Ausschreitungen bei Massenprotesten für verschleppte Studenten

 

Nahe dem Flughafen von Mexiko-Stadt kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. (Foto: almomento.mx)

Der mutmaßliche Mord an Dutzenden Studenten wirft erneut ein Schlaglicht auf die weit verbreitete Gewalt und Straflosigkeit in Mexiko. Viele Bürger haben kein Vertrauen mehr in den Staat. Ihre Empörung tragen sie auf die Straße.

Mexiko-Stadt, 20. November 2014 – Nach dem mutmaßlichen Mord an Dutzenden Studenten in Mexiko sind Tausende aus Solidarität mit den jungen Menschen auf die Straße gegangen. Von drei symbolträchtigen Orten in Mexiko-Stadt marschierten die Demonstranten am Donnerstagabend auf den zentralen Platz Zócalo zu. Angehörige der Verschleppten aus dem verarmten Bundesstaat Guerrero führten die Protestzüge an. Am Rande kam es zu Ausschreitungen.

«Lebend habt ihr sie uns genommen, lebend wollen wir sie zurück» und «Gerechtigkeit, Gerechtigkeit», skandierten die Demonstranten am Unabhängigkeitsdenkmal auf einer Prachtstraße der mexikanischen Hauptstadt. Ende September waren 43 Studenten des Lehrerseminars Ayotzinapa von der Polizei verschleppt und der kriminellen Organisation «Guerreros Unidos» übergeben worden. Bandenmitglieder räumten mittlerweile den Mord an den jungen Leuten ein. Die Familien und Kommilitonen der Opfer bezweifeln die bisherigen Ermittlungsergebnisse.

Auch «Ayotzinapa – es waren nicht die Narcos, es war der Staat» war auf Transparenten zu lesen. Und: «Es sind nicht 43, es sind Tausende». In Mexiko gelten derzeit über 20 000 Menschen als vermisst. Als Narcos werden in dem Land Drogenhändler bezeichnet.

«Ich marschiere heute mit, weil ich die Ignoranz der Behörden und die Arroganz der Eliten satt habe. Da verschwinden 43 Kameraden und der Staat tut nichts», sagte Student Pedro Molina der Deutschen Presse-Agentur. Seine Freundin Emilia Carranza sagte: «Ich habe genug von der Gewalt und der Straflosigkeit. Ich möchte stolz auf mein Land sein, aber wie soll das gehen, wenn Dinge wie in Guerrero passieren?»

Nahe dem Flughafen von Mexiko-Stadt kam es am Donnerstag zu gewalttätigen Ausschreitungen. Vermummte schleuderten Molotow-Cocktails und Feuerwehrkörper auf die Polizei. Mindestens 15 Demonstranten wurden festgenommen. In San Cristóbal de las Casas im südlichen Bundesstaat Chiapas griffen Randalierer mehrere Geschäfte an und schleuderten Farbbeutel auf das Rathaus.

Präsident Enrique Peña Nieto rief zur Mäßigung auf. «Wir Mexikaner sagen Nein zur Gewalt», sagte der Staatschef bei einer Militärzeremonie anlässlich des Jahrestags der mexikanischen Revolution. «Ein Angriff auf die Institutionen ist ein Angriff auf die Mexikaner.» (dpa/dmz/hl; Foto: www.almomento.mx)