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Dunkle Zeiten in Caracas – Maduro soll gestürzt werden

Caracas, 3. Mai 2016 – Seit Sonntag laufen sogar die Uhren in Venezuela anders, um Strom zu sparen. Eine beispiellose Versorgungskrise lähmt das sozialistische Venezuela. Für Präsident Maduro wird es eng, er soll gestürzt werden.

 

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03 05 dunkle Zeiten Caracas

 

In der Uniklinik in Caracas demonstrierten die Beschäftigten gegen fehlende Medikamente und ausbleibende Bezahlung (Foto: El Universal/Caracas)

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Von Georg Ismar

Caracas, 3. Mai 2016 – Seit Sonntag laufen sogar die Uhren in Venezuela anders, um Strom zu sparen. Eine beispiellose Versorgungskrise lähmt das sozialistische Venezuela. Für Präsident Maduro wird es eng, er soll gestürzt werden.

Nicolás Maduro will sogar dem Parlament den Strom kappen. Eine kleine Gemeinheit, weil Venezuelas Opposition den Präsidenten per Referendum stürzen will? Der Staatschef des Landes mit den größten Ölreserven der Welt wirkt zunehmend rat- und hilflos. Seit Sonntag ist sogar an der Uhr gedreht worden, um Strom zu sparen. Denn das größte Wasserkraftwerk des Landes steht vor dem Kollaps.

Eine halbe Stunde vor, um mehr natürliches Tageslicht zu nutzen. Der drohende Zusammenbruch der Stromversorgung ist nicht die einzige Not. Venezuela gleicht einem Pulverfass. Medikamente und Lebensmittel fehlen, lange Schlangen überall, es gibt Berichte über Plünderungen.

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Das Land leidet unter der höchste Inflation weltweit, dazu unter einer tiefen Rezession. Die Jahreseinnahmen aus dem Ölgeschäft seien von 37,9 auf 12,6 Milliarden US-Dollar abgestürzt, sieht Maduro die Gründe für Krise und enorme Mangelwirtschaft im schwachen Ölpreis – er hält trotzdem an üppigen Sozial- und Wohnungsbauprogrammen fest.

Um die Bürger zu besänftigen, hat er pünktlich zum Tag der Arbeit nun auch eine Erhöhung des Mindestlohns um 30 Prozent verkündet, auf 15 051 Bolívares. “Die 51 sind für einen Extra-Tropfen Kaffee”, scherzt er. Denn die Kaufkraft ist rapide gefallen. Je nach Schwarzmarktkurs entspricht der ab sofort geltende Mindestlohn rund 17,50 Euro – das Geschenk dürfte die Lage kaum bessern. Viele Krisen überlappen sich.

Da ist vor allem die sich zuspitzende Energiekrise: Schulen blieben zuletzt freitags geschlossen, Staatsbedienstete mussten nur an zwei Wochentagen arbeiten. Einkaufszentren müssen mit Spar- oder keiner Beleuchtung auskommen, viele Fabriken produzieren kaum noch. Das Problem heißt El Guri. Das Stausee-Kraftwerk hat normalerweise 10 000 Megawatt Leistung, das entspricht sieben Atomkraftwerken, aber es steht vor einem weitgehenden Produktionsstopp. Es versorgt das Land mit den größten Ölreserven der Welt zu fast 70 Prozent mit Energie.

In der Hafenstadt Maracaibo wurden Straßenbarrikaden errichtet, um gegen Stromabschaltungen zu protestieren. Der Chef der Nationalgarde, Néstor Reverol, schickte 3500 Soldaten, um der brenzligen Lage Herr zu werden. Maduro schiebt alle Schuld auf das Klimaphänomen El Niño – hohe Temperaturen ließen den Pegel im Guri-See stark sinken. Die Opposition wettert hingegen gegen lange Misswirtschaft, gegen nicht getätigte Investitionen in neue, moderne Kraftwerke. Und trotz viel Sonne fristen erneuerbare Energie hier ein ziemliches Schattendasein.

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Der Ingenieur Jesús Augusto Gómez vom Experten-Netzwerk Grupo Orinoco beobachtet täglich den Pegel, sein aktueller Befund ist dramatisch: 241,41 Meter. “Das ist nur noch 1,41 Meter über der kritischen Grenze von 240 Metern.” Dann ist für die meisten Turbinen Feierabend. Luft ströme ein, es bestehe die Gefahr schwerer Schäden. Ende der Woche könnte der kritische Pegel erreicht sein. “Dann müssen bis zu acht Turbinen mit einer Leistung von 5000 Megawatt die Arbeit einstellen.”

Und was bringt die Zeitumstellung, auf nur noch sechs Stunden hinter der MESZ? “Der Effekt ist äußerst gering”, meint Gómez. Vielleicht könne das den Bedarf an Leistung zu einigen Tageszeiten um 300 Megawatt drücken. “Die ganzen Maßnahmen kommen sehr spät, um nachhaltige Effekte zu haben.” Dazu gehört auch, dass Frauen auf Geheiß Maduros doch bitteschön vom Föhnen Abstand nehmen sollen.

Es kriselt an allen Ecken. Polar, mit 80 Prozent Marktanteil größte Brauerei, musste gerade die Bierproduktion einstellen, wegen der Devisenpolitik der Regierung könne man keine Gerste mehr einführen. In wenigen Tagen könnte es daher vielerorts kein Bier mehr geben. Und in der Uniklinik in Caracas demonstrierten die Beschäftigten auf den Balkonen gegen fehlende Medikamente und ausbleibende Bezahlung.

Für Maduro hat längst das politische Endspiel begonnen. Im Dezember hatte die Opposition bei der Parlamentswahl triumphiert, sie will den unter Hugo Chávez (gestorben 2013) begonnenen Sozialismus des 21. Jahrhunderts beenden. Chávez hatte auch die nun kassierte Zeitzone von 6,5 Stunden hinter der MESZ eingeführt, Spötter sagen, damit Venezuela nicht mehr in einer Zeitzone mit Teilen der USA liegt.

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1,5 Millionen Unterschriften sammelte die Opposition letzte Woche, damit wird ein Referendum über Maduros Abwahl noch 2016 immer wahrscheinlicher. Käme es jetzt auch noch zu einem großen Blackout, dürfte das Maduros Chancen auf einem Amtsverbleib nicht erhöhen. (dmz/dpa/hl)

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