rosa Namuncurà. „Aber die Politik, der Staat in Chile, sind gegen uns.“ (dpa/dmz/hl)

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