Honduras trauert um seine schönste Frau

 

 

Bei der Miss-World-Wahl wollte Alvarado ein positives Bild ihrer Heimat zeichnen. (Foto: www.tiempo.hn)

Von Denis Düttmann, dpa

In rasender Eifersucht soll der Freund ihrer Schwester die junge Schönheitskönigin erschossen haben. Bei der Miss-World-Wahl wollte Alvarado ein positives Bild ihrer Heimat zeichnen. Eine Welle der Gewalt hat Honduras allerdings längst in ein Krisengebiet verwandelt.

Tegucigalpa, 20. November 2014 – Sie wollte ihr von Gewalt erschüttertes Land auf der großen Bühne in einem positiven Licht erscheinen lassen – und wurde selbst Opfer einer brutalen Bluttat. «Mein Land ist nicht so, wie es dargestellt wird», lautet der Titel der Rede, die die honduranische Schönheitskönigin María José Alvarado Muñoz für die Wahl zur Miss World in London vorbereitet hatte. Der kaltblütige Mord an der 19-jährigen Studentin und ihrer Schwester wirft allerdings einmal mehr ein Schlaglicht auf die katastrophale Sicherheitslage im mittelamerikanischen Honduras.

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In rasender Eifersucht soll der Freund von Marías Schwester Sofía die beiden jungen Frauen auf seiner Geburtstagsfeier in einem Erholungsgebiet in Santa Bárbara im Nordwesten des Landes erschossen haben. Seine Freundin tanzte offenbar mit einem anderen Mann – das war ihr Todesurteil.

«Viele Mädchen sind auf die gleiche Weise gestorben, aber sie waren nicht berühmt, deshalb wurde es nie bekannt, und die Verbrechen blieben ungesühnt», sagte der Fernsehmoderator und ehemalige Präsidentschaftskandidat Salvador Nasralla, in dessen Show Alvarado einst als Model entdeckt wurde.

Lokale Medien beschreiben den Hauptverdächtigen Plutarco R. als dominant und unbeherrscht. Der ausgebildete Grundschullehrer sei einer der mächtigsten Männer seines Heimatorts San Vincente Centenario, heißt es in einem Bericht der Zeitung «El Heraldo». Beinahe über Nacht habe er es zu einem Vermögen gebracht. Der 32-Jährige besitze Immobilien, Vieh und Fahrzeuge.

Sofía und Plutarco seien unzertrennlich gewesen, erzählen Leute, die sie kannten. Nur selten kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen. Die letzte Auseinandersetzung des Paars endete allerdings in einer blutigen Tragödie.

Auch wenn die junge Schönheitskönigin María ein anderes Bild von ihrer Heimat zeichnen wollte: Kriminelle Banden haben das mittelamerikanische Land längst zu einem Schlachtfeld gemacht. Mit 90,4 Morden pro 100 000 Einwohnern ist Honduras nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) das gefährlichste Land der Welt außerhalb von Kriegsgebieten.

Für den Großteil der Gewalt sind Jugendgangs – die sogenannten Maras – verantwortlich. Die Banden sind in Schutzgelderpressung und Drogenschmuggel verwickelt und kämpfen mit Waffengewalt um Einflussgebiete. Die meist am ganzen Körper tätowierten Gangster haben Guatemala, El Salvador und Honduras in ein Krisengebiet verwandelt.

Auch die Alvarado-Schwestern und ihr mutmaßlicher Mörder hatten schon vor der Bluttat von Santa Bárbara selbst Erfahrungen mit der Gewaltwelle in Honduras gemacht. Vor rund einem Jahr töteten Unbekannte den damaligen Freund von Sofía. Das Paar lebte zusammen und wollte heiraten, wie die Zeitung «La Prensa» berichtete. «Er war der Mann ihres Lebens. Sie waren glücklich, aber das Schicksal hat sie getrennt», sagte ein Verwandter.

Auch Plutarco hat bereits einen Angehörigen verloren. Im Februar töteten Auftragskiller seinen Bruder David. Die als Polizisten verkleidete Täter stürmten ein Restaurant in San Pedro Sula und eröffneten mit Sturmgewehren das Feuer auf den Viehzüchter.

«Mein Land ist nicht so, wie es dargestellt wird», war Alvarados Thema für die Miss-World-Wahl. Die Schönheitskönigin sollte auf tragische Weise Recht behalten: Manchmal ist es sogar noch viel schlimmer. (dpa/dmz/hl)

 

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