Tijuana Curious: Fotografische Erkundungen auf Grenzlinien

Ein „Nicht Ort“: Die Plaza Viva Tijuana (Foto: ©Laura Fiorio)

 

Tijuana, 31. Oktober 2017 – Was bedeutet Grenze, verstanden als eine Trennlinie zwischen Realitäten, eine geopolitische, willkürliche Linie, die das tägliche Leben und die Erfahrung des Grenzlebens beeinflusst? Diese Frage hat sich die Fotografin Laura Fiorio zu Beginn ihrer Residenz in Tijuana nicht nur sich selbst gestellt, sondern auch den Teilnehmern ihrer Workshops.

Zum Abschluss ihrer Residenz in Tijuana im Oktober 2017 präsentiert Laura Fiorio ein Ausstellungs-Happening, das ihre individuellen und kollektiven Erfahrungen vereint. Sie und die Teilnehmer der Workshops, die sie während ihres Aufenthalts angeboten hat, erzählen von ihren unterschiedlichen Annäherungen an die Idee des „Nicht-Ortes“, wo auch die Ausstellung stattfindet: die Plaza Viva Tijuana.

Als Krönung ihrer Reise verbindet ein Ausstellungs-Happening die individuelle Erfahrung der Künstlerin und die kollektive Erfahrung, die sie gemeinsam mit den Workshop-Teilnehmern entwickelte.

Die kollektive Erfahrung mündete in einer fotografischen Reflexion des urbanen Raumes um die Plaza Viva Tijuana, ein „Nicht-Ort“ an der Grenze. Ursprünglich als Geschäfts- und Touristenzentrum in den 1990er Jahren konzipiert, mit einer hohen Dichte an Clubs, Geschäften, Apotheken und Zahnkliniken, gleicht der Ort heute einer Geisterstadt. Aber nach wie vor besteht ein kontinuierlicher Fluss an Menschen, die als Touristen oder Deportierte nach Mexiko kommen.

Dieser Raum, der die beiden Übergänge in die Vereinigten Staaten verbindet, San Ysidro und Pedwest, unterliegt schnellen und kontroversen Wandlungen, wobei jüngste Gentrifizierungswellen und Unternehmerspekulationen mit Gebieten mit großer Armut (North Zone und Bordo / Kanal) in der Nähe kollidieren. Diese gemeinsam entwickelte fotografische Reflexion konzentriert sich auf die Probleme des Gebiets, die unzweifelhaft mit der Grenze verbunden sind. Es wird eine alternative Sicht für das soziale Umfeld des Ortes vorgeschlagen, indem er als Ausstellungraum, Kulturzentrum und Raum für Austausch besetzt wird.

In der Vergangenheit war die Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten nur durch Grenzmonumente (den sogenannten Mojoneras) markiert: 280 Obelisken waren im Abstand von zwei Meilen zwischen dem Golf von Mexiko und Tijuana aufgestellt. Für viele amerikanische Abenteurer war die „Mojonera“ ein Symbol für ihre Reise nach Mexiko, vor der sie sich von einem der damals zahlreichen mexikanischen Straßenfotografen ablichten ließen. Im Zentrum von Tijuana, nahe der Plaza Viva Tijuana, gab es nur eine Mojonera, aber viele Repliken aus Pappe wurden geschaffen, um bessere Geschäfte zu machen.

Ausgehend von diesem historiographischen Phänomen porträtiert Laura Fiorio die „Abenteurer“, die heute von den USA nach Mexiko gelangen vor Mojonera-Piñatas, die in einem Piñata-Atelier der Zona Norte hergestellt wurden, welches in einem Flüchtlingslager untergebracht ist).

Die Fotografin Laura Fiorio lebt zwischen Berlin und Venedig. Mit einem Hintergrund in Architekturfotografie und Filmproduktion, hat sie ihren eigenen künstlerischen Ansatz weiter ausgebaut, wobei die partizipatorische Seite in der Fotografie als Mittel für kulturelle Veränderung eine große Rolle spielt. Ihre fotografische Recherche fokussiert sich auf bewohnte Landschaften und ihre Veränderungen. Auf der Suche nach einem direkten Austausch von Wissen, arbeitet sie häufig in Kollektivprojekten mit anderen Künstlern und Forschern.

Beteiligte Künstler: Alix Cerón, Angelica Escoto, Arnulfo Guerrero, Carolina García, Christian Zúñiga, Diana Ríos Molina, Frida Rojo, Jorge Francisco Sanchez, Leslie García Duran, Liliana Hueso, Maritza Daemon, Nuria Pujol, Samahil Borbón, Víctor García, Viviana Gómez

Ort und Programm:

  1. November, 17:00 bis 20:00 Uhr: Eröffnung und fotografische Performance, Plaza Viva Tijuana Av. de la Amistad, Zona Urbana Rio Tijuana, 22010 Tijuana
  2. November, 11:00 bis 18:00 Uhr: geöffnet für Publikum, fotografische Performance und Zerschlagung der Piñata

Vorträge:

  1. November, 19:00 Uhr, CECUT – Centro Cultural Tijuana, Paseo de los Héroes 9350, Zona Urbana Rio Tijuana, 22010 Tijuana
  2. November, 19.00 Uhr, Festival International de Fotografia, Pasajes Rodriguez, Av. Revolución, 22000, Tijuana. (dmz/hl)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*