Nordamerika-Gipfel in Mexiko

Von Denis Düttmann, dpa

 

20 Jahre nach Abschluss des Freihandelsabkommens Nafta treffen sich die nordamerikanischen Regierungschefs zum Gipfel. Der Binnenmarkt muss der Gegenwart angepasst werden. Aber die USA, Kanada und Mexiko schauen sich auch nach neuen Partnern um.

Mexiko-Stadt, 12. Februar – Es ist ein wenig wie in einer langjährigen Ehe. Im Alltag kommt man ganz gut miteinander aus, aber irgendwie ist die Leidenschaft erloschen. Beim Nordamerika-Gipfel in der kommenden Woche (19. Februar) im mexikanischen Toluca suchen die USA, Kanada und Mexiko nach frischen Impulsen für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta). Die «drei Amigos», wie sie in der US-Presse genannt werden, brauchen einen Neuanfang.

Alle drei Länder profitieren von den offenen Märkten. Seit Vertragsunterzeichnung vor 20 Jahren hat sich der Handel im Binnenmarkt auf über eine Billion US-Dollar (731 Milliarden Euro) jährlich verdreifacht. Die USA exportieren mehr Güter nach Mexiko als nach China, Brasilien, Indien und Russland zusammen. 14 Millionen Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten hängen am Handel mit den Nafta-Partnern. Mexiko verkauft über 80 Prozent seiner Exporte an die USA und Kanada.

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Zuletzt hielten die nordamerikanischen Länder allerdings Ausschau nach neuen Partnern. Kanada und Mexiko haben bereits Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union unterzeichnet, die USA verhandeln noch mit Brüssel. Alle drei befinden sich in Gesprächen über einen Beitritt zur Transpazifischen strategischen wirtschaftlichen Partnerschaft (TPP). Mexiko engagiert sich in der Pazifikallianz.

Beim Gipfel in Toluca wollen US-Präsident Barack Obama, Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper und der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto ihrer langjährigen Partnerschaft noch einmal neuen Schwung verleihen. Energie, Sicherheit und Bildung seien die wichtigsten Themen für die drei Amigos sagte der mexikanische Botschafter in Kanada, Francisco Suárez, im Interview der Nachrichtenagentur Canadian Press. Das Treffen sei eine Chance für eine strategische Vision für Nordamerika.

Es sei Zeit für ein Nafta 2.0, schreibt der ehemalige Stabschef von US-Präsident Bill Clinton, Thomas McLarty, in einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal. Nafta habe den Handel in Nordamerika angekurbelt, Arbeitsplätze geschaffen und die Tür für weitere Freihandelsabkommen in Lateinamerika geöffnet. Nun gelte es, den Binnenmarkt weiterzuentwickeln und den neuen Rahmenbedingungen anzupassen.

Wir haben uns heute mit Fragen auseinanderzusetzen, die vor 20 Jahren noch gar kein Thema waren. Zum Beispiel mit der Regulierung des elektronischen Handels oder mit Rechten an geistigem Eigentum sagt der mexikanische Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo.

Neue Schiefergasfunde in der Region und die öffnung der bislang abgeschotteten mexikanischen ölbranche bieten zudem die Chance für eine gemeinsame Energiestrategie, wie es aus Analystenkreisen heisst.

Bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus plädierte Duncan Wood vom Forschungsinstitut Wilson Center für eine weitere Integration Nordamerikas, um als Region im globalen Wettbewerb zu bestehen. Wir brauchen gemeinsame Industriestandards, wir sollten in Verhandlungen mit Asien und Europa als Block auftreten und wir müssen den Güterverkehr über die Grenzen effektiver machen, sagte er.

Vor allem mexikanische Unternehmer hatten sich zuletzt immer wieder beschwert, dass ihre Lastwagen wegen der strengen Kontrollen oft stundenlang an der Grenze zu den USA warten müssten. Ein Lösung wären gemeinsame Zollagenturen, die die wichtigsten Einfuhrpapiere bereits im Ursprungsland prüfen.

Mexikos ehemaliger Aussenminister Jorge Castañeda fordert hingegen eine Abkehr von der rein wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit. Wir sollten Themen einbeziehen, die 1994 vernachlässigt wurden, wie Energie, Einwanderung, Infrastruktur, Bildung und Sicherheit schreibt er in einem Aufsatz für das Fachmagazin «Foreign Affairs».

In Washington gibt man sich vor dem ersten Nordamerika-Gipfel seit zwei Jahren vorsichtig optimistisch. Das Treffen könnte der Nafta den nötigen präsidentiellen Kick geben, um die Integration voranzutreiben und neue Projekte anzugehen, sagt eine ranghohe Beamtin aus dem US-Aussenministerium. (dpa/dmz/hl)

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Nordamerika-Gipfel in Mexiko

Von Denis Düttmann, dpa

 

20 Jahre nach Abschluss des Freihandelsabkommens Nafta treffen sich die nordamerikanischen Regierungschefs zum Gipfel. Der Binnenmarkt muss der Gegenwart angepasst werden. Aber die USA, Kanada und Mexiko schauen sich auch nach neuen Partnern um.

Mexiko-Stadt, 12. Februar – Es ist ein wenig wie in einer langjährigen Ehe. Im Alltag kommt man ganz gut miteinander aus, aber irgendwie ist die Leidenschaft erloschen. Beim Nordamerika-Gipfel in der kommenden Woche (19. Februar) im mexikanischen Toluca suchen die USA, Kanada und Mexiko nach frischen Impulsen für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta). Die «drei Amigos», wie sie in der US-Presse genannt werden, brauchen einen Neuanfang.

Alle drei Länder profitieren von den offenen Märkten. Seit Vertragsunterzeichnung vor 20 Jahren hat sich der Handel im Binnenmarkt auf über eine Billion US-Dollar (731 Milliarden Euro) jährlich verdreifacht. Die USA exportieren mehr Güter nach Mexiko als nach China, Brasilien, Indien und Russland zusammen. 14 Millionen Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten hängen am Handel mit den Nafta-Partnern. Mexiko verkauft über 80 Prozent seiner Exporte an die USA und Kanada.

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Zuletzt hielten die nordamerikanischen Länder allerdings Ausschau nach neuen Partnern. Kanada und Mexiko haben bereits Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union unterzeichnet, die USA verhandeln noch mit Brüssel. Alle drei befinden sich in Gesprächen über einen Beitritt zur Transpazifischen strategischen wirtschaftlichen Partnerschaft (TPP). Mexiko engagiert sich in der Pazifikallianz.

Beim Gipfel in Toluca wollen US-Präsident Barack Obama, Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper und der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto ihrer langjährigen Partnerschaft noch einmal neuen Schwung verleihen. Energie, Sicherheit und Bildung seien die wichtigsten Themen für die drei Amigos sagte der mexikanische Botschafter in Kanada, Francisco Suárez, im Interview der Nachrichtenagentur Canadian Press. Das Treffen sei eine Chance für eine strategische Vision für Nordamerika.

Es sei Zeit für ein Nafta 2.0, schreibt der ehemalige Stabschef von US-Präsident Bill Clinton, Thomas McLarty, in einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal. Nafta habe den Handel in Nordamerika angekurbelt, Arbeitsplätze geschaffen und die Tür für weitere Freihandelsabkommen in Lateinamerika geöffnet. Nun gelte es, den Binnenmarkt weiterzuentwickeln und den neuen Rahmenbedingungen anzupassen.

Wir haben uns heute mit Fragen auseinanderzusetzen, die vor 20 Jahren noch gar kein Thema waren. Zum Beispiel mit der Regulierung des elektronischen Handels oder mit Rechten an geistigem Eigentum sagt der mexikanische Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo.

Neue Schiefergasfunde in der Region und die öffnung der bislang abgeschotteten mexikanischen ölbranche bieten zudem die Chance für eine gemeinsame Energiestrategie, wie es aus Analystenkreisen heisst.

Bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus plädierte Duncan Wood vom Forschungsinstitut Wilson Center für eine weitere Integration Nordamerikas, um als Region im globalen Wettbewerb zu bestehen. Wir brauchen gemeinsame Industriestandards, wir sollten in Verhandlungen mit Asien und Europa als Block auftreten und wir müssen den Güterverkehr über die Grenzen effektiver machen, sagte er.

Vor allem mexikanische Unternehmer hatten sich zuletzt immer wieder beschwert, dass ihre Lastwagen wegen der strengen Kontrollen oft stundenlang an der Grenze zu den USA warten müssten. Ein Lösung wären gemeinsame Zollagenturen, die die wichtigsten Einfuhrpapiere bereits im Ursprungsland prüfen.

Mexikos ehemaliger Aussenminister Jorge Castañeda fordert hingegen eine Abkehr von der rein wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit. Wir sollten Themen einbeziehen, die 1994 vernachlässigt wurden, wie Energie, Einwanderung, Infrastruktur, Bildung und Sicherheit schreibt er in einem Aufsatz für das Fachmagazin «Foreign Affairs».

In Washington gibt man sich vor dem ersten Nordamerika-Gipfel seit zwei Jahren vorsichtig optimistisch. Das Treffen könnte der Nafta den nötigen präsidentiellen Kick geben, um die Integration voranzutreiben und neue Projekte anzugehen, sagt eine ranghohe Beamtin aus dem US-Aussenministerium. (dpa/dmz/hl)

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