Brasilien hofft auf Freihandelsabkommen Mercosur-EU in diesem Jahr

 

Die Präsidentin von Brasilien, Dilma Rousseff, auf dem EU-CELAC-Gipfel in Brüssel (Foto: CELAC)

Brasília, 10. Juni 2015 – Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff will Fortschritte bei dem seit zwei Jahrzehnten in der Schwebe liegenden Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur. Es sei existenziell wichtig, dass der Vertrag noch in diesem Jahr abgeschlossen werde. Das sagte sie der Deutschen Welle anlässlich des EU-Lateinamerika-Gipfels in Brüssel.

Aus der Sicht des Mercosur und vor allem aus der Perspektive Brasiliens sei es „existenziell wichtig“, dass der Vertrag noch in diesem Jahr abgeschlossen werde. «Ob wir das allerdings tatsächlich schaffen, hängt von beiden Seiten ab. Wir Brasilianer glauben, dass Mercosur bereit sein könnte», sagte sie der Deutschen Welle anlässlich des am Mittwoch in Brüssel beginnenden EU-Lateinamerika-Gipfels.

Brasilien werde alles Mögliche tun und alles Unmögliche versuchen, um eine Vereinbarung abzuschließen. Noch für 2015 sei in Brasília der nächste Gipfel geplant. Zusammen vereinen die fünf Mercosur-Staaten – Brasilien, Argentinien, Venezuela, Uruguay, Paraguay – 275 Millionen Einwohner und mit drei Milliarden US-Dollar über 80 Prozent des südamerikanischen Bruttoinlandsproduktes. Die Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen begannen 1995, wurden dann auf Eis gelegt und 2010 wieder aufgenommen. Strittig sind unter anderem Marktöffnungsbedingungen für Agrarprodukte und spezifische Zolltarife.

Mit Milliarden-Investitionspaket gegen Wirtschaftskrise

Zuvor hatte Rousseff ein Milliarden-Investitionspaket im Infrastrukturbereich gegen die Wirtschaftskrise an. Die brasilianische Staatschefin nannte am Dienstag eine Summe von umgerechnet 56,6 Milliarden Euro, die in den Ausbau von Straßen, Häfen, Flughäfen und Eisenbahnverbindungen fließen soll. Allein bis 2018 sind in dem als historisch titulierten „Plan für Konzessionen“ Investitionen von 19,7 Milliarden Euro vorgesehen.

Hauptziel ist es, ausländische Investoren ins Land zu locken und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Für 2015 erwartet Brasilien einen Rückgang des Wirtschaftswachstums von 1,2 Prozent und eine Inflation von über 8 Prozent. Nachholbedarf gibt es in der siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt vor allem im Schienenverkehr. In brasilianisch-chinesischer Kooperation soll unter anderem die Transoceânica-Eisenbahnlinie entstehen, die das am Atlantik gelegene Brasilien mit dem Pazifik in Peru verbinden soll. (dmz/dpa/hl)