Sieg der Hoffnung: Linkspolitiker López Obrador gewinnt in Mexiko

Zu Tausenden strömten AMLOs Anhänger noch in der Wahlnacht zum Zócalo, um ihren “Präsidenten der Hoffnung” zu feiern (Foto: 24horas)

 

Von Amelie Richter und Andrea Sosa Cabrios

Mexiko-Stadt, 2. Juli 2018 – Donald Trump gratulierte, bevor das Endergebnis feststand. Dabei dürfte Mexikos Wahlsieger „AMLO“ López Obrador überhaupt nicht nach seinem Geschmack sein: Der künftige Präsident positioniert sich links. Doch was kann er in dem von Korruption und Gewalt zerrissenen Land ausrichten?

Mexiko-Stadt, 2. Juli 2018 – Donald Trump gratulierte, bevor das Endergebnis feststand. Dabei dürfte Mexikos Wahlsieger „AMLO“ López Obrador überhaupt nicht nach seinem Geschmack sein: Der künftige Präsident positioniert sich links. Doch was kann er in dem von Korruption und Gewalt zerrissenen Land ausrichten?

Andrés Manuel López Obrador hat abgeräumt, alles eingerissen, das System platt gemacht – am Tag nach der Präsidentenwahl in Mexiko feiern die Tageszeitungen den Erdrutsch-Sieg des Links-Nationalisten. In dem sonst nach Wahlen zu politischen Schlammschlachten neigenden Land herrscht am Montag eine ungewöhnliche Einigkeit zum Sieg des 64-Jährigen.

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„Jetzt werden wir Mexiko verändern“, versprach AMLO, wie López Obrador kurz genannt wird nach seinem Wahlsieg vor Zehntausenden Anhängern in Mexiko-Stadt. Die Revolution der Bewussten habe gesiegt. Die Aufbruchstimmung scheint die ganze Stadt zu erfassen. In Cafés und Restaurants gibt es, abgesehen vom WM-Aus der mexikanischen Fußballnationalmannschaft mit einem 2:0 gegen Brasilien, kein anderes Thema. Die Mienen sind freudig und erleichtert nach dem harten Wahlkampf der vergangenen zehn Monate.

AMLO steht für einen klaren Linksschwenk des konservativen Mexikos.  „Wir sind sicher, dass seine Regierung eine neue Seite der Würde und Souveränität Lateinamerikas schreiben wird“, twittert der linke bolivianische Präsident Evo Morales. Doch was López Obrador ganz konkret politisch ändern will, ist schwer greifbar. Und so erklärt auch US-Präsident Donald Trump, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit AMLO: „Es gibt vieles zu tun.“

Vieles, was Trump will, ist aber nicht im Sinne AMLOS. So steht die Zukunft des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta) unter Trump in den Sternen, Mexiko muss sich neue Handelspartner suchen. Und dann ist da die Sache mit der Mauer. Mexiko teilt sich eine rund 3200 Kilometer lange Grenze mit den USA. Trump will sie mit einer Mauer schließen und Mexiko dafür zahlen lassen. Was wird AMLO tun?

Die Frage stellen sich Experten generell. „Er ist links, Nationalist, aber auch Populist“, sagte der Mexiko-Experte Christopher Wilson vom US-Forschungszentrum Wilson Center über AMLO. Dass für den Politikveteranen so viele verschiedene Charakterisierungen benutzt würden, zeige, dass seine Richtung nicht so klar sei. AMLO habe seine Unterstützerzahl ausgebaut, indem er sich mehr in die Mitte bewegt habe, ergänzt Irma Méndez von der lateinamerikanischen Fakultät der Sozialwissenschaften der privaten Flacso-Universität.

Camexa: Kurs der wirtschaftspolitischen Stabilität fortsetzen

Die Deutsch-Mexikanische Industrie- und Handelskammer (Camexa) erklärt nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses, wichtig sei, dass die künftige Regierung den Kurs einer wirtschaftspolitischen Stabilität fortsetze. In den vergangenen 30 Jahren hat sich Mexiko stark gewandelt und seine Wirtschaft immer mehr dem Welthandel geöffnet. Der Staat liegt heute auf Platz 15 der größten Volkswirtschaften der Welt. Doch Millionen Einwohnern sind trotzdem immer noch arm; Mexiko wirkt ermüdet von der Ungleichheit und der Instabilität.

Mit rund 29 000 Mordopfern hat die Gewalt in Mexiko im vergangenen Jahr eine traurige Rekordmarke erreicht. Im Wahlkampf wurden in den zurückliegenden zehn Monaten mehr als 120 Politiker umgebracht. Selbst am Wahltag gab es noch ein politisches Attentat. Seit Jahresbeginn wurden bereits sieben Journalisten umgebracht, weil sie ihren Beruf ausübten. Diese Unsicherheit zermürbt – aber die Hoffnung auf einen Wandel mit AMLO ist groß.

„Wir hoffen, dass sich die Dinge verbessern. Es ist nicht schön. Die Unsicherheit, die Wirtschaft“, sagte die 25-jährige Susi Sandoval vor einem Wahllokal in Mexiko-Stadt. „Die Korruption ist der Ballast Mexikos“, sagte der 32-jährige Alejandro Fernández, der im selben Wahllokal seine Stimme abgab. Er hoffe, dass es eine Wende gebe. Morena führte den Wahlkampf unter dem Motto „Hoffnung für Mexiko“.

Der kommende Präsident will es anders machen als seine Vorgänger und nicht in die Residenz Los Pinos ziehen. Die sei „verhext“, sagte AMLO. Seine Familie wolle in ihrem Haus im Süden von Mexiko-Stadt bleiben, bis der jüngste Sohn im kommenden Jahr die Grundschule beendet habe.

Außerdem will er das Privatflugzeug der Regierung verkaufen und Linienflüge nutzen. Ministerien und Behörden sollen auch außerhalb Mexiko-Stadts angesiedelt werden, um den Regierungsapparat zu dezentralisieren. Globale Anliegen sieht AMLO mit Distanz. „Die beste Außenpolitik liegt im Inneren“, sagt der 64-Jährige. (dpa/dmz/hl)

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