Studieren auf Deutsch: Zahlreiche Angebote in Lateinamerika

Die aktualisierte Neuauflage des IMH-Buchs „Deutschsprachige Studienangebote weltweit“ (©IMH)

Berlin, 2. November 2018 – Wer in deutscher Sprache studieren möchte, aber in Lateinamerika lebt, muss dafür nicht unbedingt nach Europa. Fast in jedem Land zwischen Mexiko und Chile bieten Hochschulen einige deutschsprachige oder zweisprachige Studiengänge.

Genaue Informationen bietet das Buch „Deutschsprachige Studienangebote weltweit“, das die Internationale Medienhilfe (IMH) in Berlin veröffentlicht hat.

Danach bietet nahezu jede größere Hochschule in Lateinamerikas Germanistik, auch das Fach „Deutschland-Studien“ komme recht häufig vor.

In Brasilien bietet laut IMH die Universität Sao Paulo unter dem Namen „Von Martius“ einen Lehrstuhl für Deutsche Studien, benannt nach dem deutschen Botaniker und Brasilienforscher Karl Friedrich Phillipp von Martius (1794-1868). An der Universidade Federal do Paraná (UFPR) in Curitiba gibt es unter dem Namen „EDUBRAS“ einen Studiengang im Bereich Umweltschutztechnik, der dort seit 2007 gemeinsam mit der Universität Stuttgart durchgeführt wird. In dem zweijährigen Aufbaustudium mit einem Master-Abschluss ist etwa ein Drittel der Vorlesungen deutschsprachig.

Ein technischer Master-Studiengang zu nachhaltiger Siedlungs- und Infrastrukturplanung kann seit 2006 bei der Pontificia Universidade Catolica do Rio de Janeiro absolviert werden. Die Dozenten bei diesem zweisprachigen Studium kommen zum Teil von der Universität Braunschweig. Deutschsprachige Professoren lehren auch an der Universidade do Estado do Rio de Janeiro (UERJ) im Fach Musik und an der Escola Superior de Teologia da IECLB im brasilianischen Sao Leopoldo in Theologie.

Wer im spanischsprachigen Südamerika ein Pädagogik- oder Lehramtsstudium auf Deutsch absolvieren möchte, kann das in Chile und Paraguay machen. Das Deutsche Lehrerbildungsinstitut in Santiago de Chile bietet drei Studiengänge für Kindergartenerzieher sowie für Lehrer in Grundschulen und Oberstufen. Das Institut wurde 1988 als private Einrichtung gegründet. Seit 2015 ist es eine offizielle Außenstelle der chilenischen Universidad de Talca und damit eine staatliche Pädagogische Hochschule, die hauptsächlich den Erzieher- und Lehrernachwuchs für deutschsprachige Kindergärten und Schulen ausbilden soll.

Schon seit 1955 existiert in der Region Chaco in Paraguay das Institut für Lehrerbildung Filadelfia (IFL). In dieser Region leben viele Mennoniten, Angehörige einer ursprünglich aus Norddeutschland stammenden protestantischen Glaubensgemeinschaft. Sie haben ein sehr fortschrittliches Gemeinwesen mit zahlreichen deutschen Schulen geschaffen. Das Institut für Lehrerbildung in der weitgehend deutschsprachigen Stadt Filadelfia ist eine Außenstelle der Universidad Evangelica del Paraguay und wird von der Bundesrepublik Deutschland unterstützt.

Ebenfalls in Filadelfia besteht eine Hochschule für Krankenpflege (Escuela de Enfermería – INFORTES Filial Filadelfia), an der fast alle Lehrenden deutsch sprechen. Weil den Mennoniten  ihre Religion besonders wichtig ist, haben sie in Paraguay mehrere  theologische Ausbildungsstätten mit deutschsprachigem Lehrpersonal gegründet. Dazu gehören die Bibelschule von Loma Plata sowie die Universidad Evangélica del Paraguay mit dem Centro Evangélico Mennonita de Teología Asunción (CEMTA) und dem Instituto Bíblico Asunción (IBA).

Wegen des bedeutenden deutschen Bevölkerungsanteils gibt es in der Hauptstadt Asunción seit 2014 auch die private Universidad Paraguayo-Alemana (UPA). Dort wird unter anderem ein Betriebswirtschaftsstudium mit Vorlesungen in spanischer und deutscher Sprache angeboten.

Neu sind  in ganz Lateinamerika die vielen Berufsfachschulen, die nach deutschem Vorbild geschaffen werden. Im Raum Buenos Aires gibt es  zum Beispiel das Deutsch-Argentinische Berufsbildungszentrum und  die Escuela Técnica Otto Krause. Der Unterricht erfolgt häufig mehrsprachig. Komplett deutschsprachig ist der Unterricht am Bildungszentrum für Ernährung und Hauswirtschaft im paraguayanischen Ort Neu-Halbstadt der mennonitischen Kolonie Neuland. Dort können junge Leute einen dreijährigen dualen Ausbildungsgang zum Sozialassistenten (z.B. für die Altenpflege) durchlaufen.

Das Buch „Deutschsprachige Studienangebote weltweit“ der IMH kann über Amazon Mehr Informationen über deutschsprachige Ausbildungsmöglichkeiten in Lateinamerika und weltweit gibt es bei der Internationalen Medienhilfe (IMH) in Berlin: info@medienhilfe.org. (dmz/hl)

 




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