Blizzard „Juno“: New York rüstet sich für Mega-Schneesturm

Von Christian Fahrenbach, dpa

New York, 26. Januar 2015 – Beim Wort Snowstorm bleiben die New Yorker in der Regel ziemlich cool, doch beim Blizzard wird es ernst. Nun steht ein gewaltiger Schneesturm bevor. Wird sich „Juno“ zum größten Blizzard in der Geschichte der Metropole auswachsen? Die Stadt rüstet sich für das Schlimmste.

Bei keinem Thema wird in den USA so schnell und routiniert Alarm geschlagen wie beim Wetter – doch dieses Mal wird es womöglich ernst: „Dies könnte der größte Schneesturm in der Geschichte von New York City werden“, sagte Bürgermeister Bill de Blasio bereits am Sonntag. Auf rund 400 Kilometern entlang der US-Nordostküste werde es laut nationalem Wetterdienst von Philadelphia über New York bis nach Boston einem Blizzard in gut einem halben Dutzend Bundesstaaten kommen. In Neu England seien „hurrikan-ähnliche Windstärken ohne jede Sicht“ zu erwarten, hieß es am Montag.

60 Zentimeter Schneefall in New York, bis zu 80 Zentimeter in Boston, auch 90 Zentimeter seien möglich, sagt der Fernsehsender „Weather Channel“ für den „Juno“ genannten Sturm voraus. Bis zu 115 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit an der US-Ostküste und Schneeverwehungen erwartet der nationale Wetterdienst. 20 Millionen Menschen seien von der Blizzard-Warnung betroffen, hieß es beim TV-Sender CNN. Verantwortlich dafür ist eine Großwetterlage, die Meteorologe Dylan Dreyer von MSNBC „Bombogenesis“ nannte: Im Inneren eines Sturms sinkt der Druck um mehr als 24 Millibar in 24 Stunden, der Wind legt zu, massiver Schneefall setzt ein.

Vorsichtsmaßnahmen: 3.500 Flüge gestrichen, Schulen geschlossen

Bei solchen Aussichten springt in den USA die Vorsichts-Maschinerie an. Die Webseite Flightaware.com führte am Montagmorgen mehr als 6.000 Flüge, die landesweit bis Mittwoch ausfallen würden – bereits am Sonntagabend hatten die Fluggesellschaften noch vor der ersten Schneeflocke rund 3.500 Flüge abgesagt. Von 19 Uhr (Ortszeit) an sollten die U-Bahnen in New York nur noch eingeschränkt fahren, kündigte der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, am Mittag an. Schulkinder in New Jersey wurden am Montag ab dem Mittag früher nach Hause geschickt und können am Dienstag ganz zu Hause bleiben. Das gilt auch für viele Büros – ein Grund dafür ist oft auch das US-amerikanische Arbeitsrecht: Das Gehalt wird an solchen Tagen vielerorts nicht weitergezahlt, und die Arbeitgeber sparen Geld.

Ausgeglichen: New Yorker bleiben im wahrsten Sinne cool

Doch die New Yorker geben sich bei solchen Gelegenheiten auch gerne betont cool. Während „Nemo“ im Jahr 2013 schnallten sich Dutzende ihre Langlaufskier unter die Füße und fuhren über die Bürgersteige am Times Square und durch die Parks. Berichte im Blog „The Gothamist“ erinnern daran, wie 2008 die Park-Aufsicht im Central Park heißen Kakao an die im Schnee spielenden Bewohner der Stadt ausgab. „Wir sind zu oft vorgewarnt worden, und dann war es gar nicht schlimm“, sagte eine Passantin dem „Weather Channel“ am Montagmorgen. Trotzdem bildeten sich vor einigen Supermärkten kleine Schlangen, was viele User mit Fotos und Kommentaren in Sozialen Netzwerken unter dem Stichwort #Blizzard2015 dokumentierten.

Unter dem Strich wartete die Stadt am Montag dennoch eher gelassen auf Schnee, Sturm und neue Rekorde – und das, obwohl am Sonntag Bürgermeister de Blasio während seiner Pressekonferenz eine Liste mit den schneereichsten Tagen der Stadtgeschichte einblendete und darauf verwies, dass diese Werte wohl übertroffen werden würden. 2006 entstand der Rekord mit 26,9 Inch (68 Zentimeter) Schnee in einem einzigen Sturm, gefolgt von einem Blizzard 1947 mit 26 Inch und 1888 mit 21 Inch Neuschnee. Die Rekordliste gilt auch als Hinweis auf den Klimawandel: Fünf der zehn schlimmsten Stürme waren laut Website „Weather Underground“ in den letzten elf Jahren. (dmz/ds)