„Heiliger von Amerika“: Ermordeter salvadorianischer Bischof Romero seliggesprochen

Hunderttausende Gläubige kamen zur Seligsprechung von Bischof Romero (Foto: almomento.mx)

 

San Salvador, 23. Mai 2015 – Er gilt in El Salvador als “Märtyrer der Liebe” und “Heiliger von Amerika”. Heute ist der 1980 ermordete salvadorianische Erzbischof Óscar Romero seliggesprochen worden. Hunderttausende Gläubige, mehrere Staats- und Regierungschefs sowie zahlreiche kirchliche Würdenträger wohnten der Zeremonie bei. Geleitet wurde die Messe von dem italienischen Kurienkardinal Angelo Amato.

“Romero hat mit der Kraft der Liebe Frieden geschaffen und mit seinem Leben Zeugnis für den Glauben abgelegt”, hieß es in dem apostolischen Brief von Papst Franziskus. Nach der Seligsprechung wurde ein riesiges Porträt von Erzbischof Romero enthüllt.

Bereits Stunden vor Beginn der Zeremonie waren die Menschen zu Tausenden auf den Platz Salvador del Mundo im Zentrum der Hauptstadt geströmt. Sie skandierten “Romero, Romero” und sangen religiöse Lieder. Auf Transparenten und Fahnen war zu lesen: “Märtyrer der Liebe” und “Heiliger von Amerika”.

Romero war vor 35 Jahren erschossen worden, als er gerade die Messe feierte. Er hatte sich für die Belange der Armen eingesetzt und damit die reichen Eliten und das Militär gegen sich aufgebracht. Im anschließenden Bürgerkrieg zwischen staatlichen Sicherheitskräften, rechten Todesschwadronen und linksgerichteten Guerillagruppen kamen bis 1992 rund 75.000 Menschen ums Leben.

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Vom konservativen Pfarrer zum sozialen Aktivisten

Óscar Romero war keineswegs ein überzeugter Befreiungstheologe. Erst die katastrophalen sozialen Zustände in El Salvador machten den Erzbischof zu einem engagierten Anwalt der Armen und Unterdrückten. Als junger Mann war Romero eher rechts orientiert und sympathisierte sogar mit der ultrakonservativen Organisation Opus Dei. Nach dem Mord an dem Jesuitenpater Rutilio Grande ergriff er allerdings immer lauter Partei gegen das Militär und die herrschenden Eliten.

Romero wurde am 15. August 1917 in Ciudad Barrios geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Vor seinem Theologiestudium absolvierte er eine Schreinerlehre. 1942 wurde er in Rom zum Priester geweiht. Nach seiner Rückkehr nach El Salvador arbeitete er zunächst als Pfarrer, bevor er 1977 Erzbischof von San Salvador wurde.

Am 24. März 1980 wurde Romero von einem Mitglied einer rechtsgerichteten Todesschwadron erschossen, als er in einer Krankenhauskapelle in San Salvador die Messe las. Der Auftrag zu dem Anschlag stammte von Geheimdienstmajor Roberto D’Aubuisson, der später die rechte Partei Arena gründete.

Experten hoffen, dass die Seligsprechung von Romero das politisch noch immer tief gespaltene Land eint. “Jetzt kann der Prozess der Versöhnung weitergehen”, sagte der Leiter des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Bernd Klaschka, vor der Seligsprechung. (dmz/dpa/hl/ds)

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