Mexiko-Stadt: Immobilienpreise im Westen steigen – Condesa und Roma sinken

In der Colonia Condesa und Roma wohnen viele jungen Leute – nach dem Erdbeben packten sie mit an und halfen bis zum Umfallen (Foto: Corina Herrera / El Heraldo de México)

 

Mexiko-Stadt, 09. Oktober 2017. Nach dem Erdbeben steigen die Immobilienpreise vor allem im im Westen von Mexiko-Stadt. Preise in den hippen Stadtteilen wie Condesa und Roma, del Valle und Narvarte dagegen fallen. Ihre Bewohner suchen sich eine Wohnung auf sichererem Boden.

Condesa, Roma, Del Valle, Navarte – Hier eine bezahlbare Wohnung zu finden, kam einem Lottogewinn gleich. Nette Cafés, exklusive Restaurants und alte Häuser mit charmanter Architektur verleihen den beliebten Stadtteilen ein bohemes Flair. Niemand, der hier einen Miet- oder Kaufvertrag einer Wohnung unterschrieben hat, dachte an die verheerenden Auswirkungen, die Erdbeben verursachen können: Der 19. September 1985 war nicht in den Köpfen. Dabei hatte das Erdbeben von 1985 mit der Stärke von 8,1 gerade die Condesa und Roma schwer betroffen. Damals stürzten Gebäude wie Kartenhäuser ein oder wurden stark beschädigt, die Zahl der Toten in der Stadt wurde auf 10.000 geschätzt.

Niemand ahnte, dass auf den Tag genau, 32 Jahr später, erneut ein schweres Beben die Hauptstadt treffen würde. Auch wenn bei dem Beben der Stärke 7.1 mit 360 Toten weit weniger Todesopfer zu beklagen waren als 1985, aber die Bilder gleichen sich.

Mit Folgen auch für die „In-Viertel“: Viele Bewohner wollen weg. Auf sicherem Boden leben. Dass die Immobilienpreise davon nicht unberührt bleiben, liegt auf der Hand: Während die Condesa, die Roma, del Valle und Navarte einen Rückgang der Miet- und Verkaufspreise von Wohnungen von 30 Prozent verzeichnen, lässt sich besonderes in den folgenden westlichen Stadtteilen ein relativ hoher Preisanstieg pro Quadratmeter beobachten: Las Águilas + 27,6 Prozent, Bosques de las Lomas + 17 Prozent, San Mateo Tlaltenango +36 Prozent. Spitzenreiter ist Contadero mit einem Preisanstieg von 57 Prozent.

Der Grund dafür: Die gefährlichen Erdwellen sollen hier ein geringeres Zerstörungsrisiko haben. Gute Verkehrsverbindungen, viele Grünanlagen und Einkaufszentren machen diese Colonias umso attraktiver.

Dies unterstreicht auch Architekt Flavio Sassoe: „Die Sierra de las Cruces im Westen der Stadt ist die sicherste Zone zum Leben was die Topografie angeht. Der Boden ist dort unbeweglich und verhindert dadurch das Einstürzen von Häusern und Gebäuden.“

Auch Jordi Greenham, Direktor der Immobiliengesellschaft Homie, kann den Trend bestätigen: Wir können eine höhere Nachfrage in anderen Stadtvierteln als vorher beobachten. Aus Angst vor zukünftigen Erdbeben. Die Kunden suchen Wohnungen in Zonen mit weniger Risiko als in anderen Stadtteilen von Mexiko-Stadt.“

Gut für die Menschen, die sie sich sicher fühlen möchten. Nicht ganz so gut für die Immobilienpreise des Bezirks Cuauhtémoc. Diese gehen jetzt in die Tiefe. Was genau nach so einer Katastrophe am Immobilienmarkt geschieht, erklärt Immobilienexpterte Leonardo González der Website propiedades.com anhand von drei Phasen: „Zuerst macht sich die doppelte Wertminderung der beschädigten Gebäude bemerkbar, dann sinken die Preise und in der dritten Phase erholt sich die betroffene Zone wieder. Dies spiegelt sich in den Wohnverhältnissen der Stadtteile wieder. Danach reguliert sich der Markt.“

Für eine 130-Quadratmetergroße Wohnung in der Condesa zahlt man circa 50.900 Pesos pro Quadratmeter. Der Kaufpreis liegt bei circa 6,5 Millionen Pesos, in kurzer Zeit kann der Preis auf 5 Millionen Pesos sinken, wie González deutlich macht.

Homie-Direktor Greenham sieht das Ganze nicht so dramatisch. Er geht davon aus, dass die Preisminderung in den Vierteln Condesa und Roma nur etwa bei zehn Prozent liegen werde. Nach seinen Einschätzungen soll sich der Immobilienmarkt schon im nächsten Jahr wieder erholen. González dagegen spricht von einer Erholungszeit von etwa vier Jahren. Nach dem Erdbeben von 1985 hat sich der Markt erst nach sechs Jahren wieder auf ein stabiles Preisniveau reguliert. (dmz/as/hl)

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