Deutschland kämpft mit seinen Klimaschutzzielen

 

 

Das ENBW Rheinhafenkraftwerkin Baden-Württemberg (Foto: Rudolpho Duba  / pixelio.de)

Von Anne-Beatrice Clasmann

Berlin, 14. Dezember 2015 – Auch Deutschland erwachsen aus dem Klimavertrag Verpflichtungen. Es gibt Entwicklungsländern Geld für Klimaschutz und für die Anpassung an die Folgen der Erderwärmung. Bei der Reduzierung von Treibhausgasen kämpft Deutschland mit seinen eigenen Zielvorgaben.

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Der Weltklimavertrag wird als „historischer Wendepunkt“ gefeiert. Doch was das Abkommen in Deutschland konkret verändern wird, muss noch im Detail durchbuchstabiert werden. Die Klimaschutzziele, die sich die Regierung bereits gesetzt hat, gehen in vielen Punkten über internationale Verpflichtungen hinaus.

Wer profitiert in Deutschland von dem Abkommen?

Auch wenn sich das jetzt noch nicht quantifizieren lässt: Gut ist das Abkommen für die Solarbranche, die Windkraftanlagen-Hersteller und für alle Anbieter von „sauberer“ Anlagentechnik. Weil langfristig die Zahl der Staaten, die Klimaschutz betreiben, wachsen soll, steigt auch die Zahl ihrer potenziellen Kunden.

Und wer verliert?

Langfristig geht es Energiekonzernen an den Kragen, die ihr Geld mit fossilen Brennstoffen verdienen und die ihr Geschäftsmodell nicht ändern wollen. Das Abkommen sagt zu diesen Energiequellen zwar explizit nichts – das haben Öl-Staaten wie Venezuela und Saudi-Arabien durchgesetzt. Die im Weltklimavertrag völkerrechtlich verbindlich festgeschriebene Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad lässt sich allerdings nach Aussage von Experten nur erreichen, wenn ein Teil der noch vorhandenen Mengen an Kohle, Öl und Gas ungenutzt bleibt. Diese Aussicht schreckt Finanzinvestoren ab. Die Allianz-Versicherung hat beispielsweise schon angekündigt, dass sie nicht mehr in Kohle investieren will.

Welche Ziele hat sich Deutschland beim Klimaschutz gesetzt?

Die EU will ihren Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 40 Prozent reduzieren. Da Deutschland mehr Treibhausgase in die Atmosphäre abgibt als jeder andere EU-Staat, will die Bundesregierung den Ausstoß hierzulande schon bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent reduzieren. Darüber hinaus hat sie sich noch ein längerfristiges Ziel gesteckt: Bis 2050 sollen die deutschen Emissionen um 80 bis 95 Prozent schrumpfen. Referenzwert ist immer die Menge an Treibhausgasen, die 1990 gemessen wurden.

Wie geht es damit bisher voran?

Mittelmäßig. 2013 wurden laut Umweltbundesamt 23,8 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen als 1990. Für 2014 gibt es noch keinen endgültigen Wert. Schätzungen liegen bei minus 27 Prozent. Damit wird es für das 40-Prozent-Ziel knapp. Das Umweltministerium in Berlin sieht eine „Klimaschutzlücke“ von fünf bis acht Prozentpunkten für 2020. Das Kabinett hat im Dezember 2014 deshalb ein Paket verabschiedet, das unter anderem Maßnahmen für mehr Energieeffizienz und klimafreundliches Bauen vorsieht. Die Umsetzung aller Maßnahmen kann Umweltministerin Barbara Hendricks allerdings nicht alleine garantieren. Denn einige davon betreffen das Ressort von Energieminister Sigmar Gabriel sowie das Landwirtschafts- und das Verkehrsministerium.

Was können Bürger für mehr Klimaschutz tun?

Weniger häufig das Flugzeug benutzen. Strom sparen und nicht bei offenem Fenster die Heizung laufen lassen. Öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder nutzen, anstatt mit dem Auto oder dem Motorrad zu fahren. Weniger Fleisch aus Massentierhaltung essen. Denn noch viel klimaschädigender als das Methangas, das aus dem Körper der Rinder entweicht, ist Lachgas. Dieses Treibhausgas wird beim Einsatz von Kunstdünger freigesetzt, der für den Anbau von Futtermitteln verwendet wird. Lachgas ist fast 300 Mal so klimaschädlich wie CO2. (dmz/dpa/hl)

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