Brasiliens „Copa“ kommt in Schwung

 

Von Helmut Reuter und Arne Richter, dpa

Brasiliens „Weltmeisterschaft der Weltmeisterschaften“ hat vielversprechend angefangen. Millionen Brasilianer und WM-Fans aus aller Welt feierten einen WM-Auftakt mit vielen Toren und überraschenden Siegern. Da wurden die Proteste fast zur Nebensache.

Rio de Janeiro, 15. Juni 2014 – Noch tanzt nicht ganz Brasilien „in einem Rhythmus“, wie es das WM-Motto verspricht. Aber der Gastgeber ist zweifelsfrei zum Start seiner „Copa“ endlich in Stimmung gekommen. Die Demonstranten spielten trotz oft berechtigter Anliegen nahezu eine Nebenrolle. Seit der Brazuca rollt, so scheint es, kennt die Nation nur ein Thema: Futebol. Von Manaus bis Porte Alegre, von Rio bis Fortaleza fieberten Millionen Fans auf der Straße, bei FIFA-Fanfesten und zu Hause vor den Fernsehern mit. Von der WM-Stimmung will sich vor dem Auftakt der deutschen Mannschaft gegen Portugal am Montag in Salvador auch Bundeskanzlerin Angela Merkel überzeugen.

Die Initialzündung kam am Donnerstag mit dem 3:1-Sieg der Seleção über Kroatien, auch wenn die Partie in São Paulo der Makel des ungerechtfertigten Elfmeters anhaftet und sich FIFA-Boss Joseph Blatter wie viele Fußball-Fans schon wieder über krasse Schiedsrichter-Fehler ärgern muss. Doch spätestens seit dem Sieg des Rekordweltmeisters ist die Zahl der Brasilienfahnen an Autos und Häusern deutlich gestiegen.

Überschattet wurde die Auftaktpartie von Randalen und Ausschreitungen in der Eröffnungsstadt, bei denen es Verletzte und Festnahmen gab. In den ersten Tagen wurden aber auch aus Belo Horizonte, Rio, Brasília, Porto Alegre und Fortaleza Proteste gemeldet, die aber in keiner Weise mit der Massenbewegung beim Confederations Cup 2013 zu vergleichen waren.

Doch die Bilder waren hart: Wieder gingen massiv bewaffnete Polizeieinheiten mit Tränengasgranaten, Schlagstöcken und Gummigeschossen gegen Randalierer vor, die ihrerseits mit Steinen warfen und Müll auf der Straße in Brand setzen. Stunden später dann erneut Donnerschläge: Aber diesmal waren es Böller und Raketen, die in den Himmel stiegen. So feiern die Brasilianer jeden Treffer ihrer Seleção. Doch nicht nur die Spiele des Gastgebers sorgen für Euphorie. 600 000 ausländische WM-Touristen machen Party-Stimmung, wenn ihre Mannschaften spielen.

An Rios Copacabana herrscht schon seit Tagen Ausnahmezustand. Abertausende Fans aus allen WM-Ländern bevölkern die legendäre Strandpromenade und ziehen siegessicher mit selbst gemachten WM-Pokalen, Fahnen und Nationaltrikots umher. Die Pannen in den Stadien hielten sich in Grenzen. Anders als bei den massiv verzögerten Bauarbeiten gab es bei den ersten Partien keine Katastrophenmeldungen. In São Paulo fielen nur kurzzeitig einige Flutlichter aus, und es gab Klagen über schlechte Internetverbindungen.

In Top-Zustand zeigte sich der Rasen in der Arena das Dunas in Natal, der im Spiel Mexiko gegen Kamerun (1:0) sintflutartige Regenfällen problemlos meisterte. „Der Rasen war für dieses Wetter unglaublich gut“, sagte Mexikos Stürmer Javier Hernandez – als Profi bei Manchester United schlechtes Wetter gewohnt. Und auch der optisch ramponierte Rasen in Manaus war beim Spitzenspiel England – Italien WM-würdig. Sportlich gab es Tore satt und mit dem 1:5 von Spanien gegen die Niederlande eine historische Pleite des Titelverteidigers.

Die deutschen WM-Fans bekommen indes am Wochenende prominente Verstärkung. Bundeskanzlerin Merkel wollte dem Gastgeberland selbst die Aufwartung machen und am Montag auch das Auftaktspiel der deutschen Mannschaft in Fonte-Nova-Stadion sehen. Sie will mit ihrem rund 23-stündigem Besuch das deutsche Team unterstützen und „auf der anderen Seite auch die Anerkennung für den Gastgeber Brasilien“ zeigen, formulierte Merkel diese Woche in Berlin. Sicherlich sei das für die Brasilianer, bei aller Kritik, ein großes Ereignis, mit dem sie sich in der Welt präsentieren könnten. (dpa/dmz/hl; Artikelbild: www.almomento.mx){fshare}

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