Knapp ein Jahr nach Studentenmassaker in Mexiko: Zweites Opfer identifiziert

 

 

Die Familien der Studenten zweifeln an dem Untersuchungsergebnis (Foto: almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 17. September 2015 – In wenigen Tagen ist es ein Jahr her: Am 26. September werden 43 Studenten in Iguala von Polizisten angegriffen und verschleppt. Jetzt haben Gerichtsmediziner aus Österreich mittels DNA-Analyse auf einer Müllkippe entdeckte Leichenteile einem der Vermissten zugeordnet. Die Familien der Studenten weisen den Bericht zurück.

Fast ein Jahr nach der Entführung und dem mutmaßlichen Mord an 43 Studenten in Mexiko ist ein zweites Opfer identifiziert worden. Experten der Universität Innsbruck hätten auf einer Müllkippe entdeckte Leichenteile dem Studenten Jhosivani Guerrero de la Cruz zugeordnet, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch (Ortszeit) mit. Die Angehörigen der jungen Männer wiesen die neuen Erkenntnisse zurück. Zuvor hatten die österreichischen Gerichtsmediziner bereits einen getöteten Studenten identifiziert.

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Am 26. September 2014 hatten örtliche Polizisten in der Stadt Iguala die jungen Männer verschleppt und sie der kriminellen Organisation Guerreros Unidos übergeben. Mehrere Bandenmitglieder räumten ein, die jungen Leute getötet und ihre Leichen angezündet zu haben. Der Fall rückte die engen Verbindungen zwischen Politikern, Polizisten und kriminellen Banden in Mexiko in den internationalen Fokus.

Für die Analyse der Knochenteilen und Asche isolierte das forensische Institut in Innsbruck besondere Teile des Genmaterials und verglich es mit Erbmaterial von Angehörigen der verschleppten Studenten. „Die Erkenntnisse der Wissenschaftler in Innsbruck stellen einen weiteren Schritt in den Ermittlungen dar und helfen, den Vorfall vollständig aufzuklären“, sagte Generalstaatsanwältin Arely Gómez.

Bei den Angehörigen stießen die Neuigkeiten auf große Skepsis: Die Wahrscheinlichkeit der DNA-Übereinstimmung sei geringer als bei der Identifizierung des ersten Opfers. „Solange das nicht auf die gleiche Weise geschieht, sind das für uns nicht die Überreste von Jhosivani“, sagte der Sprecher der Opfer-Familien, Felipe de la Cruz, am Donnerstag im Radiosender Fórmula.

Die Ermittler fanden auf der Müllkippe von Cocula und in einem nahe gelegenen Fluss über 63 000 Leichenspuren. Eine Arbeitsgruppe aus Ermittlern, Anthropologen und Medizinern soll die Fragmente nun erneut nach geeigneten Proben für weitere Untersuchungen in Innsbruck durchsuchen, sagte Gómez.  

Eine Expertengruppe der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) hatte die offiziellen Ermittlungsergebnisse zuletzt zurückgewiesen. So sei es physikalisch unmöglich, dass so viele Leichen in kurzer Zeit fast vollständig verbrannt worden seien, hieß es in ihrem Bericht.

Auch die Angehörigen der verschleppten Studenten glauben nicht an die offizielle Version der Ereignisse und fordern weitere Ermittlungen. Am 24. September will sich Präsident Enrique Peña Nieto mit den Eltern der jungen Männer und den CIDH-Experten treffen. (dmz/dpa/hl)

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