Deutschland und Mexiko

Auch die Beziehungen in Wissenschaft und Kultur sollen vertieft werden. 2016 ist in Mexiko ein Deutschland-Jahr und in Deutschland ein Mexiko-Jahr geplant. 

 

Mexiko-Stadt, 19. Juli 2014 – Deutschland und Mexiko wollen enger zusammenarbeiten. Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein mexikanischer Amtskollege José Antonio Meade vereinbarten dazu in Mexiko-Stadt die Einsetzung einer gemeinsamen Regierungskommission, die sich künftig regelmäßig trifft. Dabei sollen über die bestehenden Wirtschaftskontakte hinaus auch die Beziehungen in Wissenschaft und Kultur vertieft werden. Für 2016 ist in Mexiko ein Deutschland-Jahr und in Deutschland ein Mexiko-Jahr geplant.

Der deutsche Außenminister war am Donnerstag zu einem dreitägigen Besuch in Mexiko eingetroffen. Begleitet wurde er von einer rund 80-köpfigen Wirtschaftsdelegation. Zum Auftakt hatte sich der SPD-Politiker auch kurz mit Staatspräsident Enrique Peña Nieto getroffen. Mexiko ist das erste Land Lateinamerikas, das Außenminister Steinmeier in seiner neuerlichen Amtszeit besucht hat. Der Außenminister kehrte am Sonntag nach Deutschland zurück.

Mexiko gehöre zu den bedeutenden politischen und wirtschaftlichen Kräften in Lateinamerika, sagte Steinmeier. Der Außenminister bezeichnete Mexiko als „wichtige Gestaltungskraft“, die in den vergangenen Jahren über Lateinamerika hinaus an Einfluss gewonnen habe. „Wir schätzen es sehr, dass Mexiko sich in einer ganzen Reihe von Fragen als Brückenbauer zwischen Nord und Süd beweist.“, sagte Steinmeier auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit José Antonio Meade im Außenministerium. „Wir stehen auf einem gemeinsamen Wertefundament. In wichtigen globalen Fragen, zum Beispiel beim Klimaschutz,  ist das  Mitglied in den G 20 für uns ein zentraler Partner. Wir wollen unsere bilaterale Zusammenarbeit noch weiter ausbauen.“

Event Tickets at TicketNetwork.com

Als führende Exportnation Lateinamerikas teile Mexiko das deutsche Interesse an einer dynamischen und offenen Weltwirtschaft. „Seit langem engagiert sich die deutsche Wirtschaft verlässlich in Mexiko, gerade in diesem Jahr bringen deutsche Unternehmen zahlreiche Investitionen auf den Weg. Zunehmend ist Mexiko dabei auch als Innovationsstandort für deutsche Forscher attraktiv. Deutsche Ansätze zum Fachkräftetraining in Betrieben bereichern unsere vielfältige Bildungskooperation“, so Steinmeier weiter.

Die Kultur soll noch stärker in den Mittelpunkt der Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko rücken. „Mit einem Deutschlandjahr 2016/2017 wollen wir den Menschen in Mexiko das weltoffene und moderne Deutschland näher bringen, von Technologie bis Lifestyle. Wir freuen uns darauf, dass sich dann zugleich auch Mexiko den Menschen in Deutschland besonders sichtbar und eindrücklich präsentieren wird“, betonte der SPD-Politiker.

Deutschland ist für Mexiko wichtigster Handelspartner in der EU. Mehr als 1.300 deutsche Firmen haben sind in Mexiko vertreten, die etwa 120 000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Mexiko ist der viertgrößte Investor in Mexiko. Das gemeinsame Handelsvolumen betrug im vergangenen Jahr annähernd 13,5 Milliarden Euro. Wichtigste Bereiche sind die Auto-, Pharma- und Chemieindustrie. Erst Anfang Juli kündigte BMW den Bau eines Autowerks an. In einer feierlichen Zeremonie im Beisein des deutschen Außenministers unterzeichneten BMW und der Bundesstaat San Luis Potosí am Donnerstag den Kaufvertrag über das Grundstück, auf dem die neue Fabrik entstehen soll. Meade warb zugleich um weitere deutsche Firmen. „Deutsche Investitionen sind in sämtlichen Branchen herzlich willkommen.“ Meade würdigte das Engagement des neuen Proméxico-Direktors

Der Besuch hat die Bedeutung unterstrichen, die beide Länder füreinander haben. Am Freitag weihten Steinmeier und Meade die neue Beiersdorf-Fabrik in Silao ein, die zweitgrößte Anlage des Hamburger Unternehmens in der Welt. 500 Mitarbeiter beschäftigt Beiersdorf in Silao. Von hier werden Mexiko, Nord- und Mittelamerika mit Körperpflege- und Kosmetikartikeln beliefert. In Silao ist auch das neue Beiersdorf-Forschungszentrum angesiedelt. Bei einem Besuch bei der Niederlassung der Schaeffler AG in Irapuato zeigte sich Steinmeier vom Engagement des Autozulieferers im Bereich Ausbildung beeindruckt. Schaeffler bildet an seinem Standort in Irapuato nach dem deutschen dualen System aus.

Weitreichende Konsequenzen für Ukraine

Überschattet wurde der Besuch des deutschen Außenministers in Mexiko vom mutmaßlichen Abschuss eines Passagierflugzeugs am Donnerstag über dem Osten der Ukraine. Er äußerte sich bestürzt über den Tod von mindestens 298 Menschen, darunter auch vier Deutsche, und forderte eine unabhängige internationale Untersuchungskommission.

Bei einem Treffen mit seinem mexikanischen Kollegen José Antonio Meade sagte der SPD-Politiker: „Wir erwarten, dass jetzt alles getan wird, um den Vorfall schnellstmöglich aufzuklären. Wir brauchen eine unabhängige internationale Untersuchung, die unverzüglich den Ursachen dieser schrecklichen Katastrophe nachgeht.“ Zugleich sprach er den Niederlanden sein Beileid aus. Bei dem Absturz starben mehr als 170 Niederländer.

Steinmeier sieht weitreichende Konsequenzen für den Ukraine-Konflikt für den Fall, dass eine Konfliktpartei das abgestürzte Passagierflugzeug abgeschossen hat. „Diejenigen, die das zu verantworten hätten, haben kein Recht mehr, ihre eigenen Anliegen im Namen der Menschlichkeit einzufordern“, sagte Steinmeier am Freitag. Nach Angaben von US-Geheimdiensten wurde die Maschine wahrscheinlich von pro-russischen Separatisten abgeschossen.

„Wenn sich im Zuge der Untersuchungen tatsächlich herausstellen sollte, dass eine der Konfliktparteien das Leben von Hunderten völlig Unbeteiligter auf dem Gewissen hat, so wäre das eine Untat außerhalb jeder Vorstellungskraft“, sagte Steinmeier. „Wir brauchen eine schnelle und unabhängige Aufklärung des Absturzes ebenso dringend wie einen würdigen Umgang mit den Opfern.“

Auch der Konflikt zwischen Israel und der Hamas war Thema. Steinmeier hat neue Bemühungen für eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt verlangt. Die militärische Ausweitung des Konflikts durch die anhaltenden Raketenangriffe der Hamas-Miliz und die Bodenoffensive Israels sei „bedauerlich“, sagte Steinmeier. Jetzt müsse alles dafür getan werden, weitere Opfer unter Zivilisten zu vermeiden. „Das Engagement der arabischen Nachbarstaaten für eine Waffenruhe muss weitergehen“, sagte Steinmeier. „Das unterstützen wir nach Kräften.“ (dmz/hl, mit Material von dpa)

{fshare}

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Deutschland und Mexiko wollen enger zusammenarbeiten

Auch die Beziehungen in Wissenschaft und Kultur sollen vertieft werden. 2016 ist in Mexiko ein Deutschland-Jahr und in Deutschland ein Mexiko-Jahr geplant. 

 

Mexiko-Stadt, 19. Juli 2014 – Deutschland und Mexiko wollen enger zusammenarbeiten. Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein mexikanischer Amtskollege José Antonio Meade vereinbarten dazu in Mexiko-Stadt die Einsetzung einer gemeinsamen Regierungskommission, die sich künftig regelmäßig trifft. Dabei sollen über die bestehenden Wirtschaftskontakte hinaus auch die Beziehungen in Wissenschaft und Kultur vertieft werden. Für 2016 ist in Mexiko ein Deutschland-Jahr und in Deutschland ein Mexiko-Jahr geplant.

Der deutsche Außenminister war am Donnerstag zu einem dreitägigen Besuch in Mexiko eingetroffen. Begleitet wurde er von einer rund 80-köpfigen Wirtschaftsdelegation. Zum Auftakt hatte sich der SPD-Politiker auch kurz mit Staatspräsident Enrique Peña Nieto getroffen. Mexiko ist das erste Land Lateinamerikas, das Außenminister Steinmeier in seiner neuerlichen Amtszeit besucht hat. Der Außenminister kehrte am Sonntag nach Deutschland zurück.

Mexiko gehöre zu den bedeutenden politischen und wirtschaftlichen Kräften in Lateinamerika, sagte Steinmeier. Der Außenminister bezeichnete Mexiko als „wichtige Gestaltungskraft“, die in den vergangenen Jahren über Lateinamerika hinaus an Einfluss gewonnen habe. „Wir schätzen es sehr, dass Mexiko sich in einer ganzen Reihe von Fragen als Brückenbauer zwischen Nord und Süd beweist.“, sagte Steinmeier auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit José Antonio Meade im Außenministerium. „Wir stehen auf einem gemeinsamen Wertefundament. In wichtigen globalen Fragen, zum Beispiel beim Klimaschutz,  ist das  Mitglied in den G 20 für uns ein zentraler Partner. Wir wollen unsere bilaterale Zusammenarbeit noch weiter ausbauen.“

Event Tickets at TicketNetwork.com

Als führende Exportnation Lateinamerikas teile Mexiko das deutsche Interesse an einer dynamischen und offenen Weltwirtschaft. „Seit langem engagiert sich die deutsche Wirtschaft verlässlich in Mexiko, gerade in diesem Jahr bringen deutsche Unternehmen zahlreiche Investitionen auf den Weg. Zunehmend ist Mexiko dabei auch als Innovationsstandort für deutsche Forscher attraktiv. Deutsche Ansätze zum Fachkräftetraining in Betrieben bereichern unsere vielfältige Bildungskooperation“, so Steinmeier weiter.

Die Kultur soll noch stärker in den Mittelpunkt der Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko rücken. „Mit einem Deutschlandjahr 2016/2017 wollen wir den Menschen in Mexiko das weltoffene und moderne Deutschland näher bringen, von Technologie bis Lifestyle. Wir freuen uns darauf, dass sich dann zugleich auch Mexiko den Menschen in Deutschland besonders sichtbar und eindrücklich präsentieren wird“, betonte der SPD-Politiker.

Deutschland ist für Mexiko wichtigster Handelspartner in der EU. Mehr als 1.300 deutsche Firmen haben sind in Mexiko vertreten, die etwa 120 000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Mexiko ist der viertgrößte Investor in Mexiko. Das gemeinsame Handelsvolumen betrug im vergangenen Jahr annähernd 13,5 Milliarden Euro. Wichtigste Bereiche sind die Auto-, Pharma- und Chemieindustrie. Erst Anfang Juli kündigte BMW den Bau eines Autowerks an. In einer feierlichen Zeremonie im Beisein des deutschen Außenministers unterzeichneten BMW und der Bundesstaat San Luis Potosí am Donnerstag den Kaufvertrag über das Grundstück, auf dem die neue Fabrik entstehen soll. Meade warb zugleich um weitere deutsche Firmen. „Deutsche Investitionen sind in sämtlichen Branchen herzlich willkommen.“ Meade würdigte das Engagement des neuen Proméxico-Direktors

Der Besuch hat die Bedeutung unterstrichen, die beide Länder füreinander haben. Am Freitag weihten Steinmeier und Meade die neue Beiersdorf-Fabrik in Silao ein, die zweitgrößte Anlage des Hamburger Unternehmens in der Welt. 500 Mitarbeiter beschäftigt Beiersdorf in Silao. Von hier werden Mexiko, Nord- und Mittelamerika mit Körperpflege- und Kosmetikartikeln beliefert. In Silao ist auch das neue Beiersdorf-Forschungszentrum angesiedelt. Bei einem Besuch bei der Niederlassung der Schaeffler AG in Irapuato zeigte sich Steinmeier vom Engagement des Autozulieferers im Bereich Ausbildung beeindruckt. Schaeffler bildet an seinem Standort in Irapuato nach dem deutschen dualen System aus.

Weitreichende Konsequenzen für Ukraine

Überschattet wurde der Besuch des deutschen Außenministers in Mexiko vom mutmaßlichen Abschuss eines Passagierflugzeugs am Donnerstag über dem Osten der Ukraine. Er äußerte sich bestürzt über den Tod von mindestens 298 Menschen, darunter auch vier Deutsche, und forderte eine unabhängige internationale Untersuchungskommission.

Bei einem Treffen mit seinem mexikanischen Kollegen José Antonio Meade sagte der SPD-Politiker: „Wir erwarten, dass jetzt alles getan wird, um den Vorfall schnellstmöglich aufzuklären. Wir brauchen eine unabhängige internationale Untersuchung, die unverzüglich den Ursachen dieser schrecklichen Katastrophe nachgeht.“ Zugleich sprach er den Niederlanden sein Beileid aus. Bei dem Absturz starben mehr als 170 Niederländer.

Steinmeier sieht weitreichende Konsequenzen für den Ukraine-Konflikt für den Fall, dass eine Konfliktpartei das abgestürzte Passagierflugzeug abgeschossen hat. „Diejenigen, die das zu verantworten hätten, haben kein Recht mehr, ihre eigenen Anliegen im Namen der Menschlichkeit einzufordern“, sagte Steinmeier am Freitag. Nach Angaben von US-Geheimdiensten wurde die Maschine wahrscheinlich von pro-russischen Separatisten abgeschossen.

„Wenn sich im Zuge der Untersuchungen tatsächlich herausstellen sollte, dass eine der Konfliktparteien das Leben von Hunderten völlig Unbeteiligter auf dem Gewissen hat, so wäre das eine Untat außerhalb jeder Vorstellungskraft“, sagte Steinmeier. „Wir brauchen eine schnelle und unabhängige Aufklärung des Absturzes ebenso dringend wie einen würdigen Umgang mit den Opfern.“

Auch der Konflikt zwischen Israel und der Hamas war Thema. Steinmeier hat neue Bemühungen für eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt verlangt. Die militärische Ausweitung des Konflikts durch die anhaltenden Raketenangriffe der Hamas-Miliz und die Bodenoffensive Israels sei „bedauerlich“, sagte Steinmeier. Jetzt müsse alles dafür getan werden, weitere Opfer unter Zivilisten zu vermeiden. „Das Engagement der arabischen Nachbarstaaten für eine Waffenruhe muss weitergehen“, sagte Steinmeier. „Das unterstützen wir nach Kräften.“ (dmz/hl, mit Material von dpa)

{fshare}

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*