Mexiko nimmt Abschied

Mexiko-Stadt, 21. April 2014 – Tausende Menschen haben in Mexiko-Stadt Abschied von Gabriel García Márquez genommen. Die Urne des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers wurde am Montag im Palacio de Bellas Artes (Palast der Schönen Künste) aufgestellt. García Márquez’ Witwe Mercedes Barcha sowie seine Söhne Rodrigo und Gonzalo eröffneten am Nachmittag die Ehrenwache im Foyer des Prachtbaus im historischen Zentrum der mexikanischen Hauptstadt.

 

Bereits Stunden vor Beginn der Trauerfeier hatten sich lange Schlangen vor dem Palast gebildet. Viele Verehrer des Schriftstellers brachten Blumen in seiner Lieblingsfarbe gelb mit und sangen das Lied „Macondo“ über das Dorf in seinem berühmten Roman «Hundert Jahre Einsamkeit».

„Es ist ein komisches Gefühl“, sagte der Kolumbianer Luis Alexander Bermúdez, der seit zwölf Jahren in Mexiko lebt. „Es ist Freude, weil er ein Mensch war, der unsere beiden Länder und ganz Lateinamerika verbunden hat. Und es ist Trauer, weil es ein großer Verlust für die lateinamerikanische Kultur ist.“

Zu der Trauerfeier wurden am Abend auch Mexikos Staatschef Enrique Peña Nieto und Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos erwartet. García Márquez war am vergangenen Donnerstag im Alter von 87 Jahren in Mexiko-Stadt gestorben.

Seine Leiche wurde in einer privaten Zeremonie eingeäschert. Wo die Urne beigesetzt wird, war zunächst unklar. Der kolumbianische Botschafter in Mexiko-Stadt, José Gabriel Ortiz, hatte zuletzt gesagt, die Asche des Nobelpreisträgers könnte möglicherweise zwischen Kolumbien und Mexiko aufgeteilt werden. Der Kolumbianer García Márquez hatte mit Unterbrechungen seit Anfang der 1960er Jahre in Mexiko gelebt.

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Trauerfeier auch in Bogotá

Mit einer Trauerfeier in der Kathedrale von Bogotá nehmen die Kolumbianer am Dienstag Abschied von dem Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez. Die Zeremonie werde ab 12.00 Uhr (19.00 Uhr MESZ) landesweit im Radio und Fernsehen übertragen, teilte das Präsidialamt mit. Das nationale Symphonieorchester spiele das „Requiem“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Unter anderen werde Präsident Juan Manuel Santos an der Feier teilnehmen.

Am Welttag des Buches am kommenden Mittwoch sollen in öffentlichen Büchereien, auf Plätzen und in Parks Lesungen aus García Márquez’ Erzählung „Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt“ stattfinden. Das Kulturministerium kündigte an, im ganzen Land über 12 000 Exemplare des Buchs zu verteilen.

Der Meister des Magischen Realismus könnte die Leser auch nach seinem Tod noch einmal in seinen Bann ziehen. Möglicherweise wird der letzte Roman des Nobelpreisträgers posthum veröffentlicht. Es handelt sich um einen Roman mit dem Arbeitstitel „En agosto nos vemos“ (Wir sehen uns im August), der erscheinen könne, wenn die Familie des Autors dies so entscheide, sagte Cristóbal Pera vom Verlag Random House am Sonntag dem kolumbianischen Radiosender RCN.

Márquez habe schon seit langer Zeit an dem Buch gearbeitet. Das Skript sei fertig. „Es könnte ein posthumes Werk werden“, sagte Pera, der unter anderem für die Veröffentlichung des Márquez-Werkes „Erinnerung an meine traurigen Huren“ verantwortlich war. (dpa/dmz/hl)

Achtung: Die Trauerfeier sollte offiziell um 19:00 Uhr beginnen, verzögert sich jedoch bis mindestens 20:00 Uhr. Präsident Enrique Peña Nieto und sein kolumbianischer Amtskollege Juan Manuel Santos werden um kurz vor 19:00 Uhr erwartet. Vorgesehen seien Ansprachen von je zehn Minuten. Die DMZ wird am Dienstag ausführlich über die Trauerfeier berichten. (dmz/hl)

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