Deutsch-Mexikanisches Jahr soll Bogen über den Atlantik spannen

Screenshot Expo Alemana 2010

Schon bei der Expo Alemana 2010 war das Interesse an der deutschen Technologie bei den Mexikanern sehr groß (Foto: Screenshot blog.make-a-tronik.com)

 

Von Denis Düttmann

Mexiko-Stadt, 4. April 2016 – Kultur, Wirtschaft, Bildung – mit einem dualen Jahr wollen Deutschland und Mexiko ihre Beziehungen vertiefen. Im binationalen Handel werden bereits Milliarden umgesetzt. Experten dringen darauf, dass Mexiko die Korruption bekämpft und die Sicherheit verbessert.

Wer in Deutschland an Mexiko denkt, dem fallen mächtige Maya-Pyramiden, sangesfreudige Mariachis und würziger Tequila ein. Mexikaner verbinden mit Deutschland vor allem Fußball, Bier und teure Autos. Alles nicht falsch und dennoch nur ein kleiner Teil dessen, was die Länder jeweils ausmacht. Mit einem dualen Jahr wollen Deutschland und Mexiko nun einen Bogen über den Atlantik spannen und sich gegenseitig besser kennen lernen.

Event Tickets at TicketNetwork.com

Mexikos Staatspräsident Enrique Peña Nieto gibt bei seinem Deutschlandbesuch am 11. und 12. April den Startschuss zu dem binationalen Jahr. Bundesaußenminister Frank–Walter Steinmeier wird am 6. Juni in Mexiko erwartet. Geplant sind Ausstellungen und Konzerte, Industrie- und Tourismusmessen, wissenschaftliche Symposien und Treffen von Vertretern der Zivilgesellschaft. In Berlin wird Peña Nieto die Ausstellung „Die Maya – Sprache der Schönheit“ im Martin-Gropius-Bau eröffnen.

Ziel: Besseres Verständnis für die jeweilige Vielfältigkeit

Der deutsche Botschafter in Mexiko verspricht sich von dem dualen Jahr ein besseres Verständnis für die Vielfältigkeit der beiden Nationen. „Es soll nicht ein reines Kulturjahr werden. Wir wollen Deutschland auch als modernes und weltoffenes Land präsentieren, das sich um die globalen Themen unserer Zeit kümmert“, sagt Viktor Elbling. „Ich bin sehr optimistisch, dass das ein gutes Jahr wird, in dem wir Deutschland in all seinen Facetten zeigen können.“

Auch die mexikanische Botschafterin in Deutschland will ein zeitgemäßes Bild ihres Landes zeichnen. „Über kulturelle, wirtschaftliche und akademische Veranstaltungen werden wir ein modernes Mexiko zeigen, das basierend auf seinem historischen und kulturellen Reichtum mit Kraft der Zukunft entgegen strebt“, sagt Patricia Espinosa.

Enge Zusammenarbeit in vielen Bereichen

Deutschland und Mexiko arbeiten in vielen Bereichen wie beim Klimaschutz und der Begrenzung des Waffenhandels bereits auf internationaler Ebene zusammen. Auch wirtschaftlich sind die beiden Länder eng verbandelt. Deutschland ist Mexikos fünftgrößter Handelspartner, im vergangenen Jahr betrug das Geschäftsvolumen rund 17,5 Milliarden US-Dollar. In Puebla unterhält Volkswagen sein zweitgrößtes Werk weltweit, auch andere deutsche Großkonzerne wie Bayer und BASF sind in Mexiko heimisch.

In Mexiko sind fast 1700 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung registriert. Sie sind vor allem in der Automobil- und Automobilzulieferindustrie sowie in den Sektoren Pharma, Chemie und Logistik tätig. Gemeinsam erwirtschaften sie etwa acht Prozent des mexikanischen Bruttosozialprodukts. Zuletzt interessierten sich mexikanische Firmen auch immer stärker für das deutsche Modell der dualen Ausbildung. „Wir glauben, dass Deutschland mit der beruflichen Bildung ein Angebot machen kann, das Mexiko noch mal einen weiteren Push gibt“, sagt Botschafter Elbling.

Noch viel Handlungsbedarf bei Menschenrechten

Drogenkrieg, Korruption, Menschenrechtsverletzungen – immer wieder dringen Nachrichten nach Deutschland, die ein düsteres Bild von der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas zeichnen. Experten dringen darauf, dass das OECD-Mitglied Mexiko diese Probleme entschlossen angeht. „Ich bin überzeugt, dass sich Mexiko in die richtige Richtung bewegt“, sagt Botschafter Elbling. „Für das eigene Land wäre es wichtig, dass wirtschaftliche und rechtsstaatliche Entwicklung Hand in Hand gehen.“

Die den Grünen nahe stehende Heinrich-Böll-Stiftung sieht im Bereich der Menschenrechte in Mexiko noch viel Handlungsbedarf. „Bei der Aufklärung von Menschenrechtsverletztungen fehlt es in Mexiko auch an politischem Willen“, sagt die Leiterin der Stiftung in Mexiko, Annette von Schönfeld.

Für den Großteil der Gewalt in Mexiko sind Drogenkartelle und Verbrechersyndikate verantwortlich, aber auch die staatlichen Sicherheitskräfte sind immer wieder in Menschenrechtsverletzungen verwickelt. Der UN-Sonderberichterstatter Juan Méndez sagt, Folter und Misshandlungen durch Polizei und Militär seien in Mexiko weit verbreitet. Ein geplantes Sicherheitsabkommen zwischen Deutschland und Mexiko ist deshalb äußerst umstritten.

„Die offizielle Entwicklungszusammenarbeit sollte zunächst einmal von technischer Unterstützung und Ertüchtigungsmaßnahmen für die mexikanischen Sicherheitskräfte und Justizinstitutionen Abstand nehmen“, sagt der Leiter der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Mexiko, Hans Mathieu. „Schwerpunkte sollten die Analyse institutioneller Probleme und die Entwicklung von Reformen sein.“ (dmz/dpa/hl)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.