„El Chapo“-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert anonyme Jury

Laut der Anklageschrift hat „El Chapo“ noch zahlreiche weitere „Spitznamen“ (Foto: US-Staatsanwaltschaft)

 

New York, 24. Januar 2018 – Die US-Staatsanwaltschaft fordert für den Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán eine anonyme Jury. Damit will sie die zwölf noch zu wählenden Juroren vor möglichen Racheakten von Guzmáns Helfern schützen.

Das geht aus einem Brief von Guzmáns Anwalt Eduardo Balarezo an das Gericht vom Dienstagabend hervor.

„Geschworene müssten Vergeltungsmaßnahmen von Partnern des Angeklagten fürchten und könnten dadurch außerstande sein, ihre Pflichten als Geschworene zu erfüllen, wenn ihre Identitäten öffentlich sind“, heißt es in einem Schreiben der Staatsanwaltschaft. Sie fordert demnach, dass weder Reporter noch die Prozessparteien die Namen oder private und berufliche Adressen der Juroren einsehen können. Zudem sollten diese während des gesamten Verfahrens von der Öffentlichkeit abgeschirmt werden. Guzmán habe gerichtliche Verfahren schon mehrfach behindert, unter anderem mit zwei Gefängnisausbrüchen und indem er Auftragskiller auf potenzielle Zeugen ansetzte, heißt es.

Anwalt Balarezo argumentiert dagegen, dass die Unschuldsvermutung Guzmáns durch einen solchen Schritt gemindert würde. Zugleich entstehe der „extrem unfaire Eindruck, dass er eine gefährliche Person ist, vor der die Jury geschützt werden muss“, schreibt der Anwalt und wirft der US-Regierung „Effekthascherei“ vor. Guzmán könne die Jury auf keine Weise manipulieren, selbst wenn er es wollte.

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Der Prozess soll voraussichtlich im September beginnen. Bei einer Verurteilung droht Guzmán lebenslange Haft. Die Todesstrafe ist laut einer Absprache zwischen Mexiko und den USA ausgeschlossen.

Die Anklageschrift gegen „El Chapo“ und seinen Stellvertreter „El Mayo Zambada“ führt u. A. Schmuggel von tausenden Tonnen Kokain in die USA sowie die Anheuerung von Auftragsmördern auf, die in ihrem Namen vor allem Konkurrenten aus dem Weg geräumt haben sollen. (dpa/dmz/hl)

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