Mexikos Energiesektor

Von Denis Düttmann

 

Künftig dürfen auch ausländische Privatunternehmen in der bislang streng regulierten mexikanischen Energiebranche mitmischen. Investitionen in moderne Technik wurden lange versäumt. Jetzt ist der Erdölförderer auf frisches Geld und Fachwissen angewiesen.

Mexiko-Stadt, 9. August 2014 – In den Rechtsabteilungen der internationalen Ölmultis dürften jetzt Sonderschichten geschoben werden. Mexiko öffnet seine Energiebranche für ausländische Unternehmen, erstmals können damit Privatfirmen in den lukrativen Sektor einsteigen. Ob sich das Abenteuer Mexiko für Exxon Mobil, Shell, BP und Co. aber auch wirklich lohnen könnte, werden die Juristen wohl erst nach der Lektüre des Kleingedruckten entscheiden.

Der Kongress in Mexiko-Stadt billigte nun die Ausführungsgesetze zur Energiereform. Bereits um die nötige Verfassungsänderung Ende vergangenen Jahres war leidenschaftlich gestritten worden. Auch bei der Diskussion um die Sekundärgesetzgebung feilschte die Regierungsmehrheit mit der linken Opposition um jeden Absatz.

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Die Gegner der Reform befürchten einen Ausverkauf der nationalen Bodenschätze. Der Staatskonzern Pemex ist der wichtigste Devisenbringer des Landes und seit der Enteignung der ausländischen Ölkonzerne 1938 ein Symbol der nationalen Unabhängigkeit. „Was mich und viele Mexikaner nicht überzeugt ist folgendes: Da wird öffentliches Eigentum zu privatem Eigentum gemacht und das soll uns allen nutzen?“, sagte der Historiker Lorenzo Meyer kürzlich im Radiosender MVS.

Eine echte Privatisierung sieht die Reform allerdings nicht vor. Die Erdöl- und Gasreserven bleiben in staatlicher Hand. Angestrebt werden vielmehr Joint Ventures zwischen Pemex und ausländischen Unternehmen, in denen Risiko und Gewinn bei der Erschließung neuer Energievorkommen oder der Modernisierung von Raffinerien geteilt werden.

Auch Pemex selbst soll unabhängiger wirtschaften dürfen. Führt der Staatskonzern bislang 80 Prozent des Gewinns an den Fiskus ab, sollen es künftig nur noch 65 Prozent sein. Das verschafft dem Unternehmen Spielraum für dringend nötige Investitionen. Die Erlöse der Erdölgeschäfts fließen in Zukunft in einen Fonds, der wiederum Wissenschafts-, Technik- und Infrastruktur-Projekte finanzieren soll. Zudem werden die Pensionsansprüche der ehemaligen Pemex-Mitarbeiter auf den Staat übertragen. Die Rückstellungen von derzeit 1,7 Billionen Pesos (95,8 Mrd Euro) schnüren Pemex zunehmend die Luft zum Atmen ab.

Von der Öffnung erhofft sich das Energieministerium private Investitionen von mindestens zehn Milliarden US-Dollar (7,3 Mrd Euro) im Jahr. Zudem rechnet die Regierung mit 2,5 Millionen zusätzlichen Arbeitsplätzen bis 2025. Die Liberalisierung soll außerdem die zuletzt schleppende Konjunktur ankurbeln. Für 2018 wird ein zusätzlicher Prozentpunkt Wirtschaftswachstum prognostiziert, bis 2025 zwei Prozentpunkte.

Eine Reform hat der bislang streng regulierte mexikanische Energiesektor dringend nötig. Das massive Abschöpfen der Gewinne hat Pemex langsam ausbluten lassen. Jahrzehntelang wurde kaum in moderne Technik investiert, bei anspruchsvollen Förderverfahren wie in der Tiefsee oder in Schiefergasvorkommen, hinkt Pemex nun hinterher. Die Erdölförderung ging von täglich 3,4 Millionen Barrel im Jahr 2004 auf zuletzt 2,5 Millionen Barrel zurück.

Auch bei der Effizienz liegt der Staatskonzern weit hinter der internationalen Konkurrenz zurück. Jeder Mitarbeiter erwirtschaftet gerade einmal ein Viertel des Umsatzes, den ein Beschäftigter des britischen Öl-Giganten BP generiert, wie aus einer Studie des Baker Institute an der Rice University in Houston hervorgeht.

Zwar verfügt Mexiko über reiche Erdöl- und Gasvorkommen, doch ohne frisches Geld und externes Know-how wird Pemex den Schatz kaum heben können. „Die ersten Projekte könnten im Mai kommenden Jahres ausgeschrieben werden“, sagte der Abgeordnete der konservativen Partei PAN, Juan Bueno Torio, in einem Interview des Radiosenders Fórmula. (dpa/dmz/hl)

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