Gewalt und Leidenschaft: Otto Dix-Ausstellung beginnt in Mexiko-Stadt

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Schädel, 1924 – dieses Dix-Werk ist eine Leihgabe des Instituts für Auslandsbeziehungen in Stuttgart (Foto: www.alemania-mexico.com)

 

Mexiko-Stadt, 12. Oktober 2016 – Frei unter dem Motto: “Otto Dix zeigt dir, was du nicht sehen willst”, ist nun einer der bedeutendsten Repräsentanten des deutschen Expressionismus zum ersten Mal in Mexiko-Stadt zu sehen. Die umfassende Werkschau „Otto Dix. Violencia y Pasión“ ist am Dienstagabend im Museo Nacional de Arte im Historischen Zentrum eröffnet worden.

Die Otto Dix-Ausstellung ist eines der wichtigsten Events des Dualen Jahres Deutschland-Mexiko. Zuvor war sie im Museo de Arte Contemporáneo in Monterrey von 17. Juni bis 18. September zu sehen.

Zusammengestellt wurden die 160 Werke – Gemälde, Zeichnungen Aquarelle und Radierungen – von der deutschen Kuratorin Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin der Kunsthalle Mannheim und frühere Direktorin des Otto Dix-Hauses in Gera. Die Leihgaben kommen aus vielen deutschen und internationalen Museen wie der Kunstsammlung Gera oder der National Gallery of Canada. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt des mexikanischen Kulturministeriums, des Museo Nacional de Arte, des Auswärtigen Amtes sowie des Goethe-Instituts.

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In Mexiko ist es die erste Otto Dix-Ausstellung, die alle Schaffensperioden des Malers umfasst. Aufgeteilt ist sie in sieben Bereiche. Begleitend zur Ausstellung wird ein 316 Seiten umfassender Katalog angeboten, in dem Dr. Ulrike Lorenz Leben und Werk des Ausnahmekünstlers als auch die Ausstellung beschreibt.

Otto Dix porträtierte wie besessen die Realität seiner Zeit, angefangen mit Werken aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, über Werke aus den Goldenen 20er-Jahren bis hin zu seinen Werken bis 1945 – Jahre davor hatten die Nazis seine Kunst schon lange als „entartet“ gebrandmarkt. Dix lebte von 1892 bis 1969 und gilt als einer der bedeutendsten Künstler Deutschlands. Er war ein Vertreter des Expressionismus sowie der Neuen Sachlichkeit.

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Der Krieg, 1924 (Foto: youtube)

Nicht jeder erträgt Dix´ düstere, teils morbide und makabre Bilder, die stets gesellschaftliche Realitäten widergaben. Mit seinen Porträts schuf Dix ein gesellschaftliches Spiegelbild seiner Zeit. Dominante Themen des deutschen Expressionisten waren Gewalt und Kriege (er selbst kämpfte vier Jahren im Ersten Weltkrieg und verarbeitete später seine Erfahrungen in seiner Kunst), das Berliner Nachtleben, Prostitution, Erotik, die Doppelmoral einer dekadenten Gesellschaft, Menschen am Rande der Gesellschaft.

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Am Spiegel, 1922 (Foto: kettererkunst.de)

So sind seine frühen Bilder geprägt von Kriegsmotiven, darunter Abbildungen von toten oder verletzten Soldaten und Massengräbern. Seine späteren Werke zeigen Szenen aus dem Berliner Nachtleben der „Roaring Twenties“: blutige Erotikbilder, Prostituierte, Freier, viel Nacktheit beherrschen die Szenerie. Zahlreiche Frauenbilder entstehen in jener Zeit. Mit seinem Berliner Großstadt-Triptychon von 1927/28 war Dix auf dem Höhepunkt seines brillanten Schaffens angekommen.

Die deutschen Eliten fühlten sich durch solche Abbildungen eines (dunklen) Teils der damaligen Realität der Weimarer Republik beleidigt. Für sein Werk „Am Spiegel“ wurde Dix schon 1923 der Prozess gemacht, das „unsittliche“ Werk konfisziert – bis heute ist es nicht wieder aufgetaucht. Die schwarz-weiß Radierung ist erhalten geblieben und ist, mit vielen weiteren Werken, noch bis 15. Januar 2017 im Nationalmuseum für Kunst zu bewundern.

Mehr Informationen rund um die Ausstellung gibt´s unter der Website des Museo Nacional de Arte.

„Otto Dix. Violencia y Pasión“, Museo Nacional de Arte, 1 Tacuba 8, Centro Histórico, Mexiko Stadt, 11. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10:00 bis 17:30 Uhr, Eintritt: 60 Pesos (dmz/sw/hl)

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