Wir brauchen den Panamakanal

Interview: Denis Düttmann, dpa

 

Der Panamakanal feiert am 15. August sein 100-jähriges Bestehen. Derzeit wird die Wasserstraße ausgebaut, gleichzeitig erwächst ihr in Nicaragua Konkurrenz. Der Kanal dürfte aber auch im nächsten Jahrhundert noch wichtig für den Welthandel sein.

Panama-Stadt, 12. August 2014 – Der Panamakanal ist für das mittelamerikanische Land ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und ein nationales Symbol. Nach Einschätzung des stellvertretenden Verwalters des Kanals, Manuel Benítez, wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern. Allerdings müsse sich der Kanal immer wieder den neuen Bedingungen anpassen, sagt er im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Am 15. August wird der Panamakanal 100 Jahre alt. Welche Bedeutung hat er für die panamaische Wirtschaft und das ganze Land?

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Antwort: Der Kanal hat immer eine wichtige Rolle für Panamas Wirtschaft gespielt. Nicht nur wegen der direkten Gewinnausschüttung an den Fiskus, dieser Betrag ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt gar nicht so hoch. Aber der Kanal sorgt indirekt für reichlich wirtschaftliche Aktivität, beispielsweise im Bereich der Logistikdienstleistungen. Außerdem ist er natürlich ein nationales Symbol, das auf der ganzen Welt bekannt ist.

Frage: Der Kanal spielt in der Wirtschaft Panamas eine dominante Rolle. Befürchten Sie nicht, dass deshalb die Entwicklung anderer Branchen vernachlässigt werden könnte?

Antwort: Ganz im Gegenteil. Der Kanal hat es uns vielmehr erlaubt, eine Reihe von Sektoren zu entwickeln. Wir verfolgen eine auf Handel und Logistik konzentrierte Wirtschaftsstrategie. Da gehört der Kanal dazu, aber er ist nicht alles.

Frage: Es gab zuletzt einige Verzögerungen beim Ausbau des Kanals für größere Schiffstypen. Das Baukonsortium fordert die Übernahme von unerwarteten Zusatzkosten in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar (1,2 Mrd Euro). Wie ist der Stand der Verhandlungen und können die Arbeiten wie geplant bis Ende 2015 abgeschlossen werden?

Antwort: Laut unserem Vertrag muss die Erweiterung des Kanals bis Ende 2015 beendet sein. Dann können wir uns über die Nachforderungen unterhalten. Bislang wurden alle Forderungen des Konsortiums im Schlichtungsverfahren allerdings abgelehnt. Wir halten sie wenigstens in dieser Höhe für völlig ungerechtfertigt.

Frage: Nicaragua will ebenfalls einen Kanal zwischen Atlantik und Pazifik bauen. Wie sehen Sie diese drohende Konkurrenz?

Antwort: Das macht uns keine Angst. Grundsätzlich ist Wettbewerb immer gut, er zwingt zu Verbesserungen und Fortschritt. Ich halte den geplanten Nicaraguakanal jedoch nicht für wettbewerbsfähig. Um Ihnen eine Idee zu geben, von was wir hier sprechen: Seit den ersten Versuchen der Franzosen 1880 bis zum Abschluss der Erweiterungsarbeiten werden in Panama 540 Millionen Kubikmeter Erde und Gestein abgeräumt worden sein. In Nicaragua wollen sie den Plänen zufolge in wenigen Jahren das Zehnfache ausheben.

Frage: Der derzeitig Ausbau ist noch nicht abgeschlossen, da gibt es bereits vorläufige Pläne für ein viertes Schleusensystem und eine erneute Erweiterung des Kanals. Warum sollte das nötig sein?

Antwort: Der Kanal ist für uns ein Geschäft. Darin unterscheiden wir uns von den USA, die ihn vor allem selbst nutzten und ihn lediglich kostendeckend betreiben wollten. Wir wollen mit dem Kanal Geld verdienen. Die aktuelle Erweiterung soll den Bedürfnissen der kommenden 20 bis 30 Jahre entsprechen. Wenn sich herausstellen sollte, dass die entsprechende Nachfrage besteht, bauen wir auch ein viertes Schleusensystem.

Frage: Glauben Sie, dass der Panamakanal in weiteren 100 Jahren noch immer die gleiche Bedeutung wie heute haben wird?

Antwort: Der Kanal wird noch immer existieren, vielleicht wird er nicht mehr die gleiche relative Bedeutung haben wie heute. Aber solange wir in einer globalisiert Welt leben und es maritimen Handel gibt, wird der Panamakanal wichtig sein. (dpa/dmz/hl)

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