“Gedopteste Spiele in Rio”: Kritik am globalen Anti-Doping-System

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Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro erwarten Doping-Experten den Eintritt in eine neue Dimension des Sportbetrugs (Foto: Siegfried Fries  / pixelio.de)

Von Andreas Schirmer

Frankfurt/Main, 1. Juni 2016 – Düstere Aussichten für den Anti-Doping-Kampf und für die Fairness bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Experten erwarten wenig Gutes in Brasilien und fordern eine grundsätzliche Reform des weltweiten Doping-Kontrollsystems.

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Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro erwarten Doping-Experten den Eintritt in eine neue Dimension des Sportbetrugs. “Wir werden in Rio die gedoptesten Spiele erleben, die es je gegeben hat”, sagte der Mainzer Wissenschaftler Perikles Simon am Dienstag bei einem Symposium in Frankfurt/Main.

“Es gab Anfang der 90er Jahre eine Zeit, während der man den Dopern ebenbürtig war. Mit Fleiß hat man alles vernachlässigt, was man mit Nachdruck hätte verfolgen müssen”, kritisierte Simon und stellte die Effektivität des globalen Anti-Doping-Systems infrage: “Wir müssen das komplette Kontrollsystem professioneller machen.”

Auch der Düsseldorfer Forensiker Hellmut Mahler hält ein Weiter-so wie bisher für problematisch. “Wir haben unkontrolliertes Doping mit unkontrollierten Mitteln”, sagte er. Und der Erfindungsreichtum der Sportbetrüger sei immens. “Es gibt zig Millionen Sportler, deren Schwarmintelligenz gigantisch ist. Die ist nicht zu unterschätzen.”

Für den Rechtswissenschaftler Dieter Rössner sind dagegen die Sommerspiele in Rio auch ein Prüfstein, ob die aktuellen Anti-Doping-Maßnahmen ernsthaft angewandt werden. “Der Sport kann zeigen, was er kann”, sagte der Jurist, der als Sachverständiger am deutschen Anti-Doping-Gesetz mitgewirkt hat. “Er hat die Gelegenheit, das System strikt anzuwenden und zu zeigen, dass man von außen nicht vermuten müsste, dass nicht manipuliert wird.”

Gehört dazu der Olympia-Ausschluss des durch Doping-Enthüllungen in Misskredit gebrachten Russland? “Mehr geht doch nicht”, sagte der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel und befürwortet einen Bann. Ob das Internationale Olympische Komitee das Recht hat, ein ganzes Land auszuschließen – unabhängig von der individuellen Schuld von Athleten – ist für den Juristen Rössner “ein Problem, das nicht zu lösen” sei, meinte aber: “Ein Staat, der Doping-Strukturen installiert und gehalten hat, sollte nicht teilnehmen.”

Grundsätzliche Zweifel an den aktuellen Doping-Tests und -Analysen hat der Sportwissenschaftler Simon. “Es geht hier um Volksverdummung. Das ist kein biomedizinisches Testverfahren, dieser sogenannte Doping-Test”, sagte er. “Wir wissen vieles einfach nicht.” Deshalb hat er große Zweifel, dass die von den Analytikern reklamierte 99,9-prozentige Sicherheit der Untersuchungsmethoden stimme.

Für falsch hält er auch, bei der A- und B-Probe zumeist das gleiche Analyseverfahren anzuwenden: “Wenn wir einen positiven Test durch einen zweiten Test bestätigen, der wohlgemerkt anders sein muss, wäre das das klinisch korrekte Verfahren, um einen positiven Test richtig zu überprüfen.”

Generell fordert Simon eine radikale Reform. “Es gibt die Möglichkeit, dass wir so weiter tanzen wie bisher in einem komplett unprofessionellen System mit einem Lance Armstrong oder einer Marion Jones, die mit positiven EPO-Tests keine Probleme hatten”, sagte Simon. Sowohl bei dem früheren Radprofi als auch bei der Sprinterin führten positive Tests nicht zu Sperren. “Wir können entweder auf dem Niveau weiterwurschteln, dass wir irgendwelche armen Schlucker, die sich keinen Anwalt leisten können, des Dopings überführen, oder wir bauen ein System komplett neu auf.” (dmz/dpa/hl)

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