Mexiko stimmt Auslieferung von Drogenboss „El Chapo“ an die USA zu

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“El Chapo” Guzmán unmittelbar nach seiner Festnahme im vergangenen Januar (Foto: almomento.mx)

 

Mexiko-Stadt, 20. Mai 2016 – Mexiko hat die Auslieferung des Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán an die USA genehmigt. Dem Chef des Sinaloa-Kartells könne in den Vereinigten Staaten der Prozess gemacht werden, teilte das mexikanische Außenministerium am Freitag mit. Zuvor hatten zwei Richter der Auslieferung zugestimmt.

Der Anwalt von Guzmán hat Rechtsmittel gegen die Auslieferung seines Mandanten an die USA angekündigt. „Dafür ist die Justiz da. Vielleicht muss das der Oberste Gerichtshof entscheiden oder wir ziehen vor internationale Gerichte“, sagte José Refugio Rodríguez am Freitag im Fernsehsender Milenio TV. „Es liegt noch ein langer Weg vor uns.“

 „El Chapo“ wird im US-Bundesstaat Texas unter anderem wegen Mordes, Drogenhandels, organisierter Kriminalität und Geldwäsche belangt. In Kalifornien wird ihm Drogenschmuggel vorgeworfen. Zwischen den USA und Mexiko besteht ein Auslieferungsantrag.

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Die US-Behörden hätten garantiert, dass Guzmán in den USA nicht die Todesstrafe drohe, teilte das mexikanische Außenministerium mit. Das war eine Bedingung der Mexikaner.

Nach einer spektakulären Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis im vergangenen Jahr war „El Chapo“ im Januar erneut gefasst worden. Vor Kurzem war der Drogenboss in ein Gefängnis in Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA verlegt worden.

Guzmáns Taktik war zuletzt unklar. Weil er sich in der mexikanischen Haft schlecht behandelt fühlte, kündigte er an, mit den US-Behörden verhandeln und seine Auslieferung aktiv vorantreiben zu wollen. Später erklärten seine Anwälte jedoch, sie wollten die Überstellung ihres Mandanten um jeden Preis verhindern.

In Mexiko dürfte nicht jeder über die bevorstehende Auslieferung des Drogenbosses glücklich sein. Guzmán könnte den US-Ermittlern im Gegenzug für Hafterleichterungen wertvolle Informationen zu Verbindungen von Politikern und Beamten mit dem organisierten Verbrechen anbieten. Das könnte korrupte Beamte und Politiker in Mexiko in Erklärungsnot bringen.

„El Chapo“ galt als der wohl mächtigste Drogenhändler der Welt: Bereits zweimal ist er aus einem mexikanischen Hochsicherheitsgefängnis getürmt. Damit soll jetzt Schluss sein. Mexikos Regierung hat der Auslieferung des Chefs des Sinaloa-Kartells an die USA zugestimmt.

„El Chapo“ (Der Kurze) kam 1957 in dem Dorf La Tuna de Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa zur Welt. Der Sohn einer armen Familie verkaufte als Jugendlicher Orangen, bevor er sich in den 1980er Jahren der Drogenbande um Miguel Ángel Félix Gallardo anschloss. Nach der Festnahme des Chefs gründete er das Sinaloa-Kartell. Die US-Antidrogenbehörde DEA bezeichnet das Syndikat als multinationalen Großkonzern des organisierten Verbrechens.

Guzmán war 1993 in Guatemala festgenommen worden, doch 2001 gelang ihm die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Mexiko. Mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar schaffte er es auf die „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt.

Im Februar 2014 nahmen Marineinfanteristen „El Chapo“ in einem Apartment in der Küstenstadt Mazatlán im Westen des Landes fest. Gerade mal 17 Monate verbrachte der Drogenboss in Haft, dann entkam er im Juli vergangenen Jahres durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel in die Freiheit. Im Januar wurde Guzmán erneut gefasst. Nun könnte „El Chapo“ den Rest seines Lebens in einem amerikanischen Supermax-Gefängnis verbringen müssen. (dpa/dmz/hl)

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