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Amerika

Jetzt wird’s ernst: Komiker Morales wird Präsident von Guatemala

Guatemala-Stadt, 13. Januar 2016 – Die Wut der Wähler über das korrupte Establishment hat den politischen Newcomer ins Präsidialamt getragen. Jetzt muss sich der TV-Komiker Jimmy Morales beweisen und das Vertrauen in den Staat wiederherstellen. Das Land leidet unter Gewalt, Armut und klammen Kassen. Von Denis Düttmann und Amafredo Castellanos

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Jetzt muss Jimmy Morales beweisen, was er kann (Foto: contrapoder.gt)

Von Denis Düttmann und Amafredo Castellanos

Guatemala-Stadt, 13. Januar 2016 – Die Wut der Wähler über das korrupte Establishment hat den politischen Newcomer ins Präsidialamt getragen. Jetzt muss sich der TV-Komiker Jimmy Morales beweisen und das Vertrauen in den Staat wiederherstellen. Das Land leidet unter Gewalt, Armut und klammen Kassen.

Schluss mit lustig: Der TV-Komiker Jimmy Morales wird am Donnerstag als neuer Präsident von Guatemala vereidigt und übernimmt damit seine bislang wichtigste Rolle. Eine Welle der Unzufriedenheit über die korrupte politische Klasse hat den früheren Schauspieler ins höchste Staatsamt gespült – jetzt wartet eine Mammutaufgabe auf den 46-Jährigen.

„Die Guatemalteken werden seine Amtsführung genau unter die Lupe nehmen“, sagt der frühere Vizepräsident Eduardo Stein im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Er sehe sich kolossalen Problemen in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit, Bildung, Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit gegenüber.

Wo Morales politisch steht, ist noch unklar. Gewählt wurde er auf dem Ticket der nationalistischen Partei FCN, hinter der ultrarechte Ex-Militärs stehen sollen. Im Wahlkampf präsentierte sich der studierte Betriebswirt allerdings als politischer Newcomer, den die Tagespolitik noch nicht verdorben hat. Die Wiege der Korruption liegt nach Einschätzung von Ex-Vizepräsident Stein in den politischen Parteien.

„Die größte Herausforderung wird für ihn sein, das Vertrauen im In- und Ausland wieder herzustellen“, sagt der Analyst Luis Linares vom Forschungsinstitut Asies. „Das ist der entscheidende Punkt.“ Guatemala war zuletzt von einer ganzen Reihe von Schmiergeldskandalen erschüttert worden. Jahrzehntelang hatte sich das Establishment das Land zur Beute gemacht. Morales stellte seinen Wahlkampf unter das Motto „Weder korrupt, noch Dieb“.

Ex-Präsident Otto Pérez und seine frühere Stellvertreterin Roxana Baldetti sitzen wegen Korruptionsvorwürfen in Haft. Über das Netzwerk „La Línea“ sollen sie es Firmen ermöglicht haben, gegen Schmiergeldzahlungen Waren am Zollamt vorbei ins Land einzuführen. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft flossen mindestens 3,7 Millionen US-Dollar Bestechungsgeld. Insgesamt wird gegen Dutzende Politiker, Beamte und Unternehmer ermittelt.

Der Vertrauensverlust in Staat und Institutionen ist allerdings nicht die einzige Baustelle, die sein Vorgänger Morales hinterlassen hat. Der neue Präsident erbt zum Amtsantritt ein Haushaltsdefizit von rund 647 Millionen US-Dollar. Der ultra-liberale Wirtschaftskurs hat dem Land ein massives Finanzierungsproblem beschert: Mit zwölf Prozent hat Guatemala nach Angaben der Weltbank die niedrigste Steuerquote der Welt.

Zwar legte die guatemaltekische Wirtschaft im vergangenen Jahr um 4,1 Prozent zu, der Großteil der Bevölkerung profitiert davon aber nicht. Zuletzt rutschten sogar immer mehr Menschen in die Armut ab. Galten im Jahr 2000 noch 56,4 Prozent der Guatemalteken als arm, waren es 2014 schon 59,3 Prozent. Der Anteil der Bevölkerung, der in extremer Armut lebt, stieg von 15,7 Prozent auf 23,4 Prozent.

„Die letzten Regierungen wollten die Wettbewerbsfähigkeit durch niedrige Steuern und billige Arbeitskraft erhöhen“, sagt Linares. „Das Land muss jetzt aber andere Strategien verfolgen, um Investoren anzulocken, zum Beispiel eine Stärkung des Humankapitals.“

Vor allem die ländliche Entwicklung wurde lange Zeit vernachlässigt. Obwohl 36 Prozent der Guatemalteken in der Landwirtschaft arbeiten, trägt der Sektor nur zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. „Zwei Drittel der Bauern produzieren gerade mal genug zum Überleben“, sagt Linares.

Helmer Velásquez vom Dachverband der Nichtregierungsorganisationen fordert ein Investitionsprogramm für den ruralen Raum. „Die Armut, und vor allem die Armut auf dem Land, ist eine der größten Herausforderungen für diese Regierung“, sagt er. „Wir brauchen aber keine Sozialhilfeprogramme, sondern müssen der Landwirtschaft mehr Dynamik verleihen, zum Beispiel durch den Ausbau der Infrastruktur.“

Auf der Leinwand hat Morales schon einmal geprobt für seine neue Rolle. In seinem letzten Film mimt er einen einfachen Bauern, der durch Zufall ins höchste Staatsamt gewählt wird. Jetzt muss Morales zeigen, was er gelernt hat. (dmz/dpa/hl)

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