Papst beendet Südamerika-Reise – Kritik wegen Missbrauch-Äußerungen

Letzte Messe von Papst Franziskus vor seiner Rückreise nach Rom (Foto: iglesicatolica.org.pe)

 

Rom/Boston/Lima, 22. Januar 2018 – Eine Woche lang tourte der Papst durch Chile und Peru. In Erinnerung bleiben wird die Reise wohl wegen seiner Aussagen zu einem Missbrauchsfall innerhalb der Kirche.

Papst Franziskus hat seine einwöchige Lateinamerika-Reise beendet – seine dortigen Äußerungen zu einem Missbrauchsfall dürften aber weiterhin für Diskussionen sorgen. Zuletzt kritisierte einer seiner wichtigsten Kinderschutzberater, Kardinal Sean O’Malley, den Pontifex. Einige Worte des Papstes seien für die Opfer von sexuellem Missbrauch eine „Quelle für großen Schmerz“, erklärte O’Malley. In Chile hatte Franziskus Vorwürfe, dass der chilenische Bischof Juan Barros einen pädophilen Priester geschützt habe, als „Verleumdung“ bezeichnet. Am Sonntagabend flog der Papst von Perus Hauptstadt Limas nach Rom zurück.

Mit seinen Worten habe er die Opfer im Stich gelassen, fuhr O’Malley in seiner Mitteilung vom Samstag fort. Er könne nicht beurteilten, warum Franziskus jene Worte gewählt habe. Aber er wisse, dass der Pontifex „das ungeheuerliche Scheitern der Kirche“ erkannt habe. „Die Aussagen des Papstes, dass es in der Kirche keinen Platz für die gibt, die Kinder missbrauchen …, sind ernst gemeint.“

O’Malley ist Erzbischof der US-Stadt Boston und gehört dem päpstlichen Beratergremium von neun Kardinälen an. Das Mandat der Mitglieder der Kinderschutzkommission ist vor einiger Zeit ausgelaufen, bisher ist nicht klar, wie es mit der Stelle weitergeht.

Event Tickets at TicketNetwork.com

Franziskus hatte in Chile zuerst um Vergebung wegen der Sexualdelikte vieler Geistlicher gebeten und dann Bischof Barros in Schutz genommen. Barros soll nach Aussagen von Opfern die Vergehen des Priesterausbilders Fernando Karadima gedeckt haben. Karadima wurde bereits 2011 von einem Gericht des Vatikans schuldig gesprochen.

Am Sonntagabend verabschiedete sich Franziskus von seinem Heimatkontinent mit einem Bad in der Menge. Vor Hunderttausenden Gläubigen in Perus Hauptstadt Lima klagte der Papst über die Existenz von „Nicht-Bürgern“ und „Halbbürgern“ an den Rändern der Großstädte. „Es schmerzt oftmals festzustellen, dass man unter diesen “überschüssigen Menschen” auf viele Kinder und Jugendliche trifft“, sagte er.

Den Angaben der Organisatoren zufolge wurden für die Messe auf einem Militärgelände im Süden der Neun-Millionen-Einwohner-Metropole über eine Million Menschen erwartet. In Peru war das katholische Kirchenoberhaupt mit weit mehr Begeisterung als in Chile empfangen worden.

Allerdings gab es auch in Lima vereinzelt Proteste wegen der Pädophilie-Skandale innerhalb der Kirche. In Peru steht die Gruppe „Sodalicio de Vida Cristiana“ in der Kritik. In der strengkonservativen katholischen Erziehungsorganisation sollen jahrelang Kinder missbraucht worden sein. Kurz vor Franziskus’ Reise hatte der Vatikan die Organisation unter Aufsicht gestellt.

Der Papst wurde am Montag zurück in Rom erwartet. (dpa/dmz/hl)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.