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Amerika

Die Trump Show -sie lieben und sie hassen ihn

Des Moines, 29. Januar 2016 – Donald Trump – geliebt und gehasst. Wieder einmal bricht er mit allen Konventionen: Kurz vor der ersten US-Vorwahl boykottiert er eine TV-Debatte und legt sich mit Rupert Murdochs mächtigen Fernsehsender an. Seine Fans lieben ihn genau dafür. Von Michael Donhauser und Maren Hennemuth

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Trump hat gut lachen – viele Umfragen sehen ihn derzeit bei den innerparteilichen Vorwahlen vorne (Foto: travelandleisure.com / Twitter)

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Von Michael Donhauser und Maren Hennemuth

Des Moines, 29. Januar 2016 – Donald Trump – geliebt und gehasst. Wieder einmal bricht er mit allen Konventionen: Kurz vor der ersten US-Vorwahl boykottiert er eine TV-Debatte und legt sich mit Rupert Murdochs mächtigen Fernsehsender an. Seine Fans lieben ihn genau dafür.

Hinter dem Rednerpult: Sieben amerikanische Flaggen. Die Nationalhymne wird gespielt, im Auditorium der Drake University von Des Moines in Iowa, das Publikum ist aufgedreht, immer wieder ertönen „USA-USA“-Sprechchöre. Donald Trump ist noch gar nicht da, aber die Trump-Show hat schon begonnen. Und das Medienaufgebot ist riesig.

Als er hinter dem Vorhang herauskommt, ist es seine Bühne, er dominiert sie. Keine unangenehmen Fragen, keine Gegenargumente, keine Gegner. Die stehen zeitgleich bei einer Fernsehdebatte, die Trump gerade boykottiert hat. Wenige Tage vor der ersten US-Vorwahl in Iowa bricht Donald Trump weiterhin alle Konventionen des Polit-Geschäfts. Und wird dafür von seinen Anhängern gefeiert.

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„Ich unterstütze ihn, weil er die Wahrheit sagt, nicht wie die anderen“, sagt der 68 Jahre alte Vietnam-Veteran Ricky Redcliffe, der eigens dreieinhalb Stunden Autofahrt aus Minnesota auf sich genommen hat, um sein Idol zu sehen.

Ein paar Kilometer entfernt, steht sein bisheriger Hauptkonkurrent im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner auf einer anderen Bühne. Ted Cruz misst sich mit den anderen Bewerbern, Jeb Bush ist dabei, Marco Rubio, John Kasich. Es ist die letzte TV-Debatte der Republikaner, bevor bei der ersten innerparteilichen Vorwahl in Iowa am Montag erstmals die Wähler das Wort haben.

Der kleine Staat im Mittleren Westen ist in den vergangenen Wochen zur Spielwiese der großen Politik geworden. Übertragungswagen dominieren das Bild in der Hauptstadt Des Moines.

Ganze Städtchen sind außer sich, wenn etwa Hillary Clinton nach Newton fährt und dort in der Turnhalle einer Mittelschule die Hand nach Wählern ausstreckt. „Ihr seid die, auf die es ankommt“, ruft sie im erdfarbigen Hosenanzug ihren Anhängern zu, die sie zuvor stundenlang hat warten lassen. 

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Bei den Republikanern raucht es gewaltig

Bei den Republikanern raucht es gewaltig. Donald Trump hat Ernst gemacht: Die letzte große TV-Debatte vor dem Iowa-Caucus findet ohne den Mann statt, der in allen Umfragen führt und der als Unternehmer das politische Establishment in den USA auf beispiellose Art herausfordert. 

Trump habe Spenden in Höhe von fünf Millionen Dollar gefordert, als Gegenleistung für eine Teilnahme an der TV-Debatte, teilte Fox News mit. Das Geld wollte Trump medienwirksam spenden, etwa zugunsten von Kriegsveteranen. Der Sender habe das Anliegen zurückgewiesen, weil Gegenleistungen für Fernsehauftritte nicht möglich seien. Trump sammelte dennoch sechs Millionen, wie er sagt.

Vordergründig geht es um den bizarren Streit Trumps mit Fox News. Trump war in einer frühen TV-Debatte mit der Moderatorin Megyn Kelly aneinandergeraten, die er bezichtigt, seine Mitbewerber zu bevorzugen. Kelly war auch am Donnerstag wieder unter den Fragestellern. „Wenn man nicht gut behandelt wird, dann muss man aufstehen, als Person und auch als Nation“, ruft Trump unter dem Jubel seiner meist schwer patriotischen Zuhörer.

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Der Streit ist nur Vorwand. Der Verzicht ist eine taktische Pirouette, nicht ohne Sturzrisiko. Trump entzieht sich damit dem Kreuzfeuer, das ihm als Führenden nur schaden kann. Er legt sich aber mit dem mächtigsten TV-Sender der politischen Rechten in den USA und damit mit Medienzar Rupert Murdoch an. Ein Machtkampf im Wahlkampf. 

Bei seiner eigenen Konkurrenzveranstaltung, angeblich innerhalb von 48 Stunden kurzfristig zusammengezimmert, ist ihm nicht nur Jubel gewiss, sondern auch mediales Interesse. Rund 800 Zuhörern stehen 200 Journalisten gegenüber. „Trump hat die Schlagzeilen dominiert“, resümierte die „Washington Post“. „Wir haben mehr Kameras hier als die da drüben“, scherzt er und zieht über die anderen Kandidaten her, die sich von Lobbyisten leiten ließen und korrupt seien.

Ausdrücklich schließt er Rick Santorum und Mike Huckabee aus. „Das sind nicht solche“, ruft er ins Publikum. Beide sind chancenlos im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Beide ließen sich von Trump zu dessen Veranstaltung einladen, in der die „Washington Post“ eher eine „Fernsehrevue“ sah, als eine politische Diskussion. 

“Was ist mit dem Elefanten…?”

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Wenige Kilometer entfernt sind die übrigen Bewerber weniger gut auf ihn zu sprechen. Moderatorin Megyn Kelly fragt gleich zu Beginn, was mit dem Elefant sei, der nicht im Raum ist. Ted Cruz antwortet mit einer Imitation: „Ich bin ein Wahnsinniger. Und jeder hier auf der Bühne ist dumm, fett und hässlich.“ Nun, da der Trump-Part vorbei sei, wolle er allen dafür danken, dass sie erschienen seien. 

Ted Cruz bekommt seinen Moment. Er steht im Zentrum der Bewerber, da wo sonst Trump steht. Und er ist dort vor allem eine willkommene Zielscheibe für die anderen, die ihm etwa eine zu lasche Haltung beim Thema Immigration vorhalten. Medien stempeln ihn zum Verlierer der Debatte – was Trump in die Karten spielt. 

Jeb Bush – Ex-Gouverneur von Florida und einst Favorit im Rennen – wird ebenfalls ironisch: „Ich vermisse ihn irgendwie. Ich wünschte, er wäre hier. Er war wie ein Teddybär für mich.“ Trump war Bush bei früheren Debatten oft hart angegangen. 

Marco Rubio, Senator von Florida, wählt auffällig oft die Formulierung „Wenn ich Präsident bin“ und macht vor allem mit einer Äußerung von sich reden: Wenn er Präsident ist, werden Terroristen wieder in das berüchtigte Gefangenenlager Guantánamo geschickt. Das will Präsident Barack Obama eigentlich noch in seinen verbliebenen Monaten im Amt schließen.

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Und am Ende kommen sie dann doch wieder auf den zurück, der nicht da ist. Beiläufig sagt Jeb Bush: „Donald Trump – ich habe seinen Namen erwähnt, falls ihn jemand vermisst.“ (dmz/dpa/sw)

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