Papst entschuldigt sich für „Ohrfeige“ an Missbrauchsopfern

Papst Franziskus während der Pressekonferenz auf dem Rückflug nach Rom (Foto: Screenshot / Vaticannews)

 

Rom, 22. Januar 2018 – Eine Aussage von Franziskus reichte aus, um seine sechste Lateinamerika-Reise zu überschatten. Auf dem Rückweg nach Rom entschuldigt sich der Argentinier – für die „unbeabsichtigte Wunde“, die er Missbrauchsopfern zugefügt hat.

Nach Kritik hat Papst Franziskus Missbrauchsopfer für eine aus seiner Sicht verletzende Wortwahl um Entschuldigung gebeten. „Ich weiß, wie viel sie leiden. Zu hören, dass der Papst ihnen ins Gesicht sagt: “Bringt mir einen Brief mit einem Beweis” ist eine Ohrfeige“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Montag während der Pressekonferenz im Papstflieger auf dem Weg von Lima nach Rom.

Franziskus hatte vergangenen Donnerstag für Irritationen gesorgt, als er den chilenischen Bischof Juan Barros in Schutz genommen hatte. „Es besteht kein einziger Beweis gegen ihn, es ist alles Verleumdung“, hatte er zu einer Journalistin gesagt. Barros wird vorgeworfen, den schuldig gesprochenen Priesterausbilder Fernando Karadima geschützt zu haben. Nach Angaben von Opfern war Barros anwesend, als sie von Karadima missbraucht wurden.

Auf die Frage eines Journalisten an Bord des Papstfliegers, warum Franziskus der Aussage Barros mehr glaube als den Angaben der Missbrauchsopfer, folgte eine mehr als 15 Minuten lange Antwort des 81-Jährigen. „Das Wort “Beweis” hat mir einen Streich gespielt“, sagte er. „Es ist besser, von Indizien zu sprechen. Ich weiß, dass viele Menschen, die missbraucht wurden, keine Beweise dafür erbringen können. … Oder vielleicht haben sie welche, aber sie schämen sich und leiden in der Stille“, sagte Franziskus. „Das Wort “Beweis” war nicht das beste, um mich einem verletzten Herzen zu nähern.“

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Franziskus war für seine Aussage in Chile unter anderem von einem seiner wichtigsten Kinderschutzberater, Kardinal Sean O’Malley, kritisiert worden. Einige Worte des Papstes seien für die Opfer von sexuellem Missbrauch eine „Quelle für großen Schmerz“, hatte O’Malley erklärt.

Sollte er Missbrauchsopfer verletzt haben, sei das eine „unbeabsichtigte Wunde“, sagte Franziskus. Er verfolge wie sein Vorgänger Benedikt XVI. eine Null-Toleranz-Linie, was Sexualverbrechen in der Kirche angehe, sagte er und betonte, die Arbeit der Kinderschutzkommission habe Priorität für ihn.

Im Laufe seiner einwöchigen Reise, die von Protesten und in Chile auch von Gewalt begleitet wurde, hatte der Argentinier unter anderem Vertreter der indigenen Mapuche getroffen, im Amazonasgebiet Umweltzerstörung angeprangert und Gewalt gegen Frauen verurteilt. Am Sonntagabend hatte er sich in der peruanischen Hauptstadt Lima mit einem Bad in der Menge von seinem Heimatkontinent verabschiedet. In Peru war der Pontifex mit mehr Begeisterung als in Chile empfangen worden, wo es auch Brandanschläge auf Kirchen gegeben hatte. (dpa/dmz/hl)

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