Ausverkauft und La Ola: Mexiko im Formel-1-Fieber

 

Sieg für die Formel 1 in Mexiko: Formel-1-Chef Bernie Ecclestone mit Mexikos Präsidenten  Enrique Peña Nieto und Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton auf dem Rennkurs Hermanos Rodríguez in Mexiko-Stadt (Foto: ScherzyHamilton / Twitter)

Von Jens Marx

Mexiko-Stadt, 1. November 2015 – Die Runde mit Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto ließ sich Bernie Ecclestone nicht nehmen. Der 85 Jahre alte Geschäftsführer der Formel 1 hatte allen Grund, die Rückkehr der Motorsport-Königsklasse ins Land der Azteken nach 23 Jahren mit Freude und Stolz zu verfolgen. Volle Tribünen, 110 000 Zuschauer, packende Stimmung. La Ola wie einst bei der Fußball-WM in Mexiko 1986.

„Man merkt hier schon, dass es einfach von Herzen kommt und dass es natürlich ist. Es ist cool, Teil davon zu sein“, betonte Force-India-Pilot Nico Hülkenberg, Teamkollege des Lokalmatadors Sergio Perez. „Die sind einfach hungrig, weil sie 23 Jahre die Formel 1 nicht hatten. Man merkt, dass ihnen etwas gefehlt hat“, sagte der 28 Jahre alte Fahrer aus Emmerich.

Ecclestone dürfte sich in seinem Expansionskurs mit neun neuen Strecken seit 1999 und der Rückkehr von drei Kursen, die länger nicht im Kalender standen, mehr als bestätigt fühlen. Das einst als Kernmarkt gepriesene Europa gerät noch mehr unter Druck und Deutschland steckt mittendrin.

In diesem Jahr war der Grand Prix sogar abgesagt worden – der Nürburgring hatte schlichtweg nicht das Geld für die Antrittsprämie von mehreren Millionen. Der Hockenheimring lehnte ab, kurzfristig einzuspringen, zu groß war das Risiko von Verlusten. Denn den Veranstalter bleibt nichts als das Geld durch die Zuschauer, um ihre Haushalt zu begleichen oder gar schwarze Zahlen zu schreiben.

In Mexiko kosteten die günstigsten Tickets von Freitag bis Sonntag auf der offiziellen Formel-1-Homepage umgerechnet rund 104 Euro. Das teuerste, ein VIP-Paket auf den besten Plätzen, 3177 Euro. Und die Veranstaltung war ausverkauft. An den Aufgängen zum exklusiven Paddock Club herrschte an allen Tagen Betrieb. Laut der Zeitung wurden VIP-Tickets auf dem Schwarzmarkt sogar für umgerechnet bis zu 6600 Euro gehandelt.

So wie es aussieht, braucht sich Mexiko keine Sorgen zu machen, dass die Strecke das gleiche Schicksal ereilen könnte wie zum Beispiel der Kurs im japanischen Fuji. Nach drei Jahrzehnten kehrte die Formel 1 2007 zurück. Nach dem Rennen 2008 war schon wieder Schluss. Oder Valencia. Von 2008 bis 2012 wurde in der spanischen Hafenstadt gefahren. Oder den Buddh International Circuit: 2011, 2012 und 2013 trat die Formel 1 auf dem Kurs nahe Neu Delhi in Indien an. Alles längst wieder Geschichte.

Nicht so das Autódromo Hermanos Rodríguez mit seiner beeindruckenden und einzigartigen Passage durch ein ehemaliges Baseball-Stadion hindurch. Zumal im kommenden Jahr auch noch zwei Mexikaner antreten werden. Neben Hülkenbergs Kollege Pérez wird auch Esteban Gutiérrez am Start sein. Seine Verpflichtung durch den neuen amerikanischen Rennstall Haas war keine Überraschung mehr, publikumswirksam wurde sie dennoch am Rande des Großen Preises von Mexiko inszeniert.

Keine Frage, Mexiko hat die Formel 1 mit offenen Armen willkommen geheißen. Ecclestone dürfte das besonders gefreut haben. Der geschäftstüchtige Brite plant schon den nächsten Ausbau des Formel-1-Verkehrsnetzes, an das 2016 Aserbaidschan angeschlossen wird. Ein zweites Rennen in den USA will er auch noch, nachdem Austin seit 2012 dabei ist. Tendenz Kalifornien, der Sonnenstaat. Ecclestones Reich wird auf jeden Fall weiter wachsen. (dmz/dpa/hl)