Pisco Sour aus Peru und Wein aus Frankreich-Gute Kombi für 2016

 

 

Pisco Sour, das Nationalgetränk von Peru, muss natürlich auch auf dem Klimagipfel probiert werden­  (Foto: COP20/Facebook)

Von Georg Ismar und Helmut Reuter, dpa

Was passiert eigentlich auf einer zweiwöchigen Klimakonferenz? Warum dauert das Ganze so lange? Warum kommt der Eisbär ins Schwitzen? Und was soll das mit dem Altpapierkleid? Einblicke aus Lima, wo das Militär den Klimaschützern Platz machen muss.

Lima, 8. Dezember 2014 – Manuel Pulgar-Vidal braucht eigentlich jetzt schon Alkohol. Wenn alles Ende der Woche vorbei ist, wünscht sich Perus Umweltminister einen großen Pisco Sour, das Nationalgetränk. Neben ihm sitzt UN-Klimachefin Christiana Figueres, ihre Bestellung lautet: «Pisco Sour mit Maracuja». Pulgar-Vidal glaubt, dass in Lima das Gerüst für den Weltklimavertrag gelingt, der in einem Jahr in Paris besiegelt werden soll. Er glaubt auch, ein «guter Pisco Sour aus Lima und ein guter Wein aus Paris» könnten eine gute Kombi bilden.

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Das trifft es ganz gut, denn ob das schmeckt ist genauso fraglich wie ein dem Klima helfender Kompromiss von 195 Staaten. Sie haben wieder alle kräftig CO2 ausgestoßen, um dabei zu sein: Nicht nur die  Länderdelegationen sind angereist, sondern auch Umweltschützer, Menschenrechtler, indigene Gruppen, religiöse Gemeinschaften aller Glaubensrichtungen, Feministinnen, Wissenschaftler, Politiker.

«Jeder soll hier gehört werden», verspricht Konferenzpräsident Pulgar-Vidal. Auch das ist ein Grund, warum die Konferenzen zwei Wochen dauern. Eine eigene Arbeitsgruppe beschäftigt sich inzwischen mit der Straffung – wenn es in Paris einen Erfolg gibt, könnte es nur noch maximal alle zwei Jahre die Konferenzen mit 12 000 Teilnehmern geben.

So ein Klimagipfel ist auch ein großer Zirkus. Klimasünder bekommen das Fossil des Tages verliehen. Vor dem EU-Pavillon demonstrieren Aktivisten mit einem Banner dagegen, dass auch große Ölmultis und Energiekonzerne als Beobachter in Lima dabei sind («Get Fossil Fuels out»). Nebenan präsentiert eine peruanische Schönheit sehr stilsicher ein Kleid nur aus Altpapier – Ressourcenschutz und Recycling, dem Klima zuliebe. Sehr praktisch sind auf der Plaza die mit Solarstrom gespeisten Akkus, wo Smartphones fix wieder aufgeladen werden können. Es wird viel telefoniert und mobil kommuniziert in der Zeltstadt des «Pentagonito», dem Gelände des peruanischen Militärs.

Um im Stimmengewirr und den im Halbstundentakt terminierten Pressekonferenzen nicht unterzugehen, versuchen Aktivisten möglichst viel Aufmerksamkeit für ihre Anliegen zu bekommen. Im Foyer des Pressezeltes in der Zone D liegt vormittags zur Warnung vor dem Klimawandel oft ein toter Eisbär. Nicht in echt, versteht sich, sondern als Kostüm. Der Träger hat es ausgezogen, denn bei fast 30 Grad wird es selbst einem als Eisbär verkleideten Aktivisten zu heiß. Der als Huhn verkleidete Tierschützer am Eingangsportal hat mehr Kondition und hüpft unablässig winkend um die Delegierten.

Treffen mit Martin Kaiser, Leiter Internationale Klimapolitik von Greenpeace. Er muss länger nachdenken bei der Frage, wie viele Staatengruppen es derzeit gebe. Denn das ist auch einer der Gründe, warum Klimagipfel zwei Wochen dauern – und alles so zäh vorangeht. Aber für so ein globales Problem gibt es nun mal nur dieses Forum von 195 Staaten, die am Ende einstimmig entscheiden müssen.

Da ist zum einen die EU, okay. Dann die am wenigsten entwickelten Länder (LDC), die kleinen Inselstaaten (Aosis), einigen kann bei einem Meeresspiegelanstieg der Untergang drohen. Dann die wichtige Umbrella Group mit den USA, Kanada und Japan. Die Arabische Gruppe, die blockiert und auf Öl und Gas setzt. Die Basic Group mit den Schwellenländern China, Brasilien, Indien und Südafrika. Dann noch ein Bündnis, dem unter anderem Mexiko und die Schweiz angehören.

Bis zum Start der finalen Ministerrunde liegen windelweiche Entwürfe vor. Das ist immer so. Allen ist klar: In Lima muss das Gerüst für Paris gelingen. Ex-Umweltminister Peter Altmaier (CDU) kann ein Lied vom kraftzehrenden Prozedere bei den Klimagipfeln singen. Er musste 2012 in Doha ein Beichtstuhlverfahren durchführen, Dutzende Minister nahm er ins Gebet, um in Detailfragen Kompromisse zu schmieden.

Jetzt geht es vor allem darum, dass nicht alle Staaten nach eigenem Gutdünken Minderungszusagen machen – von einer Steigerung in China bis 2030 bis zu einer 40-Prozent-Reduzierung bei der EU. «Wir können doch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen», meint Kaiser. Also vergleichbare Ziele. All das will verhandelt werden, Pulgar-Vidal spricht von einer historischen Chance. Er sieht einen «Good Lima-Spirit» am Werk, schon am Freitagabend um 18.00 Uhr will er daher fertig sein und Pisco trinken. Das wäre neu, dass Klimagipfel auch einmal pünktlich enden. (dpa/dmz/hl)

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