Mexiko: Stadt stellt Müllsünder an den Pranger

 

Weil er öfter Müll auf die Straße geworfen hat, steht dieser junge Mann nun am Pranger (Foto: Gobierno Municipal San Nicolás de la Garza)

Von Denis Düttmann

San Nicolás de los Garza, 2. August 2015 – Wer in San Nicolás de los Garza Abfall auf die Straße schmeißt, wird auf Werbetafeln als “Ferkel” geoutet. Mit der Aktion will der Bürgermeister das Bewusstsein für ein sauberes Stadtbild schärfen. Menschenrechtler sehen einen Angriff auf die Persönlichkeitsrechte.

Jaime Antonio M. kennt jetzt jeder in San Nicolás de los Garza. Als Schmutzfink, der die adrette Stadt im Bundesstaat Nuevo León Nordosten von Mexiko verschandelt. Dreimal wurde der Mann dabei erwischt, wie er Müll auf die Straße warf. Zur Strafe prangt sein Konterfei im Stil eines Fahndungsfotos der Polizei nun auf einer riesigen Werbetafel an einer Straßenkreuzung. Vor seiner Brust ein Schild mit der Aufschrift: “Festgenommen, weil er ein Ferkel ist.”

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San Nicolás de los Garza am Rande der Industriemetropole Monterrey ist eine der wohlhabendsten Gemeinden Mexikos. Hier wird Wert auf Ordnung und Sauberkeit gelegt. Dreck auf den Straßen passt da nichts ins Bild. “Wir müssen wirklich etwas tun, damit sich was ändert”, sagt Bürgermeister Pedro Salgado Almaguer. “In San Nicolás bieten wir den Bürgern die beste Müllabfuhr des Landes, und trotzdem müssen wir noch jeden Tag 25 Tonnen Müll auf den Straßen und in den Parks aufsammeln.”

Der Rathauschef hat sich deshalb das Programm “Für ein sauberes San Nicolás” ausgedacht. Wer zum ersten Mal beim achtlosen Wegwerfen von Müll in der Öffentlichkeit ertappt wird, erhält eine Verwarnung. Beim zweiten Mal setzt es eine Geldstrafe. Und beim dritten Mal wird der Missetäter mit Foto an den öffentlichen Pranger gestellt.

“San Nicolás – der beste Ort zum Leben”, lautet der Werbeslogan von San Nicolás de la Garca, eine der wohlhabendsten Gemeinden Mexikos am Rande der Industriemetropole Monterrey (Foto: Gobierno Municipal San Nicolás de la Garza)

Menschenrechtler sehen allerdings einen massiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. “Das ist ein grausamer Akt, der die Integrität der Person und seiner Familie verletzt”, sagt die Präsidentin der Menschenrechtskommission des Bundesstaates Nuevo León, Minerva Martínez Garza.

Örtliche Gesetze stünden nicht über der Verfassung, nach der die Preisgabe der Identität eines Verdächtigen nur bei einem formellen Haftbefehl zulässig sei. “Niemand darf willkürlichen und missbräuchlichen Eingriffen in sein Privatleben ausgesetzt sein”, sagt Martínez Garza. “Das sind illegale Angriffe auf die Ehre und Reputation.”

Die Menschenrechtskommission forderte die Stadtverwaltung von San Nicolás de los Garza auf, Müllsünder künftig nicht mehr öffentlich bloßzustellen. Die Preisgabe von Fotos und persönlichen Daten sei eine Verletzung der Menschenrechte.

Bürgermeister Salgado Almaguer ficht das alles nicht an. Er wolle unter den Bürgern ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man die Stadt nicht so einfach verschmutzen dürfe. Auch die Bezeichnung als Ferkel findet er nicht zu hart. “Wir müssen die Dinge beim Namen nennen.”

“San Nicolás – der beste Ort zum Leben”, lautet der Werbeslogan der Stadt. Solange sein überdimensionales Foto an der Ausfallstraße hängt, dürfte sich Jaime Antonio  dort allerdings nicht besonders wohlfühlen. (dmz/dpa/hl)

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