Umberfische im Golf von Mexiko sind die Schreihälse unter den Fischen

Pesqueria de Curvina

Der in Mexiko „Curvina del Golfo” genannte Umberfisch gilt wegen Überfischung als gefährdet (Foto: Noticias de Sonora)

 

Port Aransas, 20. Dezember 2017 – Sie sind der Schreihälse unter den Fischchören: Bestimmte Umberfische können lauter sein als ein Düsenjet. Die im Golf von Mexiko lebenden Umberfische können so viel Lärm machen, dass sie das Gehör anderer Meeresbewohner schädigen.

Von wegen stumm wie ein Fisch: Die Männchen der Art Cynoscion othonopterus finden sich während der Laichzeit in Gruppen von rund 1,5 Millionen Tieren zusammen und produzieren gemeinsam den lautesten Chor, der bislang bei Meeresfischen gemessen wurde: 177 Dezibel erreichen sie mit ihren rhythmischen Rufen, berichten Forscher der Universität von Austin in der jüngsten Ausgabe der „Biology Letters“ der britischen Royal Society. Zum Vergleich: 140 Dezibel entspricht einem in der Nähe startenden Düsenjet.

„Das räumlich-zeitliche Ausmaß ihrer kollektiven Chöre gehört zu den lautesten Tiergeräuschen im Wasser überhaupt“, berichten Brad Erisman und Timothy Rowell. Nur einige Wale, vor allem der Pottwal mit einem Schallpegeldruck von 236 Dezibel pro Sonar-Click, sind noch lauter. Das Pfeifsignal von Delfinen wie dem Großen Tümmler liegt bei 138 Dezibel.

Zu den Laichzeiten im April und Mai sammeln sich mehrere Millionen der Umberfische im Colorado-Delta, dem obersten Teil des Golfs von Mexiko. Die Region ist traditionell stark frequentiert und damit auch laut. Jeweils ein paar Tage vor und nach Vollmond stimmen die Männchen dann ihre Rufe an. Sie sind so laut, dass sie in den Rümpfen kleiner Fischerboote widerhallen und mit dem bloßen Ohr zu hören sind.

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Per Echolot und Unterwasserschallempfänger bestimmten die Forscher Größe und Ausdehnung der Fischgruppe und rechneten den relativ hohen Hintergrundlärm heraus. Sie stellten fest, dass der Fischchor sich räumlich über bis zu 27 Kilometer erstreckte und sich für einen Höhepunkt von jeweils zwei Stunden zusammenschloss.

Die immense Lautstärke der Fische hat nach Einschätzung der Forscher mit Anpassung zu tun. Zum einen an das trübe, kaum Sichtkontakt gewährende Wasser der Region. Zum anderen an das „Cocktail Party Problem“ – das Phänomen, über andere Lärmquellen hinwegzuschreien. Dabei erreichten sie einen Lärmpegel, der den 24-Stunden-Höchstwert für Wale und Robben bereits nach zwei Stunden deutlich überschritt. „Deshalb war es überraschend, dass erwachsene Seelöwen und Delfine regelmäßig gleichzeitig auf Futtersuche in der Region gesichtet wurden – trotz der schädlichen Lärmgefahr“, wunderten sich die Forscher.

Die Lautstärke bringt dem Umberfisch jedoch auch Nachteile: Weil er problemlos zu hören ist, finden Fischer die Bestände prompt. Die Folge: Cynoscion othonopterus ist völlig überfischt und steht auf der Roten Liste für gefährdete Tierarten der Naturschutzunion IUCN. Wegen ihres einzigartigen Fischchores verdiene die Gattung dringend stärkeren Schutz, fordern Erisman und Rowell. (dpa/dmz/hl)

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