Welle von Einwanderern aus Afrika und Haiti in Mexiko erwartet

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Viele Haitianer riskieren in gefährlichen Bootsfahrten oft ihr Leben, um in die USA zu kommen (Foto: telemundo.com) 

Mexiko-Stadt, 26. Oktober 2016 – Was in Deutschland seit Monaten die Schlagzeilen beherrscht, wird in Mexiko bisher eher unter den Teppich gekehrt: Jetzt aber veröffentlichte die Nationale Menschenrechtskommission alarmierende Zahlen: In den nächsten Monaten werden bis zu 60.000 Flüchtlinge aus Afrika und Haiti auf ihrem Weg in die USA in Mexiko erwartet.

Mexiko solle sich auf diese Flüchtlingswelle vorbereiten, warnte Édgar Corzo Sorsa von der mexikanischen Kommission für Menschenrechte (CNDH). Diese 50.000 – 60.000 Flüchtlinge aus Afrika und Haiti würden Mexiko auf ihrem Weg in die USA passieren würden. Derzeit seien sie noch in Brasilien. Es sei damit zu rechnen, dass sie sich in den nächsten Tagen auf den langen Weg Richtung USA machen.

In Tapachula (Chiapas) an der Grenze zu Guatemala, wurden laut Corzo bereits 15.003 Flüchtlinge aus Afrika und Haiti regisitriert. In den Grenzstädten Tijuana und Mexicali in Nordmexiko harrten derzeit 4476 Afrikaner, Haitianer und einige Kubaner auf ihre Weiterreise. Schon jetzt drohe die Lage außer Kontrolle zu geraten, warnte der Menschenrechtler.

Hilfsorganisationen in Tijuana und Mexicali sprechen in der Internetzeitung sinembargo.com von einer nahenden humanitären Katastrophe und einer „Zeitbombe“. Sie fühlten sich von der Regierung im Stich gelassen. Hilfsorganisationen und Ehrenamtliche übernähmen die Versorgung der Flüchtlinge. 

So würden Hotels und Pensionen die Gestrandeten beherbergen, die teilweise schon aus allen Nähten platzten. „Wir stellen Zelte auf der Dachterrasse auf, wir haben einen überfüllten Keller, überfüllte Patios. Aber die Regierung steuert keine Mittel bei, sondern überlasst die Arbeit den zivilgesellschaftlichen Organisationen“, zitiert sinembargo.com Sergio Tamai, den Leiter der Hotels „Hotel Migrante en Mexicali“. Dieses habe bereits 400 Haitianer aufgenommen. Nach Angaben der Organisation „Engel ohne Grenzen“ kostet die Versorgung der Flüchtlinge den Hilfsorganisationen täglich 55.000 Pesos.

Auch Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong sieht das Problem: Die Lage entwickle sich zu einem ernsthaften Problem, warnte er kürzlich. Der Flüchtlingsstrom sei nicht einfach zu stoppen. So befänden sich in Brasilien viele, die beim Bau der Stadien für die Fußballweltmeisterschaft geholfen hätten, nun arbeitslos seien und nicht in ihre Heimat zurückkehren wollten.

In Haiti ist die humaitäre Lage nach Hurrikan Matthew schlimmer als zuvor – auch aus Haiti dürfte der Flüchtlingsstom weiter anschwellen.

Die Nationale Menschenrechtskommission hatte schon im März und April dieses Jahres über einen wachsenden Migrationsstrom aus Afrika und Haitit berichtet. Danach schwoll der Zustrom noch schneller als erwartet an. Der Menschenrechtler rief die mexikanische Bevölkerung zur Solidarität mit den Flüchtlingen auf . Als vorbildhaft bezeichnete er die freiwiligen Helfer in Tapachula, Tijuana, Mexicali, Nogales und San Luis Río Colorado.

Diplomatische Vertreter der Herkunftsländer der Flüchtlinge, Mexiko und den USA seien bereits zusammengekommen, um eine Lösung für das zu finden. (dmz/sw/hl)

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