Kampf gegen Kartelle

Die Nationale Gendarmerie soll in den Kartellhochburgen des Landes die Wirtschaft schützen. Vor allem die städtische Polizei ist mit den hochgerüsteten Verbrechern oft überfordert. Sicherheitsexperten zweifeln allerdings am Sinn der neuen Einheit.

 

Mexiko-Stadt, 22. August 2014 – Die mexikanische Regierung schickt eine neue Polizeitruppe in den Kampf gegen die mächtigen Verbrechersyndikate des Landes. “Die Nationale Gendarmerie wird die Mexikaner beschützen, ihren Besitz und ihre Arbeitsplätze, wo auch immer sie vom organisierten Verbrechen bedroht sind”, sagte Präsident Enrique Peña Nieto bei der Fahnenweihe der neuen Einheit am Freitag.

Die 5000 Beamten gehören zur Bundespolizei, sind militärisch geschult und unterstehen dem Innenministerium. An der Ausbildung waren unter anderem die französische Gendarmerie und die kolumbianische Polizei beteiligt.

Bereits während des Wahlkampfs 2012 hatte Peña Nieto die Gründung der Gendarmerie angekündigt. Ursprünglich war eine Truppe von 40 000 Polizisten geplant, die die im Inneren eingesetzten Einheiten von Marine und Heer ablösen sollte. Zuletzt wurde die Mannstärke immer weiter reduziert und ihr Aufgabengebiet neu definiert.

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In Mexiko tun etwa 440 000 Polizisten Dienst. Vor allem die städtischen Polizisten sind schlecht bezahlt und unzureichend ausgerüstet. Den Kämpfern der Drogenkartelle mit ihren modernen Sturmgewehren und gepanzerten Geländewagen haben sie häufig wenig entgegen zu setzen. Zudem gelten die Gemeindepolizisten als korrupt.

Mit der neuen Polizeitruppe reagiert die Regierung auch auf die veränderte Geschäftstätigkeit der Verbrechersyndikate. Die Kartelle betreiben längst nicht mehr nur Drogenhandel, sondern mischen mittlerweile auch in legalen Branchen mit. So sind sie beispielsweise in den Rohstoffhandel eingestiegen oder pressen Landwirten Schutzgelder ab. Damit greifen sie immer mehr in den Alltag der Bevölkerung ein.

Die Gendarmen sollen nun Unternehmen und Infrastruktur in den Bereichen Tourismus, Industrie, Bergbau, Landwirtschaft und Fischerei bewachen. „Es geht nicht nur darum, die Menschen und ihren Besitz zu schützen, sondern auch ihr sozioökonomisches Umfeld“, sagte der Nationale Sicherheitsbeauftragte Monte Alejandro Rubido.

Unter Sicherheitsexperten ist die neue Truppe allerdings umstritten. „Ist es wirklich die Mühe wert, eine neue Einheit zu gründen?“, sagte der Präsident der Nichtregierungsorganisation Observatorio Nacional Ciudadano (ONC), Francisco Rivas, der Nachrichtenagentur dpa. „Wir müssten vielmehr die lokalen Behörden stärken. Dort gibt es am meisten Probleme mit Korruption, Ineffizienz und mangelnder Ausrüstung“ (dpa/dmz/hl)

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