Mexiko: Zweifel an offizieller Version vom Gefecht mit 43 Toten

Bei der Schießerei am vergangenen Freitag bei Tanhuato in Michoacán wurden 42 mutmaßliche Kriminelle getötet (Foto: almomento.mx)

 

Morelia, 25. Mai 2015 – War die Schießerei mit 43 Toten am letzten Freitag im Westen von Mexiko ein Massaker ähnlich wie das vor fast einem Jahr in Tlatlaya? Familien von Opfern haben jetzt Zweifel an der offiziellen Version der Ereignisse geäußert. Auch Sicherheitsexperten stellen die Erklärungen der Regierung in Frage und sprechen von einer „ungleichen Bilanz“, die Fragen aufwirft.

Nach Angaben der Sicherheitskräfte waren am Freitag in der Nähe von Tanhuato im Westen von Michoacán bei einem der schwersten Gefechte der vergangenen Jahre 42 mutmaßliche Kriminelle und ein Polizist getötet worden. Zu der dreistündigen Schießerei war es demnach gekommen, als Polizei und Militär eine besetzte große Farm inspizieren wollten.

„Das war eine Gräueltat. Es kann nicht sein, dass so viele gestorben sind“, sagte eine Angehörige der Zeitung „El Universal“. Ihre Verwandten hätten im Straßenbau und auf der Farm nahe der Ortschaft Ecuandureo gearbeitet, sagte die Frau. „Es ist eine Ungerechtigkeit, was passierte ist.“ Die Toten seien kaum zu erkennen gewesen, einigen seien die Zähne ausgeschlagen worden.

Ein Berater von Angehörigen sagte, der Tatort sei manipuliert worden. Jeder könne sehen, dass die Männer nicht bei einem Kampf ums Leben kamen, sondern hingerichtet wurden. Polizeichef Enrique Galindo wies die Vorwürfe zurück. „Es gab keine einzige Exekution, das schließe ich kategorisch aus“, sagte er am Montag im Radiosender Fórmula.

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Dass bei dem Gefecht 42 Zivilisten und nur ein Polizist ums Leben kam, erklärte Galindo mit der guten Koordination der Polizei und dem Überraschungsmoment. Die mutmaßlichen Bandenmitglieder hätten die Polizei frontal angegriffen und sich zu keinem Zeitpunkt ergeben.

Bei den Angreifern soll es sich um Mitglieder des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación gehandelt haben. Die Bande trat 2011 erstmals in Erscheinung. Bei Angriffen der Gruppe sind in diesem Jahr bereits etwa 30 Soldaten und Polizisten ums Leben gekommen. Erst am 1. Mai hatte die Bande mit einem Granatwerfer einen Hubschrauber der Streitkräfte abgeschossen, dabei waren mehrere Militärangehörige und Zivilisten getötet worden.

Zeitungen wie „Milenio“ und „Excélsior“ zitierten am Montag Sicherheitsexperten, die ebenfalls Zweifel an der offiziellen Version äußern. Die Bilanz des Feuergefechts sei doch sehr ungleich: „Das war eine sehr ungleiche Schlacht. Eine Schlacht, bei der auf der einen Seite 42 sterben und auf der anderen nur einer, ist keine Schlacht“, sagte der Sicherheitsexperte der Autonomen Nationaluniversität UNAM, Raúl Benítez Manaut.

“Es fehlen noch viele Details und es gibt noch viele Zweifel. Die Regierung muss beweisen, dass es kein weiteres Tlatlaya ist. Nach Tlatlaya hat sie die Gunst des Zweifels verloren“, meinte der Ex-Geheimagent Alejandro Hope im „Excélsior“.

Noch sehr frisch in der Erinnerung der Mexikaner ist der Fall von Tlatlaya im vergangenen Jahr, wo Soldaten eigenen Angaben zufolge bei Zusammenstößen 22 Verdächtige töteten. Später stellte sich heraus, dass zumindest einige der Opfer erschossen wurden, nachdem sie sich bereits ergeben hatten. Mitte Mai, fast ein Jahr nach dem Militärmassaker von Tlatlaya, hat die mexikanische Regierung angekündigt, Angehörige der Opfer und Überlebenden zu entschädigen. (dmz/hl mit Material von dpa)

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