Azteken haben wohl Handel mit karibischen Völkern getrieben

Archäologische Funde in der Maya-Stadt Tulum an der mexikanischen Karibikküste (Foto: Herdis Lüke)

 

Mexiko-Stadt, 9. Januar 2015 – Wissenschaftler sind bei der Untersuchung einer Opfergabe im aztekischen Templo Mayor auf Tausende Muschelschalen gestoßen. Das Besondere: Sie stammen auch aus Regionen in der Karibik, weit außerhalb des damaligen Aztekenreichs. Das legt nahe, dass die Kaufleute damals auch Kontakt zu karibischen Völkern hatten.

Die Azteken im heutigen Mexiko könnten Handelsbeziehungen zu Völkern der Karibik unterhalten haben. Darauf deuten neue Funde im Templo Mayor hin, wie das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte mitteilte. Bei der Untersuchung einer mehr als 500 Jahre alten Opfergabe, die im Jahr 2008 entdeckt wurde, entdeckten die Wissenschaftler Muscheln aus der Karibik. In einer rechteckigen Bodenvertiefung voll mit Muschelschalen legten sie insgesamt etwa 4.000 Fundstücke frei.

Überreste des Tempel Mayor im heutigen Mexiko-StadtDer Templo Mayor (siehe Bild links) war der wichtigste und größte Tempel der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán, des heutigen Mexiko-Stadt. Für die Azteken repräsentierten Weichtiere Fruchtbarkeit und Weiblichkeit.

44 der nun entdeckten Spezies stammen demnach aus einer Region, die den Golf von Mexiko, Florida, die Antillen, Venezuela und Brasilen umfasst. 66 weitere kommen laut dem Institut in der Pazifikregion zwischen Baja California und Ecuador vor, der sogenannten biogeografischen Region Panámica.

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Die Funde lassen zwei Rückschlüsse zu, wie die Biologin Belem Zúniga erklärte. Erstens lege er nahe, dass die Azteken kommerzielle Handelsbeziehungen und/oder Tauschgeschäfte mit Völkern im Süden und in der Karibik unterhielten. Zweitens weisen sie auf die Expansion des aztekischen Imperium unter der Herrschaft von Ahuízotl (1486 bis 1502) hin, bei der Völker an der Pazifikküste, dem heutigen Guerrero und Oaxaca, erobert wurden.

Kaufleute hatten im Aztekenreich eine privilegierte Stellung

Die Azteken, die sich selbst „Mexica“ nannten, betrieben generell einen florierenden Handel, der weit über die Grenzen ihres Herrschaftsgebietes hinausreichte. Händler waren angesehene Leute und gehörten in der aztekischen Gesellschaft einer eigenen Klasse an, die zwischen dem Adel und dem gemeinen Volk stand. Viele von ihnen, vor allem Großhändler, reisten zwischen weit entfernten Orten hin- und her. Sie beschafften nicht nur exotische Güter für den Adel, sondern fungierten oftmals auch als Diplomaten oder Spione. Auf diesem Wege brachten es viele von ihnen zu beträchtlichem Wohlstand.

Als Zahlungsmittel dienten den Azteken für kleinere Geschäfte Kakaobohnen, für größere Ausgaben wurde Goldstaub in Federkielen verwendet. Bei Ankunft der spanischen Konquistadoren im Jahr 1519 waren vier Kakaobohnen etwa einen Kürbis wert; hundert der rötlichen Bohnen reichten, um einen Sklaven zu kaufen. Der Herrscher Montezuma II., der letzte Aztekenkönig, forderte auch den Tribut, den eroberte Provinzen zahlen mussten, in Kakaoeinheiten ein. In seiner Schatzkammer soll er so eine Milliarde Bohnen gehortet haben – weit mehr als jemals konsumierbar war. (dmz/ds mit Material von dpa; Foto: Herdis Lüke; Yavidaxiu/Wikimedia)

Mitte: Überreste des Templo Mayor im heutigen Mexiko-Stadt (Foto: Herdis Lüke).

Unten: Die maximale Ausdehnung des Azetekenreiches gemäß María del Carmen Solanes Carraro und Enrique Vela Ramírez (Atlas del México prehispánico, edición especial número 5 de Arqueología Mexicana, 2000))

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