„Coco“: Eine filmische Liebeserklärung an Mexiko

Für den Film reiste das Team nach Mexiko und zeichnete reale Menschen nach (Foto: Screenshot / YouTube)

 

Von Cordula Dieckmann

Mexiko-Stadt, 24. November 2017 – In Mexiko ist der Tod bunt und fröhlich. Am Día de los Muertos feiern die Menschen und gedenken ihrer Verstorbenen. So auch im Film „Coco“. Ein Junge hat einen Traum. Damit der wahr wird, muss er ins Reich der Toten und ein aufregendes Abenteuer bestehen.

Was kommt nach dem Tod? Und warum sollte man der Verstorbenen gedenken? Es sind schwere Themen, um die es im neuen Disney-Weihnachtsfilm aus dem Hause Pixar geht. Doch deprimierend ist die Geschichte keineswegs. „Coco“ von den Regisseuren Lee Unkrich und Adrian Molina ist eine fröhliche, farbenprächtige und spannende Geschichte voller Musik, die in Mexiko spielt.

Am Día de los Muertos, dem Tag der Toten, kehren die Seelen der Verstorbenen zu ihren Familien zurück, die deshalb fröhlich feiern. Zufällig entdeckt der 12 Jahre alte Miguel an diesem Abend die Brücke, über die die Seelen auf die Erde gelangen. Mutig schleicht er sich in das Totenreich und erlebt ein aufregendes Abenteuer, bei dem er auch einem alten Familiengeheimnis auf die Spur kommt.

Miguel hat einen Traum: Er will Musiker werden, singen und Gitarre spielen. Nur ist Musik in Miguels Familie seit Generationen streng verboten. Dabei ist sich der Junge sicher, dass er ein Nachfahre von Ernesto de la Cruz ist, einem der berühmtesten Gitarristen Mexikos. Im Reich der Toten will Miguel deshalb unbedingt de la Cruz treffen und sich von ihm den Segen für seine Musikerkarriere holen. Allerdings hat er nicht mit der toten Verwandtschaft gerechnet: Von Tante Rosita über Urgroßvater Papá Julio bis hin zu Ururgroßmutter Imelda – alle wollen sie verhindern, dass Miguel der Musik verfällt. Einzig der Gauner Hector ist bereit, dem Jungen zu helfen. So muss sich Miguel entscheiden, zwischen Familie und Leidenschaft.

„Coco“ erzählt einfühlsam und gefühlvoll vom Leben, vom Sterben und insbesondere vom Wert der Erinnerung und der Familie. Denn die Rückkehr auf die Erde ist an eine Bedingung geknüpft: Irgendjemand muss am Día de los Muertos ein Bild des Toten auf einem Gedenkaltar aufgestellt haben. Wer niemanden mehr hat, der sich erinnert, löst sich auf und ist für immer verschwunden.

Schön ist vor allem die Unbekümmertheit, mit dem sich der Film der Endlichkeit des Lebens nähert. Der Tod nicht als großes Aus, sondern als Möglichkeit, in den Herzen und Gedanken von Familie und Freunden weiterzuleben. Das feiern die Mexikaner, mit ausgelassenen Picknicks auf Friedhöfen, Totenschädeln aus Zuckerguss oder „Pan de Muerto“ (Totenbrot). In den Häusern werden Altäre aufgestellt, üppig geschmückt mit Kerzen, orange-farbenen Blumen, Kreppgirlanden und geschnittenem Papier. Und die Lebenden bringen den Toten Opfergaben dar: Brot, Salz und gern auch Tequila oder Zigarren.

So ist es auch im Film, der in bunten Farben schwelgt: Die Brücke ins Reich der Toten besteht aus knallorangen Blüten der Blume Cempasúchil. Und auch sonst geht es dort sehr fröhlich und farbenprächtig zu, etwa wenn die Geistführer unterwegs sind, schillernde Tierwesen, die den Seelen zur Seite stehen. Doch so schön es dort ist, Miguel muss sich mit der Suche nach Ernesto de la Cruz beeilen. Denn bleibt er zu lange in der Totenwelt, wird er selbst zum Skelett und kann nicht mehr auf die Erde zurückkehren.

Am Ende rührt der Film zu Tränen, denn der Tod ist traurig, bei aller Fröhlichkeit. Und doch besteht Hoffnung, denn in so einem munteren Totenreich weiß man die Verstorbenen gut aufgehoben. Und wer weiß, vielleicht sind sie ja am nächsten Día de los Muertos, der Anfang November an Allerheiligen und Allerseelen gefeiert wird, mitten unter uns, wenn wir uns die vergnüglichen und schönen Geschichten erzählen, die wir mit ihnen erlebt haben. (dpa/dmz/hl)

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