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Aus Angst vor Abschiebung: Flüchtlinge aus Haiti kehren nach Mexiko zurück

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Flüchtlinge aus Haiti beim Überqueren des Río Grande von Mexiko in die USA (Foto: Jesús Quintanar/Milenio)

Mexiko-Stadt, 22. September 2021 – Viele Haitianer sind am Mittwoch sus Angst vor Abschiebung in ihre Heimat aus ihrem improvisierten Lager unter der Internationalen Brücke auf der Seite US-amerikanischen in Del Rio über den Río Grande nach Mexiko zurückgekehrt. Das berichtete am Mittwochabend der US-Fernsehsender CNN. Derweil bereitet sich auch Mexiko darauf vor, mehr haitianische Flüchtlinge in ihre Heimat abzuschieben.

Tausende mehrheitlich haitianische Flüchtlinge harrten noch am Mittwoch in dem Lager gegenüber der mexikanischen Stadt Ciudad Acuña (Bundesstaat Coahuila). Ihre Hoffnungen, doch in den USA bleiben zu dürfen, schwindet, nachdem die USA ihre Abschiebeaktionen am Mittwoch fortgesetzt haben. Die Vereinigten Staaten haben bereits am Sonntag damit begonnen, Haitianer aus dem Lager in ihr Heimatland abzuschieben. Bis Mittwoch wurden bereits mehr als 6.000 Migranten aus dem Lager in Del Rio in Haftzentren oder zurück nach Haiti gebracht, zitierten Nachrichtenagenturen einen US-Beamten.

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Der Polizeichef des texanischen Bezirks Val Verde Joe Martínez, schätzte am Montag die Zahl der Migranten im Lager unter der Brücke auf 14.500. Zwischen 2.000 und 3.000 weitere haitianische Migranten würden in dieser Woche in Acuña erwartet, zitierte die Tageszeitung „Milenio“ den Leiter des Zivilschutzes von Acuña, Carlos Flores. Weder Ciudad Acuña noch der Bezirk Val Verde hätten die Kapazitäten, eine so hohe Zahl von Migranten an der gemeinsamen Grenze zu versorgen. „Was werden wir tun, wenn die Dinge schwieriger werden? Acuña und Del Rio sind nicht darauf vorbereitet, mit dieser Anzahl von Menschen fertig zu werden”, sagte er. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen warnte davor, dass das Grenzgebiet in wenigen Tagen außer Kontrolle geraten könnte.

„Die Flüchtlinge steigen aus den Bussen und gehen direkt zur Grenzübergangsstelle. Sie setzen sich nicht auf den zentralen Platz oder suchen einen Unterschlupf, nein. Sie gehen direkt zur flachen Stelle, wo sie überqueren können“, sagte der mexikanische Zivilschutzleiter. Die flache Stelle am Rio Grande ist als „La Cuchilla“ bekannt.

Tausende von Haitianern, denen es gelungen war, die Nordgrenze Mexikos zu erreichen, hatten sich vor einer Woche in einem behelfsmäßigen Lager unterhalb der Internationalen Brücke in Del Río in Texas versammmelt. Täglich kamen immer mehr. Grenzbeamte hatten ihnen am Wochenende erlaubt, den Fluss an einer flachen Stelle zu überqueren, damit sie sich in Ciudad Acuña mit Lebensmitteln und Wasser eindecken konnten, und ins Lager zurückzukehren. Berittene Grenzschutzbeamte und texanische Polizisten hinderten sie dann aber daran, das Lager wieder zu betreten. Sie haben mit Lassos auf Menschen gezielt und einige brutal an ihrem Hemd gepackt, um sie in den Fluss zurückzudrängen.

US-amerikanische Behörden haben unterdessen angeordnet, das brutale Vorgehen der Beamten gegen die Flüchtlinge in Del Río zu untersuchen.

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Scharfe Kritik von den US-Demokraten

Selbst in den Reihen von US-Präsident Joe Bidens Demokraten wurde der unbarmherzige Einsatz der Beamten gegen die Flüchtlinge heftig kritisiert. Der demokratische Mehrheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, forderte Präsident Biden und den Minister für Innere Sicherheit, Alejandro Mayorkas, auf, „diese Abschiebungen und T42 an der Südgrenze sofort zu beenden”, sagte Schumer in einer Rede im Senat. Mit T42 ist eine Regelung gemeint, nach der die USA während der Pandemie die meisten Einwanderer ohne Papiere, die an der Südgrenze ankommen, automatisch abschieben kann, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, Asyl zu beantragen. „Wir können nicht mit dieser hasserfüllten, fremdenfeindlichen Politik von (Ex-Präsident Donald) Trump weitermachen, die unsere Flüchtlingsgesetze missachtet”, sagte Schumer.

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador setzt unterdessen darauf, dass die USA Geld für Investitionen in Mexiko und Mittelamerika geben, um Menschen zum Bleiben in ihrer Heimat zu bewegen. Mit den Programmen “Sembrando vida” (Leben säen) und “Jóvenes Construyendo el Futuro” (Junge Leute bauen die Zukunft) könnten in Mittelamerika Entwicklungsmaßnahmen ergriffen werden, um das Migrationsproblem zu bekämpfen. „Mit diesen beiden Programmen können wir in weniger als sechs Monaten 330.000 Menschen helfen, die diese gemeinsame Aktion der Regierungen von Guatemala, Honduras, El Salvador und den Vereinigten Staaten als ein Zeichen der Hoffnung sehen”, sagte López Obrador. Mit Zwangsmaßnahmen sei das Problem nicht in den Griff zu bekommen. López Obrador verwies in seiner Morgenkonferenz am Montag auf ein entsprechendes Schreiben an seinen US-amerikanischen Amtskollegen Joe Biden am 7. September, in dem er seine Forderungen bekräftigt habe.

Bald Abschiebeflüge aus Mexiko?

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Laut einem Bericht von AP soll auch Mexiko in den nächsten Tagen Rückführungsflüge nach Haiti starten, und zwar von Monterrey (Nuevo León) und von Tapachula (Chiapas) aus. AP berief sich auf einen US-Beamten, der nicht genannt werden wollte. Bisher hat Mexiko die Informationen nicht bestätigt. Monterrey liegt etwa 500 Kilometer südlich von Ciudad Ciudad Acuña im benachbarten Bundesstaat Coahuila, die Stadt Tapachula liegt 131 Kilometer nordwestlich von Quetzaltenango auf guatemaltekischer Seite.

Tapachula ist ein Drehkreuz für Migranten aus Haiti, die nach Mexiko einreisen. Viele Haitianer wurden in den letzten Wochen dorthin zurückgebracht, nachdem sie von den Behörden festgenommen worden waren, als sie in vier Migrantenkarawanen von Chiapas in den Norden zogen. Die Haitianer saßen teilweise monatelang in Tapachula fest und wollten nicht mehr auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge durch die mexikanische Einwanderungsbehörde INM warten, zitierten mexikanische Zeitungen einige der Haitianer.

In diesem Jahr sind mit etwa 19.000 Haitianern mehr als dreimal so viele Haitianer nach Mexiko gekommen als 2020. Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Ein verheerendes Erdbeben im August hat die Lage der Bevölkerung noch verschlimmert, zudem erlebt das Land nach der Ermordung ihres Präsidenten im letzten Juli schwere politische Turbulenzen. (dmz/hl)

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