Ex-Bürgermeister von Iguala wegen Studenten-Massakers angeklagt

Der Chefermittler der Generalstaatsanwaltschaft im Fall Iguala, Tomás Zerón, während der Pressekonferenz (Foto: PGR)

 

Mexiko-Stadt, 14. Januar 2015 – Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den Hauptverdächtigen im Fall Iguala erhoben: Der Ex-Bürgermeister, José Luis Abarca, soll für den Mord an den jungen Leuten verantwortlich sein. Zugleich wies der Staatsanwalt Vorwürfe der Angehörigen zurück, dass das Militär darin verwickelt sei.

Der Chefermittler der Generalstaatsanwaltschaft im Fall Iguala, Tomás Zerón, hat sich zum neuesten Stand der Ermittlungen geäußert. Auf einer Pressekonferenz am Dienstagabend gab er bekannt, dass der Bürgermeister der Stadt Iguala, José Luis Abarca, als Hauptverdächtiger angeklagt wurde und ein neuer Haftbefehl gegen ihn und 44 weitere Personen erlassen wurde.

„Se obtuvo una orden de aprehensión en contra de 45 personas, entre las que destaca José Luis Abarca Velázquez“

Er soll die Tat angeordnet haben, um zu verhindern, dass die Studenten eine politische Kundgebung seiner Ehefrau María de los Ángeles Pineda Villa mit einer Demonstration störten. Gegen die sie und weitere 53 Personen wurde bereits am 6. Januar Anklage erhoben. Sie muss sich wegen mutmaßlicher Verbindungen zum organisierten Verbrechen, Drogenhandel, Geldwäsche und Entführung verantworten.

Dem Ex-Bürgermeister werden zusätzlich noch weitere Verbrechen zur Last gelegt, die im Zuge der Ermittlungen zum Verschwinden der 43 Studenten ans Tageslicht gekommen waren, darunter die Ermordung des sozialen Anführers Arturo Hernández Cardona im Jahr 2013. Insgesamt hatten die Fahnder im Rahmen der Ermittlungen 30 weitere Leichname entdeckt, von denen bislang 12 identifiziert sind.

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„Keine Hinweise auf Verwicklung des Militärs im Fall Iguala“

Der Staatsanwalt wies Kritik an den Ermittlungen zurück und betonte, dass sogar über Weihnachten gearbeitet worden sei. Insgesamt seien im Fall Iguala demnach bislang 221 Haftbefehle gegen 97 Personen erlassen worden, darunter fünf Gemeindepolizisten. Außerdem habe es 16 Durchsuchungen gegeben und mehr als 380 Zeugenaussagen seien gehört worden.

Zugleich trat Zerón den Vorwürfen der Angehörigen der Studenten entgegen, dass Soldaten bei deren Verschleppung und Ermordung beteiligt gewesen seien. Aus keiner der Aussagen in den Ermittlungen gehe hervor, dass Teile der Streitkräfte in die Vorfälle verwickelt seien, sagte der Staatsanwalt.

“De ninguna declaración que se ha obtenido en la Procuraduría se desprende que elementos del Ejército o algún cuerpo de seguridad del Gobierno Federal, haya tenido participación alguna en la desaparición de los estudiantes.”

Zerón betonte, dass den Eltern der Studenten auch Zugang zu den Kasernen gewährt werde. Diese seien offen für alle Bürger, allerdings müsse ein geregelter und ordnungsgemäßer Eintritt sichergestellt sein. Am Montag hatten Angehörige und Kommilitonen versucht, sich gewaltsam Einlass zu einer Kaserne in Iguala zu verschaffen.

Gespräche zwischen Angehörigen und Regierungsvertretern

Wie der Chefermittler weiter sagte, habe es am Dienstagnachmittag ein weiteres Treffen zwischen den Eltern der Studenten und Ermittlern und Regierungsvertretern gegeben, an dem auch Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong teilgenommen habe. Dabei sei über die Vorwürfe der Eltern gegen die Ermittler gesprochen worden.

Außerdem sei den Angehörigen ein Video vorgeführt worden, das den Verlauf und die bisherigen Ergebnisse der Ermittlungen dokumentiere. Demnächst soll dieser Film laut Zerón auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. (dmz/ds mit Material von dpa)

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